Tränengas im Stadion 125 Tote bei Massenpanik nach Fußballspiel in Indonesien

Nach einem Fußballspiel in der indonesischen Provinz Ost-Java sind mindestens 125 Menschen ums Leben gekommen. Die Polizei hatte mit Tränengas im Stadion versucht, wütende Fans in Schach zu halten und so anscheinend Panik ausgelöst. Zunächst war von mehr als 170 Toten die Rede gewesen, die Behörden korrigierten die Zahlen aber nach unten.

Fußballfans stürmen das Spielfeld indonesischen im Kanjuruhan-Stadion
Wütende Fans stürmen auf das Spiefeld - die Polizei setzt Tränengas gegen sie ein. Bildrechte: dpa

Bei einer Massenpanik nach einem Fußballspiel in Ost-Indonesien sind nach Behördenangaben mindestens 125 Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien 180 Menschen zum Teil schwer verletzt, teilte die Polizei in Ost-Java mit. Zunächst war von 174 Toten die Rede gewesen: Der Vize-Gouverneur von Ost-Java, Emil Dardak, erklärte, diese Zahl habe möglicherweise doppelt gezählte Opfer umfasst.

Polizeichef Nico Afinta sagte, Fans der Heimmannschaft Arema FC seien am Samstagabend aus Ärger über eine Niederlage auf das Spielfeld gestürmt. Die Sicherheitskräfte hätten Tränengas eingesetzt. Das habe zu der Massenpanik geführt, bei der Menschen überrannt worden und erstickt seien.

Stadion überfüllt

Beamte untersuchen ein beschädigtes Polizeifahrzeug nach Zusammenstößen zwischen Fußballanhängern nach einem Spiel in der indonesischen Provinz Ost-Java
Randalierende Stadionbesucher attackieren die Polizei Bildrechte: dpa

Auf Videoaufnahmen lokaler TV-Sender ist zu sehen, wie Menschen auf das Spielfeld strömen und es zu Handgreiflichkeiten auch mit Polizisten kommt. Am Spielfeldrand sind größere Polizeifahrzeuge mit zertrümmerten Scheiben auf der Seite liegend zu sehen, aus einem der Fahrzeuge steigt Rauch auf.

Der Leiter eines örtlichen Krankenhauses sagte dem Fernsehsender Metro TV, einige Opfer hätten Hirnverletzungen erlitten. Unter den Toten sei auch ein fünfjähriges Kind.

Der indonesische Sicherheitsminister Mohammad Mahfud schrieb auf Telegram, das Stadion sei überfüllt gewesen. Gut 42.000 Eintrittskarten seien verkauft worden, das Stadion aber nur für 38.000 Besucher zugelassen.

Verstöße gegen FIFA-Regeln

Indonesiens Sportminister Zainudin Amali sagte dem Sender KompasTV, er werde die Sicherheit bei Fußballspielen neu bewerten und erwäge, vorerst keine Zuschauer mehr in Stadien zu lassen. Präsident Joko Widodo sagte, die Behörden müssten die Sicherheit bei den Spielen überprüfen. Alle Spiele der obersten Liga würden bis zum Abschluss der Ermittlungen ausgesetzt.

Der Weltfußballverband FIFA forderte vom indonesischen Verband einen Bericht. Die FIFA-Regeln schreiben vor, dass Ordner und Polizisten in Stadien keine Schusswaffen oder Reizgas bei sich tragen oder einsetzen dürfen. Unklar war, ob der Polizei vor Ort solche Vorschriften bekannt waren.

Das Unglück ist das schwerste im weltweiten Fußball seit mehr als einem halben Jahrhundert. 1964 starben bei einem Länderspiels zwischen Peru und Argentinien bei einer Massenpanik 328 Menschen.

Indonesien soll der Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft für Spieler unter 20 Jahren (U20-WM) im Mai und Juni kommenden Jahres sein. Zudem hat sich das Land um die Ausrichtung des Asien-Cups 2023 beworben, dem Äquivalent zur Fußball-Europameisterschaft.

Reuters/AFP (ksc, jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Oktober 2022 | 12:00 Uhr

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