DDR-Geschichte erlebbar machen | MDR AKTUELL Podcast: Eliten in der DDR – wie sie lebten, was sie dachten

Im Sozialismus sind alle gleich, so hieß es in der DDR immer wieder. Aber es gab sie eben doch, die "oberen Zehntausend". Wir besuchen diese Menschen und sprechen mit ihnen über ihr Leben in der DDR.

Mauer, Stasi, Schießbefehl – wenn über die DDR gesprochen wird, dann häufig im Kontext der Diktatur. Honecker, Mielke, Krenz gaben der Diktatur ein Gesicht. Doch Verantwortung trugen in der DDR weitaus mehr Menschen. Egal, ob mit Parteibuch oder ohne, hielten sie das Land "am Laufen". Als Betriebsdirektoren, Schulleiter, Parteisekretär oder Richter gehörten sie zur Elite des Landes, auch wenn dieser Begriff öffentlich nicht benutzt wurde. Wie blicken diese Menschen heute auf ihr Leben zurück? Sehen Sie sich als opportunistisch, pflichtbewusst, tatkräftig oder gar schuldig?

Carsten Heller, Redakteur/ Stellvertretender Leiter Redaktion Nachrichten Hörfunk
Bildrechte: MDR/Jan Bräuer

Die Menschen, die wir besuchen, lassen uns teilhaben an ihrem früheren Leben. Sie erzählen ohne Scheu, es ist ihre Geschichte.

Carsten Heller Verantwortlicher für den Podcast

Die Elite - wer gehörte dazu?

Einige dieser früheren Eliten wollen wir in unserem Podcast vorstellen. Da ist beispielsweise der ehemalige Betriebsdirektor aus Sonneberg, ein klassisches Arbeiterkind mit sozialistischer Erziehung. Er arbeitet sich hoch in seinem Betrieb, "aus eigener Kraft", wie er sagt. Er verdient viermal so wie ein normaler Facharbeiter.

Bernd Sauer
Bildrechte: MDR/Jan Kröger

Wir waren erzogen im Sinne des Sozialismus und auch im Sinne eines Arbeiter-und-Bauern-Staates. Das war in unseren Köpfen und so haben wir auch in der DDR gearbeitet.

Bernd Sauer Ehemaliger Betriebsdirektor in Sonneberg

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass er nie frei ist in seinen Entscheidungen. Als er aufgefordert wird, in einem anderen Betrieb eine Leitungsposition zu besetzen, widersetzt er sich zunächst. Er hat keinen Grund für den Wechsel, er fühlt sich wohl in seinem kleinen Reich. Als die Partei Druck auf ihn ausübt, gibt er trotzdem nach, "nützt ja nichts". Bei einer Weigerung könnte sein Sohn nicht studieren, wird ihm angedeutet.

Privilegien und Zwänge

In einer weiteren Podcast-Folge stellen wir Prof. Roland Glaser vor, einen der führenden Biophysiker in der DDR. Er galt damals als Pionier in seinem Fach, auch international. Er beschreibt, welche Privilegien er als Hochschullehrer hatte und welchen Zwängen er unterworfen war. Man konnte Grenzen austesten, durfte sie aber nicht überschreiten. Dann wäre es vorbei gewesen mit der Karriere, egal wie angesehen man in seinem Fach war.

Hier können Sie sich alle Folgen anhören:

Die Autorin und der Autor

Die beiden Podcast-Autoren Kristin Kielon und Jan Kröger bilden ein Ost-West-Tandem. Kristin Kielon ist in der Nähe von Oschatz in Sachsen aufgewachsen und damit ein Kind des Ostens. Die Mauer fiel kurz vor ihrem dritten Geburtstag. Dennoch hat der untergegangene Staat in ihrem Leben eine große Rolle gespielt, auch durch die Erzählungen in ihrer Familie. Seitdem hat sie großes Interesse an der Geschichte Ostdeutschlands und wie die Menschen im alten System gelebt haben - und wie sie heute zurückschauen.

Für Jan Kröger war das alles fremd. Er wurde in Schleswig-Holstein geboren, in einem Land, wo es ganz normal war, dass es "die da oben" und "die da unten" gibt. Seit vielen Jahren lebt er nun schon in Sachsen, und die Reise zu den DDR-Eliten ist für ihn ein großes Abenteuer.

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