Liebknecht-Luxemburg-Demonstration 1988 in der DDR

Die Liebknecht-Luxemburg-Demonstrationen am 17. Januar 1988

Knast oder Westen - nach der Demo abgeschobene Bürgerrechtler

Freya Klier und Stefan Krawczyk
Die Regisseurin Freya Klier und der Liedermacher Stefan Krawczyk am 3. Februar 1988 bei einer Pressekonferenz in Bielefeld. Einen Tag zuvor waren sie von den DDR-Behörden abgeschoben worden.
Krawczyk, seit 1985 mit einem Auftrittsverbot belegt, gehörte zu den Initiatoren der Paralleldemonstration und nahm selbst auch daran teil. Er wurde verhaftet und wegen sogenannter "landesverräterischer Agententätigkeit" angeklagt. Die Stasi stellte ihn vor die Wahl - Abschiebung in den Westen oder Haft. Krawczyk entschied sich notgedrungen für den Westen.
Für den Gang in den Westen entschied sich auch Krawczyks Lebensgefährtin Freya Klier. Sie war am 25. Januar verhaftet worden, nachdem sie sich für die Freilassung von während der Luxemburg-Liebknecht-Demo verhafteten Oppositionellen ausgesprochen hatte.
Bildrechte: IMAGO
Freya Klier und Stefan Krawczyk
Die Regisseurin Freya Klier und der Liedermacher Stefan Krawczyk am 3. Februar 1988 bei einer Pressekonferenz in Bielefeld. Einen Tag zuvor waren sie von den DDR-Behörden abgeschoben worden.
Krawczyk, seit 1985 mit einem Auftrittsverbot belegt, gehörte zu den Initiatoren der Paralleldemonstration und nahm selbst auch daran teil. Er wurde verhaftet und wegen sogenannter "landesverräterischer Agententätigkeit" angeklagt. Die Stasi stellte ihn vor die Wahl - Abschiebung in den Westen oder Haft. Krawczyk entschied sich notgedrungen für den Westen.
Für den Gang in den Westen entschied sich auch Krawczyks Lebensgefährtin Freya Klier. Sie war am 25. Januar verhaftet worden, nachdem sie sich für die Freilassung von während der Luxemburg-Liebknecht-Demo verhafteten Oppositionellen ausgesprochen hatte.
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Vera Wollenberger (GDR/Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) anlässlich der DDR Volkskammerwahl 1990 in Berlin Os
Die Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld (von 1980 bis 1992 Wollenberger) wurde auf der Paralleldemonstration verhaftet und wegen sogenannter "landesverräterischer Agententätigkeit" zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt. Nach einem Monat Haft wurde sie in den Westen abgeschoben. Bildrechte: IMAGO
Bürgerrechtler Werner Fischer. Werner Fischer, der 1986 die oppositionelle „Initiative für Frieden und Menschenrechte“ mitbegründet hatte, wurde während der Demonstration von der Staatssicherheit verhaftet und in U-Haft genommen. Vorgeworfen wurde auch ihm „landesverräterische Agententätigkeit“. In den Knast wollte Fischer allerdings nicht und so ging er – ausgestattet mit einem Visum und der Zusicherung, in die DDR nach einem halben Jahr zurückkehren zu dürfen – gemeinsam mit Bärbel Bohley nach London. Im August 1988 kam er tatsächlich wieder nach Ostberlin zurück.
Werner Fischer, der 1986 die oppositionelle "Initiative für Frieden und Menschenrechte" mitbegründet hatte, wurde während der Demonstration von der Staatssicherheit verhaftet und in U-Haft genommen. Vorgeworfen wurde auch ihm "landesverräterische Agententätigkeit". In den Knast wollte Fischer allerdings nicht und so ging er - ausgestattet mit einem Visum und der Zusicherung, in die DDR nach einem halben Jahr zurückkehren zu dürfen - gemeinsam mit Bärbel Bohley nach London. Im August 1988 kam er tatsächlich wieder nach Ostberlin zurück. Bildrechte: IMAGO
Wolfgang Templin während einer Pressekonferenz im Februar 1988 in Bielefeld nach dessen Ausweisung aus der DDR
Wolfgang Templin konnte an der Demonstration selbst nicht teilnehmen. Die Staatssicherheit hatte ihn unter Hausarrest gestellt und einige Beamte vor seinem Wohnhaus postiert. Weil er sich jedoch vehement für die Freilassung der während der Demonstration verhafteten Oppositionellen einsetzte, wurde er am 25. Januar 1988 ebenfalls verhaftet und eine Woche später gemeinsam mit seiner Frau Lotte in die BRD abgeschoben. Im Bild auf der Pressekonferenz in Bielefeld nach seiner Ankunft in der Budnesrepublik. Bildrechte: IMAGO
Bärbel Bohley mit ihrem Lebensgefährten Werner Fischer während einer Pressekonferenz im Februar 1988 in Bielefeld
Bärbel Bohley solidarisierte sich mit den verhafteten Oppositionellen und wurde deswegen am 25. Januar 1988 von der Staatssicherheit verhaftet. Zwei Wochen später wurde auch sie vor die Wahl gestellt: Knast oder Abschiebung. Bärbel Bohley ließ sich gemeinsam mit Werner Fischer für ein halbes Jahr in London nieder.
(Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im TV: 15.01.2017 | 19:30 Uhr)
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Die Freiheit der Andersdenkenden

