Arafats Thüringer "General" - Wo ist Udo Albrecht? Spurensuche

von Jan Schönfelder

Anfang 1982 taucht der Name Udo Albrecht wieder in der Presse auf. Es gibt jetzt den öffentlichen Verdacht, dass Albrecht in den Mord an den US-Botschafter Francis Edward Meloy im Juni 1976 in Beirut verstrickt ist. Dies gehe aus einem Dossier des Bundeskriminalamtes hervor. Albrecht habe in einer BKA-Vernehmung zugegeben, im Auftrag der palästinensischen El Fatah den Wagen des Botschafters beiseitegeschafft und versteckt zu haben. In diesem Zusammenhang wird gegen Albrecht ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

In dem Artikel gibt es auch einen Hinweis auf Albrechts aktuellen Aufenthaltsort: Er soll sich wieder im Libanon aufhalten "und palästinensische Gruppen bei Planung und Ausführung von Terrorakten gegen jüdische Einrichtungen und amerikanische Militäranlagen in Westeuropa helfen".

Bei Ghaddafi in Libyen untergetaucht?

Im April 1982 heißt es in einem Zeitungsbericht, Albrecht halte sich in Libyen auf. Als Quelle für diese Meldung wird der Bundesnachrichtendienst genannt. Albrecht habe "auf Weisung" der Fatah den Libanon verlassen müssen und halte sich "mit Billigung" von Staatschef Ghaddafi in Nordafrika auf. In einer intern BKA-Bewertung heißt es zu dem Artikel: Zwar habe das Bundeskriminalamt "entsprechende Erkenntnisse" über einen Aufenthalt Albrechts im Nahen Osten. Es lägen jedoch keine Informationen über einen aktuellen Aufenthalt in Libyen vor.

Ist Albrecht im Jemen?

Im September 1982 gibt es angeblich ein Lebenszeichen von Albrecht. Nach einem Zeitungsbericht hat er sich Mitte August aus dem belagerten Beirut bei seinem Anwalt Wilhelm Schöttler gemeldet: Albrecht habe die Nase voll und wolle sich den bundesdeutschen Behörden stellen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dortmund ist ein Kontakt aber nicht zustande gekommen. Es sei unklar, ob der Flüchtige noch in der umkämpften Stadt oder mit den PLO-Kämpfern abgezogen sei. Eine Sonderkommission des Landeskriminalamtes habe jedenfalls Kontakt zum israelischen Geheimdienst aufgenommen, um Albrechts Aufenthaltsort zu ermitteln. Im Oktober 1983 wird Albrecht im Südjemen vermutet.

"Schützte der Bundesnachrichtendienst den Neonazi Udo Albrecht?", fragt im April 1983 die linke "Tageszeitung". Sie macht den "Fall Albrecht" zum Tagesthema und lässt ihn in einem neuen Licht erscheinen. Die Flucht über den Todestreifen im Sommer 1981 sei nicht durch DDR-Behörden arrangiert, sondern von bundesdeutschen Sicherheitsbehörden ermöglicht worden, mutmaßt die Zeitung. Spätestens Ende 1979 habe der Bundesnachrichtendienst Albrecht "kontaktiert". "Vor 2 Jahren" habe der Auslandsgeheimdienst Albrecht zur Zusammenarbeit "überredet". Als Quellen für diesen Vorwurf dienen Albrechts Anwalt Schöttler und Albrechts Komplize Joachim Gröning. Ein "Herr Jung" vom BND habe Schöttler sogar noch im Februar 1981 zur Zusammenarbeit aufgefordert. Diese Bitte sei aber zurückgewiesen worden. "Albrecht ist kein Agent", behauptet der Anwalt. Diese Aussage bezweifelt die "tageszeitung". Zwei Wochen später legt die Zeitung nach: Ausführlich zitiert sie aus einem umfangreichen Bericht des inhaftierten Joachim Gröning. Danach soll es Anfang Januar 1980 einen ersten Kontakt zwischen Albrecht und Herrn "Jung" gegeben haben. Albrecht soll für Straffreiheit eine Lebensbeichte abgelegt und Informationen über die rechtsradikale Szene geliefert haben.

Im Visier der CIA

Spätestens im Jahr 1983 ist Albrecht auch im Visier der CIA. In einer geheimen Terrorismus-Beurteilung haben die Amerikaner die rechtsextremistische Szene in Westdeutschland analysiert. In dem Überblickt heißt es über Albrecht: Er habe neonazistische Neigungen, gehöre aber keiner der bekannten Gruppen an. Die Amerikaner vermerken außerdem, dass Albrecht in Jordanien mit der Fatah gekämpft habe, und dass er während des Münchner Olympia-Attentats Kontakt zu arabischen Gruppen in Westdeutschland gehabt haben könnte. Der von der CIA freigegebene Vermerk endet mit Albrechts Flucht nach Ostdeutschland. Die folgenden Zeilen, die möglicherweise etwas zu seinem Aufenthalt im Jahr 1983 enthalten, sind unkenntlich gemacht.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 31. März 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2019, 05:01 Uhr

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