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Tipps vom ExpertenSo schützen Sie Ihr Auto gegen Ersatzteilklau und Fahrzeugdiebstahl

06. Dezember 2023, 12:30 Uhr

Die gute Nachricht: Elektronische Wegfahrsperren und Lenkradkrallen zeigen Wirkung, denn immer weniger Autos werden geklaut. Die Schlechte: Trotzdem sind Autos Ziel von Diebstählen. Kriminelle haben es beispielsweise auf Lenkräder, Scheinwerfer oder Katalysatoren abgesehen. Autoexperte Andreas Keßler erklärt, was Sie wissen müssen, um Ihr Auto zu schützen.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl gestohlener Autos in Deutschland stark gesunken. Waren vor 30 Jahren noch mehr als 100.000 Autos plötzlich "weg", wurden im Jahr 2022 laut BKA und Landespolizei deutschlandweit 14.611 Pkw geklaut.

Allerdings lagen die Zahlen in den Corona-Jahren 2020 und 2021 noch darunter. Seitdem steigen die Zahlen der Diebstähle laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft wieder. Bei den Kriminellen hoch im Kurs stünden insbesondere SUV der Oberklasse. Und so hatten die Versicherer im Jahr 2022 fast 250 Millionen Euro für gestohlene, kaskoversichterte Pkw zahlen müssen.

Zum Aufklappen: Diese Marken wurden 2022 am häufigsten gestohlen

Nach absoluten Zahlen:

1. VW (rund 2.200)
2. Audi (rund 1.600)
3. Mercedes-Benz (rund 1.600)
4. BMW inkl. Mini (rund 1.300)
5. Ford (rund 800)

Quelle: BKA Bundeslagebild Kfz-Kriminalität 2022

Nach Diebstahlsquote:

1. Chrysler
2. Land Rover
3. Ford
4. PSA Automobiles
5. Mazda, Porsche, Mitsubishi

Das meistgestohlene Modell war 2022 die vierte Generation des Jeep Grand Cherokee.

Quelle: Gesamtverband der Versicherer

Hochwertige Automarken sind am "beliebtesten" bei Langfingern. Oft werden die Autos sogar auf Bestellung gestohlen. Auch hochpreisige Wohnmobile sind gefährdet.

Tipps gegen den Diebstahl des Autos

  • Wichtig zu wissen: Die serienmäßige Wegfahrsperre allein bietet keinen sicheren Diebstahlschutz.
  • Zusätzliche, individuelle Diebstahlschutzeinrichtungen (Lenkradkralle, versteckte Zündunterbrecher, GPS-Tracker) verzögern Diebstahlversuche so sehr, dass Diebe ihr Vorhaben oft aufgeben.
  • Besonders diebstahlgefährdete Autos (VW-Bus T4, T5;  BMW X6, M3; Range Rover Sport) während längerer Abwesenheiten in eine verschlossene Garage stellen.
  • Auch bei Garagenparkern gilt: Schlüssel nicht stecken lassen.
  • Zugangsmodule (früher Schlüssel) von Autos mit "Keyless-go"-Systemen in Abschirmboxen aufbewahren, um Funkschlüsselsignal-Scannern das Handwerk zu legen.

Tracking-SystemeMit GPS-Technik ausgestattet, lässt sich ein gestohlenes Auto bis auf zehn Meter genau lokalisieren. Das gilt natürlich nur, wenn der Dieb keinen "Shield" einsetzt, einen Feldgenerator, der die Funkverbindung zwischen Sendemast oder Navigationssatelliten unterbindet.

Per Gesetz haben Autos serienmäßig eingebaute Wegfahrsperren. Doch auch sie schützen nicht vollständig gegen Autoklau. Besonders beliebt sind bei Dieben hochwertige Fahrzeuge. Bildrechte: IMAGO/localpic

Drei Arten, das Auto zu schützen

Grundsätzlich unterscheidet man mechanische, elektrische und elektronische Sperren. Mechanische Systeme haben den Nachteil, recht schnell entdeckt und überwunden werden zu können. Elektrische Sicherungen wie der abgezogene Verteilerläufer, der versteckt angebrachte Unterbrecher im Zündstromkreis und die nachträglich eingebaute Alarmanlage mit Wegfahrsperre sind schon deutlich schwerer zu entdecken und zu umgehen. Fast gänzlich unüberwindbar sind Systeme, die die Elektronik lahmlegen und diese nur wieder in Funktion setzen, wenn genau definierte elektronische Impulse den richtigen Kanal treffen.