Die Gegendemo der Bürgerrechtler

Drei auffällig unauffällige Mitarbeiter der Staatssicherheit schlenderten am Morgen des 17. Januar 1988 über die Karl-Marx-Allee in Berlin.
Drei auffällig unauffällige Mitarbeiter der Staatssicherheit schlenderten am Morgen des 17. Januar 1988 über die Karl-Marx-Allee in Berlin. Bildrechte: DRA
Drei auffällig unauffällige Mitarbeiter der Staatssicherheit schlenderten am Morgen des 17. Januar 1988 über die Karl-Marx-Allee in Berlin.
Drei auffällig unauffällige Mitarbeiter der Staatssicherheit schlenderten am Morgen des 17. Januar 1988 über die Karl-Marx-Allee in Berlin. Bildrechte: DRA
Luxemburg-Liebknecht-Demo am 17.01.1988
Bürgerrechtler nahmen die sozialistischen Vorbilder an jenem Tag bei der Großkundgebung der SED beim Wort: „Der einzige Weg zur Wiedergeburt – breite Demokratie“ hatten sie auf ihre Transparente geschrieben und: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ Bevor sie sich allerdings in den genehmigten Demonstrationszug einreihen konnten, griff die Staatsmacht rabiat zu… Bildrechte: Bernhard Freutel
Der Protest der Bürgerrechtler dauerte nur wenige Minuten, dann wurden sie von zahlreichen Mitarbeitern der Staatssicherheit in eine Ecke auf der Karl-Marx-Allee gedrängt.
Der Protest der Bürgerrechtler dauerte nur wenige Minuten, dann wurden sie von zahlreichen Mitarbeitern der Staatssicherheit in eine Ecke auf der Karl-Marx-Allee gedrängt. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Um den Blick auf die Plakate der Bürgerrechtler zu versperren, hielten Stasi-Leute schnell Plakate für eine atomwaffenfreie Welt empor…
Um den Blick auf die Plakate der Bürgerrechtler zu versperren, hielten Stasi-Leute schnell Plakate für eine atomwaffenfreie Welt empor… Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Blick durch zwei hängende, rote Fahnen
… und rollten riesige rote Fahnen aus. Bildrechte: DRA
Menschen unter Schirmen
Ihre Plakate waren den Bürgerrechtlern von Mitarbeitern der Staatssicherheit sofort entrissen… Bildrechte: DRA
Plakat mit dem Zitat der Rosa Luxemburg: "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden"
… und "sichergestellt" worden. Die Sentenz von Rosa Luxemburg, wonach "Freiheit auch immer die Freiheit der Andersdenkenden" ist, war von diesem 17. Januar 1988 an beinahe jedem DDR-Bürger geläufig. Bildrechte: BStU, MfS, HA IX, 10302, Bild 16
Plakat mit dem Zitat: "Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht"
Mitarbeiter der Staatssicherheit beschlagnahmten während der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration 1988 sowohl dieses ... Bildrechte: Quelle: BStU, MfS, HA IX, 10302, Bild 16
Plakat mit einem Rosa-Luxemburg-Zitat: "Freiheit nur für die Anhänger einer Regierung, nur für die Mitglieder einer Partei mögen sie noch so zahlreich sein - ist keine Freiheit."
... als auch jenes Plakat. Bildrechte: BStU, MfS, HA IX, 10302, Bild 2
Handschriftlich notierte landesweite Solidaritätsktionen für die Inhaftierten nach der Luxemburg-Demonstration 1988 in Berlin
Eine Kontakttelefon-Gruppe informiert nach den Verhaftungen vom 17. Januar 1988, wo in der DDR überall Protestaktionen organisiert werden. Bildrechte: Robert-Havemann-Gesellschaft
Handschriftlich notierte landesweite Protestaktionen für die Inhaftierten nach der Luxemburg-Demonstration 1988 in Berlin
Diese Notizen zeigen erst später, dass die Proteste und Solidaritätsaktionen landesweit stattfanden - obwohl offiziell über den Zwischenfall auf der Demonstration am 17. Januar 1988 in den DDR-Medien nicht berichtet worden war. Bildrechte: Robert-Havemann-Gesellschaft
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Die Demonstration zehn Jahre später ...

Plakat mit dem Zitat der Rosa Luxemburg: "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden"
Bildrechte: BStU, MfS, HA IX, 10302, Bild 16
Denkmal für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht auf dem Friedhof Friedrichsfelde in Berlin
Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im:

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TV | 15.01.2017 | 19:30 Uhr