Adi, Moderator der DDR-Kinderssendung "Mach mit"
Bildrechte: DRA/Fernsehen der DDR

"Mach mit"-Moderator Adi im Porträt Der Sportlehrer der Nation

Keinem Fernsehliebling der DDR stand der Trainingsanzug so gut wie "Adi", dem Moderator der Kindersendung "Mach mit, mach's nach, mach's besser". Und keine Sendung passte besser zur Sportnation DDR als diese.

Adi, Moderator der DDR-Kinderssendung "Mach mit"
Bildrechte: DRA/Fernsehen der DDR

"Mach mit, mach's nach, mach's besser", einmal im Monat Sonntagvormittag 10:00 Uhr – das war ein Pflichttermin für viele Kinder - nicht nur in der DDR. "Wir hatten ein Millionenpublikum. Auch in Niedersachsen, eigentlich überall, wo man im Westen DDR-Fernsehen empfangen konnte, hatten wir Zuschauer", erinnert sich "Adi", der eigentlich Gerhard Adolph heißt. Selbst in sämtlichen Sowjetrepubliken wurde die DDR-Kindersportsendung - auf russisch - ausgestrahlt. "Noch heute sprechen mich viele Spätaussiedler aus Usbekistan oder Kasachstan an und erzählen, wie gerne sie die Sendung gesehen haben." "Adi" ist inzwischen 74 Jahre alt und reist noch immer mit seiner Show durch die Lande und begeistert heute die Kinder seiner Fans von damals.

"Reine Werbesendung für Sport"

Der Sendeplatz war ideal. Die Idee der Sendung simpel und zeitlos: Zwei Kindermannschaften – meist aus einem Ort oder einer Schule - traten gegeneinander an und bestritten Spiele und Sportstaffeln in ihren Schulturnhallen. Jeden Monat wurde aus einer anderen Stadt der DDR gesendet, und die Mitschüler und Eltern waren das Publikum. "Die Sendung hatte alles, was Kinder mögen. Sie wollen sich bewegen, laufen, springen und sich messen", ist "Adi" überzeugt. Und natürlich gehörte er – der Sportlehrer der Nation - zum Erfolgsrezept. "Adi – das war kurz und knapp, der Name und der lustige Mann im Trainingsanzug, der Pantomime macht, kam einfach gut an bei den Kindern", sagt er. So waren auch die Fernsehmacher aus Babelsberg 1959 auf den Sportoffizier der Reserve aufmerksam geworden und hatten ihn zum Schauspielstudium delegiert. Damit war für den gebürtigen Hallenser, dessen Vorbild der französische Pantomime Marcel Marceau war, ein Traum in Erfüllung gegangen. Allerdings blieb er zeit seiner Fernsehkarriere auf den liebenswerten "Sportclown" festgelegt.

Als Moderator und Ober-Spielemeister schlüpfte "Adi" immer wieder in andere Rollen und Kostüme und gab den Clown. In kurzen Einspielfilmen stellte er neue Sportarten vor und sich dabei ziemlich dämlich an. "Mach mit" erfüllte also nicht nur den pädagogischen Auftrag, die körperliche Ertüchtigung der Heranwachsenden, sondern die Zuschauer konnten auch jede Menge über Sport lernen. "Unsere Sendung war eigentlich eine reine Werbesendung, um Kinder für Sport zu begeistern", schwärmt Gerhard Adolph. Zugleich nutzten die Sportfunktionäre der DDR die Sendung, um Talente für den Leistungssport zu sichten. "Über 20 Olympiasieger und Weltmeister wurden in meiner Sendung entdeckt. Christian Schenk, der Zehnkampf-Olympiasieger von Seoul 1988, war in der Sendung aus Stralsund Mannschaftskapitän", sagt "Adi" stolz.

Bildungsministerin fordert mehr Vorbildwirkung

Hin und wieder kam von der DDR-Volksbildungsministerin Margot Honecker der Vorwurf, "Adi" mache zuviel Quatsch und "Mach mit" hätte zu wenig Vorbildwirkung. Doch die Kritik war schnell aus der Welt geräumt: "Da haben wir einfach prominente DDR-Sportler wie Kati Witt oder Roland Matthes eingeladen und die Profis sind gegen die Schüler oder mit ihnen angetreten. Man musste die Einwände aus dem Ministerium ernst nehmen, und wissen, wie man sie umgehen konnte."

Keine Lobby für den Kindersport nach dem Mauerfall

Nach dem Mauerfall wurden dann deutsch-deutsche Schülerwettkämpfe ausgetragen. Jetzt mussten die Grenzstädte gegeneinander antreten, dabei gingen die "Ossis" meistens als haushohe Sieger hervor. Den Auftakt machte die Partie Hohenschönhausen gegen Kreuzberg mit 48:4. Und in der letzten Sendung kämpfte Meiningen gegen Bad Hersfeld, auch da zog der Osten am Westen vorbei. "In Westdeutschland gab es eine andere Sporttradition, dort dominierte der Vereinssport. In der DDR dagegen wurde Breitensport groß geschrieben – vom Kindergarten bis zum Betrieb. Das hat man einfach gemerkt", so "Adi", selbst DDR-Rekordhalter im 10-km-Gehen.

Doch mit der Abschaltung des DDR-Fernsehens am 31. Dezember 1991 war auch für "Mach mit, mach's nach, mach's besser" nach 333 erfolgreichen Sendungen Schluss. Die Mannschaft rund um "Adi" versuchte verzweifelt, die westdeutschen Fernsehchefs für die Sendung zu begeistern. "Kindersport hatte damals keine Lobby. Überhaupt waren Kindersendungen damals kaum gefragt. Die neu gegründeten Sender wie ORB und MDR hatten mit Ausnahme des Sandmanns keine speziellen Angebote für Kinder im Programm." Dies änderte sich erst 1997 mit dem Start des Kinderkanals "KI.KA", bei dem der MDR für die ARD die Federführung hat.

"Adi" nahm's sportlich: Seit 1991 moderiert er Eröffnungen von Sporthallen und Stadien, Veranstaltungen der Krankenkassen und tourt mit "Mach mit, Mach's nach, Mach's besser" durch Kindergärten und Schulen in ganz Deutschland. An die 200 Veranstaltungen stemmt er pro Jahr, und ans Aufhören denkt er noch lange nicht: "Die Kinder halten mich frisch und fit." Und längst hat das "Mach mit"-Konzept Nachahmer gefunden: "Viele Sportverbände machen's nach und vielleicht machen sie's auch besser", freut sich der 74-Jährige.

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2011, 16:29 Uhr

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