Hintergrund Mythen um Martin Luther

Martin Luther (1443 - 1546) bereitete den Weg zur Reformation der katholischen Kirche. Seine Arbeit hat die Welt grundlegend verändert. Doch ranken sich auch einige Sagen und Mythen um Luthers Leben. Sei es nun der Blitzschlag, aufgrund dessen er sich entschied, Mönch zu werden, oder der berühmte Tintenwurf auf der Wartburg. Wieviel Wahres steckt in diesen Geschichten?

Der Reformator Martin Luther in einer Darstellung von Lukas Cranach dem Älteren.
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Der Blitzschlag von Stotternheim

Der junge Luther, der gerade erst sein Jurastudium an der Universität Erfurt begonnen hatte, erlebte Anfang Juli 1505 ein tiefgreifendes Ereignis. Als er von einem Besuch bei seinen Eltern auf dem Rückweg nach Erfurt ist, wird er in der Nähe des Dorfes Stotternheim von einem schweren Sturm überrascht. Direkt neben ihm schlägt ein Blitz ein, der Druck des Donners schleudert ihn sogar zu Boden.

Gewitter
Mitten auf einem Feld überraschte Luther 1505 ein schweres Gewitter. Noch an diesem Tag gelobte er, Mönch zu werden. Bildrechte: colourbox.com

In diesem Augenblick rief er die Heilige Anna um Hilfe an und gelobte: "Ich will ein Mönch werden!" Nur gut zwei Wochen später brach er tatsächlich sein Studium ab und begab sich in das Augustinerkloster Erfurt um - zum Ärger seines Vaters - Geistlicher zu werden.

Ob Luther nun genau im Moment des Blitzeinschlags den Entschluss fasste, sein Leben ausschließlich Gott zu widmen, ist nicht bewiesen. Allerdings sprach er wohl später auch noch häufig von diesem Ereignis. Als sicher gilt auch, dass er bereits vor dem Sturm einige Male mit dem Gedanken spielte, Mönch zu werden.

Der Thesenanschlag in Wittenberg

Am 31. Oktober 1517 nagelte Martin Luther in den Abendstunden seine 95 Thesen wider den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche Wittenberg. Damit fordert er die geistige Elite zu Diskurs und Kritik an der katholischen Kirche auf. Die Thesen gelten als der Anfang der Reformation der Kirche.

Bis zur heutigen Zeit wird der Thesenanschlag Luthers als Tatsache anerkannt. Doch gibt es keine Zeugen für dieses Ereignis. Die erste schriftliche Darstellung des Thesenanschlags stammt von Philip Melanchthon. Dieser kam jedoch erst 1518 als Professor nach Wittenberg und war somit kein Augenzeuge. Außerdem fand in Wittenberg nie ein öffentlicher Diskurs über die Thesen statt, ein Urdruck wurde bisher auch noch nicht gefunden. Fest steht nur, dass Luther am 31. Oktober 1517 Briefe an seine Vorgesetzten verschickte, in denen er den Ablasshandel anprangerte und denen er 95 Thesen als Grundlage für eine Disputation beilegte. Doch das Bild Luthers, der seine Thesen an die Tore der Schlosskirche nagelt, ist heute noch das gebräuchlichste im Zusammenhang mit der Reformation. Durch den im 15. Jahrhundert von Gutenberg erfundenen Buchdruck verbreiteten sich Luthers Thesen schnell im ganzen Land. Sie fanden so großen Anklang in der Bevölkerung, dass Luther sogar eine volkstümlichere und für die breite Masse verständliche Version seiner Schriften veröffentlichte.

Der Wurf mit dem Tintenfass

Martin Luther fühlte sich schon als Kind von Dämonen, bösen Geistern und dem Teufel verfolgt. Er war fest davon überzeugt, dass dieses Böse seine Stimmungsschwankungen und Depressionen verursachte. Nachdem Luther infolge der Veröffentlichung seiner Thesen von Rom der Ketzerei angeklagt und verurteilt wurde, galt er als "vogelfrei". Zu seiner eigenen Sicherheit wurde er von Soldaten von Ferdinand I. am Abend des 4. Mai 1521 heimlich entführt und auf der Eisenacher Wartburg festgesetzt. Hier blieb er als "Junker Jörg" bis zum 1. März 1522.

In der Stille und Einsamkeit der Burg konnte er in Ruhe an der Übersetzung der Bibel ins Deutsche arbeiten. Allerdings verschlimmerten sich hier auch seine Angstzustände. Die Legende besagt, dass Luther während der Arbeit die Fratze des Teufels erschien, gegen die er sich mit einem beherzten Wurf mit seinem Tintenfass wehrte. Der Tintenfleck an der Wand der Lutherstube auf der Wartburg war noch bis ins 20. Jahrhundert hinein zu sehen, musste aber mehrfach erneuert werden, da Touristen ihn nach und nach abkratzten, um ein bisschen Tinte als Reliquie mit nach Hause zu nehmen.

Der Tintenfleck selbst kann also heute nicht mehr als Beweis für den Tintenfass-Mythos zu Rate gezogen werden. Insgesamt ist vermutlich nicht viel Wahres an der Geschichte: Martin Luther selbst berichtete zwar, dass er auf der Wartburg vom Teufel belästigt worden sei, ihn aber mit der Tinte vertrieben hätte, damit bezog er sich aber auf seine Bibelübersetzungen und nicht auf nächtliche Nahkämpfe mit dem wahrhaftigen Teufel.