Schwachstelle Serienmodelle

Pikanterweise werden Autos mit komplexer Sicherungstechnik im Serienzustand blitzschnell geknackt und gestohlen. Das gleiche Auto mit einer vermeintlich vorsintflutlichen Sicherung aus der mechanischen oder elektrischen Epoche bleibt hingegen deutlich länger vor der Tür seines Besitzers. Diebe haben nämlich vor allem eins nicht: Zeit. Den unter der Rückbank oder im Kofferraum versteckten Schalter, der den Strom zur Zündung trotz geknacktem Zündschloss sperrt, findet der Dieb eher nicht.

Diebe haben vor allem eins nicht: Zeit.

Andreas Keßler | Autoexperte

Die Polizei gibt online ebenfalls ausführliche Tipps zum Schutz des eigenen Autos.

In Mitteldeutschland wurden im Jahr 2022 knapp 1.200 Autos gestohlen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Immer mehr Diebstähle von Autoteilen: Airbags, Scheinwerfer, Katalysatoren

Doch mittlerweile werden immer öfter lediglich Teile von Autos gestohlen. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft steigt die Zahl. Demnach seien im Jahr 2022 aus mehr als 61.000 kaskoversicherten Autos fest verbaute Teile wie Bordcomputer, Lenkräder oder Airbags gestohlen worden.

Diebe habe es auch auf Scheinwerfer abgesehen. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Wo früher morgens nur noch Drähte aus dem Radioschacht im Armaturenbrett baumelten, fehlen heute ganze Lenkräder mit Airbag, teure LED-Scheinwerfer und aktuell die Katalysatoren der Abgasanlage. Diese Baugruppen lassen sich im Netz leicht verkaufen und bringen bei viel geringerem Risiko für die Diebe ordentlich Geld. Selbst bei Kleinteilen gehen die Schäden in die Tausende, hinzu kommen Lieferprobleme bei Ersatzteilen und lange Wartezeiten auf Werkstatttermine.

Tipps gegen den Diebstahl von Autoteilen

  • Autoeinbrüche lassen sich vermeiden, wenn im Autoinnenraum z.B. keine Taschen, Fotoapparate und Navigationsgeräte sichtbar sind. Hilfreich ist ein geöffnetes Handschuhfach als Signal an den Dieb: Hier ist nichts zu holen!
  • Bestimmte Ausstattungsdetails ziehen Diebe geradezu an: Serienmäßig ins Auto eingebaute Navigationsgeräte und Multi-Media-Anlagen werden überdurchschnittlich häufig aus Autos gestohlen. Wenn sie gar nicht erst bestellt werden, fällt dieses Risiko weg.
  • Der Druck auf den Knopf der Fernbedienung allein ist kein sicherer Weg, das Auto zu verschließen. Häufig arbeiten Autodiebe mit "Jammern", die das Funksignal der Fernbedienung blockieren. Eine Türkontrolle ist deshalb immer ratsam.
  • Der Diebstahl des Lenkrades lässt sich vermeiden, wenn Sie eine Lenkradkralle anschaffen und auch benutzen.
  • Für die Scheiben gibt es Folien, die sie vor Einbrüchen besser schützen.
  • Sichern Sie teure Felgen immer mit Felgenschlössern gegen Diebstahl.
  • Leicht erreichbare Schrauben von Anbauteilen sollten Sie gegen Sonderschrauben tauschen, die nur mit Spezialwerkzeugen gelöst werden können.
  • Eine Alarmanlage mit Neigungsmelder erkennt das Aufbocken des Autos. Allerdings kann der Einbau bei älteren Autos unrentabel sein.

TippEs hilft, an gut sichtbaren, nachts beleuchteten Stellen zu parken, beispielsweise unter einer Laterne.

Für Diebe kann es sich durchaus lohnen, nur Teile eines Autos zu stehlen. Bildrechte: IMAGO/serienlicht

Darum werden Katalysatoren geklaut

Der Katalysator ist bei Dieben beliebt. Sie bekommen für einen Kat bis zu 600 Euro. Bildrechte: picture alliance/dpa/Marijan Murat

Der Katalysator enthält die teuren Edelmetalle Platin, Palladium und Rhodium. Bei älteren Fahrzeugen mit Benzinmotor ist der Katalysator gut zugänglich in der Mitte des Wagenbodens verbaut. Der Abbau dauert nur wenige Minuten und verursacht kaum Lärm. Die gestohlenen Kats landen anschließend in Recyclingbetrieben, werden zerlegt und die wertvollen Bestandteile vom Rest getrennt. Die Diebe bekommen zwischen 100 und 600 Euro für einen Katalysator, bei gesuchten Modellen kann es auch mehr sein.

