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Permakultur-Gärtnerin Aline Schreyer mit Doppel-Grabegabel "Grelinette" in Gemüsebeet: Die Beete in der Gärtnerei "Wildwuchs" werden möglichst schonend bearbeitet, das heißt ohne tiefgründiges Umgraben. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Nachhaltig gärtnernPermakultur: So gelingt das schonende Kreislauf-Prinzip im Garten

22. Mai 2023, 11:58 Uhr

Permakultur-Gärtner schonen Boden und Klima, achten auf ökologische Kreisläufe, bauen gesundes Obst und Gemüse. Das funktioniert auch im heimischen Garten. Permakultur-Gärtner Aline Schreyer und Hendrik Noßmeyer aus Fernbreitenbach erklären, wie jeder die Prinzipien der Permakultur nutzen und umsetzen kann.

  • Permakultur ist eine spezielle Art der Kreislaufwirtschaft im Garten und im gesamten Leben.
  • In Permakultur-Gärten liefern Tiere Dünger, werden Pflanzen aus Biosaatgut gezogen und unerwünschte Beikräuter dürfen in bestimmten Bereichen wachsen.
  • Auf diese Weise soll der Boden fruchtbar werden und bleiben. Er wird nur sehr vorsichtig bearbeitet.

Hühner gackern in einem Gehege neben dem Gewächshaus. Hinter den Gemüsebeeten weiden Schafe. Im Kräutergarten überwuchern duftende Pflanzen die Wege. Zucchini und Tomaten sind reif für die Ernte, der Kompost ist bereit zum Umsetzen. Im Hochsommer haben Hendrik Noßmann und Aline Schreyer in ihrer Permakultur-Gärtnerei viel zu tun.

Permakultur und solidarische Landwirtschaft

In Fernbreitenbach in Thüringen haben sich der Freiraumplaner und die Gärtnerin einen Traum erfüllt: Einen riesigen Garten, in dem nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft gearbeitet wird. Was Aline und Hendrik ernten, geben sie einmal pro Woche an ihre Unterstützer ab, die dafür einen monatlichen Betrag bezahlen. Der Inhalt ihrer Gemüsekisten hängt davon ab, was in der Gärtnerei "Wildwuchs" zwischen Mai und November gerade Saison hat. Rund 40 Unterstützer haben Aline und Hendrik mit ihrer solidarischen Landwirtschaft überzeugt. Dieses Anbauprinzip - und die Permakultur - sind wichtige Aspekte ihrer Vorstellung von einer boden- und umweltschonenden Gärtnerei.

Den Garten als Kreislauf begreifen

Doch was genau bedeutet Permakultur? Und lässt sich dieses Konzept auch im eigenen Haus- oder Kleingarten verwirklichen? Sorgsam mit Boden, Klima und Ressourcen umzugehen, sind Ziele der Permakultur. Die natürlichen Kreisläufe sollen im Garten geschlossen bleiben. Viele Ideen dazu lassen sich auch im Kleinen anwenden. Eigenen Kompost als Dünger und Bodenverbesserung zu verwenden, ist ein Beispiel. "Wir machen den Kompost selbst und nutzen dazu auch abgelagerten Mist unserer Schafe und Hühner", sagt Hendrik Noßmann.

Wir machen den Kompost selbst und nutzen dazu auch abgelagerten Mist unserer Schafe und Hühner

Hendrik Noßmann, Permakultur-Gärtner

Die Wolle der Schafe kommt als Abdeckung auf den Kompost, um die Feuchtigkeit in dem Haufen zu halten. Im Januar wird das fertige "Gärtnergold" dann auf den Beeten ausgebracht. Hendrik und Aline kaufen keinen Kompost oder Dünger dazu, sondern verwenden nur das, was auf ihrem Grundstück anfällt. So stellen sie im Sommer Brühen und Jauchen aus Pflanzen her, um das Gemüse mit Nährstoffen zu versorgen. Diese Kreislaufwirtschaft liege ihnen am Herzen, sagt Aline.

Hendrik Noßmann deckt den Kompost mit Wolle seiner Schafe ab, um Austrocknung entgegen zu wirken. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Ansätze der Permakultur für den eigenen Garten

Die Zwiebeln aus Alines und Hendriks Gärtnerei wurden aus Bio-Saatgut gezogen. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Permakultur soll Fruchtbarkeit des Bodens fördern

Die Permakultur zielt darauf ab, den Boden fruchtbar zu machen und zu erhalten. In der Folge sollen robuste, unbelastete Pflanzen wachsen. In der Gärtnerei "Wildwuchs" heißt das auch: Beete bitte nicht betreten! Der Boden darf nicht verdichtet werden, wie Aline erklärt. Zum Auflockern benutzt sie eine Doppel-Grabegabel, die nur eingestochen und kurz hin- und herbewegt wird. "Dieses auch 'Grelinette' genannte Werkzeug stammt aus Frankreich", berichtet Aline. Die Gemüsebeete werden außerdem geharkt, zur Aussaat mit der Walze bearbeitet und von Beikräutern befreit.

Das Pflügen oder Umgraben im Winter, vor einigen Jahren noch Pflichtprogramm in Landwirtschaft und Kleingärten, entfällt dagegen. Auch Hobbygärtner sollten das lieber lassen, raten Aline und Hendrik. Denn durch zu tiefes Umgraben gerät das Bodenleben durcheinander. Stattdessen sei es besser, Beete für den Winter mit Rasenschnitt oder Laub zu mulchen. "Denn die Mikroorganismen im Boden arbeiten auch bei Kälte, wenn auch langsamer", erklärt Aline. Eine andere Möglichkeit sei, geschossene Salate oder andere Kulturen im Herbst in die Erde einzuarbeiten.

Permakultur: Ein Lebensstil

Für Aline und Hendrik bedeutet die Permakultur nicht nur eine Form des Gärtnerns, sondern einen behutsamen Umgang mit der Natur. "Viele Wildpflanzen in der Gärtnerei habe ich aus selbst gesammelten Samen gewonnen", berichtet Aline. Doch Saatgut nehme sie nur dann am Wegesrand mit, wenn dort genügend Pflanzen stehen. Nach und nach blüht so ihr rund ein Hektar großer Hof auf. Doch auch in der Permakultur-Gärtnerei gibt es Regeln für den Wildwuchs: Direkt auf den Gemüsebeeten haben Wildkräuter nichts verloren. "Haben sie noch keine Samen gebildet, werden die Beikräuter mit der Pendelharke gejätet und zum Trocknen als Mulch liegen gelassen", erklärt Aline. Andernfalls hätten Gemüse, Küchenkräuter und Stauden kaum Wachstumschancen. Dafür dürfen die Brennnesseln am Rand des Grundstücks wuchern.

Die Gärtnerei "Wildwuchs" im thüringischen Fernbreitenbach: Brennnesseln und andere Beikräuter dürfen in den Randbereichen wachsen, sind in Gewächshäusern und auf den Beeten aber nicht erwünscht. Bildrechte: MDR/Ulrike Kaliner

Gartentipps für Permakultur-Gärtner

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 21. Mai 2023 | 08:30 Uhr