Zum Aufklappen: Was ist ein Katalysator?

Zwei von der Polizei beschlagnahmte ausgebaute Katalysatoren. Sie sind beliebtes Diebesgut. Bildrechte: IMAGO / Michael Gstettenbauer

Katalysatoren reduzieren in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor die ausgestoßenen Schadstoffe. Sie wandeln Kohlenwasserstoffe, Kohlenstoffmonoxid und Stickoxide in die ungiftigen Stoffe Kohlenstoffdioxid, Wasser und Stickstoff um.

Der erste Autoabgaskatalysator wurde von einem französischen Ingenieur entwickelt und 1956 patentiert. 1985 wurden in Deutschland die ersten Pkw mit Katalysatoren zugelassen. Seit 1993 sind sie in der EU Pflicht für alle Neuwagen mit Otto-Motor.

Einen fehlenden Katalysator erkennt man durch ein sehr lautes Motorgeräusch. Da die Abgase nicht mehr gereinigt werden können, erlischt die Straßenzulassung für ein Fahrzeug ohne Kat.

Gut zu wissen: Kat-Diebstahl

  • Alte Autos sind stärker gefährdet als junge, Opfer eines Kat-Diebstahls zu werden. Bei den Alten sind die Kats unter dem Auto viel schneller erreichbar. Außerdem sind sie schwerer und bringen mehr Geld.
  • Trotz Kaskoversicherung sollte man nicht zu sorglos sein: Spätestens nach dem dritten Diebstahlschaden aus dem Auto wird der Versicherer kündigen. Dann steht man auf der schwarzen Liste und bekommt nur noch gegen sehr viel höhere Prämien Versicherungsschutz gegen den nächsten Diebstahl.
  • Das andere Ende von Teilediebstahl ist der Gebraucht-Ersatzteilmarkt: Wer hier ein Schnäppchen macht, ist oft schon mit einem Bein im Gefängnis. Er könnte der Hehlerei verdächtigt werden.

Welche Versicherung kommt für geklaute Fahrzeugteile auf?

Den Diebstahl zuerst der Polizei melden. Der Schaden ist durch die Kfz-Kaskoversicherung abgedeckt, wenn es sich bei dem entwendeten Gegenstand um ein fest verbautes Fahrzeugteil handelt. Darunter versteht man zum Beispiel Navigationssysteme, Airbags, das Lenkrad oder eine am Fahrzeug montierte Dach-Box. Gut zu wissen: Wenn das Auto nur aufgebrochen ist, aber nichts fehlt – zum Beispiel, weil die Täter gestört wurden – werten Versicherungen die Schäden als Vandalismus. Eine Teilkaskoversicherung kommt dann nicht für die entstandenen Schäden auf.

Über die Kaskoversicherung sind Schäden versichert, die im Zusammenhang mit dem Diebstahl entstehen – zum Beispiel eingeschlagene Autoscheiben. Werden Wertsachen wie Brieftasche oder Laptop aus dem Auto entwendet, hilft unter Umständen die Hausratversicherung weiter.

Wenn das Ladekabel eines E-Fahrzeugs gestohlen wird, ist die Deckung des Schadens je nach Tarif und Anbieter unterschiedlich geregelt. Oft greift der Schutz beispielsweise nur bei einem bestimmten Kabeltyp oder wenn das Kabel während des Ladevorgangs abhanden gekommen ist. Details dazu finden sich im Kleingedruckten der Versicherung.

Was tun, wenn das Auto geklaut wurde

Als erstes muss die Polizei alarmiert werden. Dort wird auch geklärt, ob es sich wirklich um einen Diebstahl handelt oder ob das Auto wegen Falschparkens oder schlechter Sicherung abgeschleppt oder sichergestellt wurde.

Wurde ein Auto entwendet, ist der Anruf bei der Polizei Pflicht. Bildrechte: dpa

Wurde das Fahrzeug gestohlen, muss der Autobesitzer eine schriftliche Diebstahlsanzeige aufgeben. Benötigt werden der Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) für das gestohlene Fahrzeug und der Personalausweis.

Danach sollte die Versicherung so schnell wie möglich schriftlich mit der Diebstahlanzeige über den Diebstahl informiert werden. Ebenfalls wichtig: Die Kfz- Zulassungsbehörde informieren und das Auto abmelden.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht am 9. Februar 2023. Er wurde umfassend aktualisiert.

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MDR (lk)

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 06. Dezember 2023 | 17:00 Uhr