Touristische Sonderfahrten Bahn-Nostalgieprogramm: Keine Kapazitäten bei Bahnunternehmen

Die Zukunft des Bahn-Nostalgieprogramms ist weiter ungewiss: In Thüringen will derzeit kein Bahnunternehmen das Angebot weiterführen - und Züge mit Dampfloks auf Sonderfahrten schicken. Auch die Finanzierung ist noch unklar.

Die historische Dampflok Rodelblitz
Fahrten mit der historischen Dampflok "Rodelblitz" vom Erfurter Hauptbahnhof aus wurden in den vergangenen Jahren durch das Bahn-Nostalgie-Programm ermöglicht. (Archivfoto) Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Wie geht es weiter mit dem beliebten Thüringer Bahn-Nostalgieprogramm? Die Zukunft des Angebots ist weiter ungewiss: In Thüringen will kein Bahnunternehmen das Programm des Landes übernehmen.

Erfurter Bahn und Abellio können Programm nicht weiterführen

Eine Sprecherin des Infrastrukturministeriums sagte MDR THÜRINGEN, es seien mit mehreren Unternehmen Gespräche geführt worden. Die Firmen hätten jedoch kein Interesse signalisiert, das Programm weiterzuführen - und Züge mit Dampfloks auf Sonderfahrten zu Ausflugszielen zu schicken. Die Erfurter Bahn erklärte, ihr fehlten dafür die Kapazitäten - wie zum Beispiel Wagen und Personal. Abellio Mitteldeutschland äußerte sich ähnlich.

Umgesetzt wurde das Programm bisher von der DB Regio. Das Bahnunternehmen hatte die Zusammenarbeit mit dem Land aber im vergangenen Jahr beendet und auf fehlendes Personal verwiesen. Seitdem ist die Thüringer Bahnnostalgie in der Schwebe. Das Infrastrukturministerium führt zwar zurzeit Gespräche mit Eisenbahn-Vereinen. Ob das zu einem Ergebnis führt, ist aber noch völlig offen.

Finanzierung der Eisenbahnnostalgie unklar

Hinzu kommt, dass die Finanzierung ungeklärt ist. Bisher wurden die nötigen 500.000 Euro vom Infrastrukturministerium bereitgestellt. Laut Landesrechnungshof hat das Bahn-Nostalgie-Programm aber einen touristischen Zweck, es müsse also aus der Tourismusförderung bezahlt werden. Das für Tourismus zuständige Wirtschaftsministerium verweist dagegen darauf, dass Schienenverkehr an allererster Stelle Aufgabe des Infrastrukturministeriums sei. Das Wirtschaftsministerium wäre zwar bereit, 250.000 Euro zuzuschießen - aber nur für dieses Jahr.

Das Nostalgie-Programm war Ende November 2021vorzeitig zu Ende gegangen. Zum einen fehlte das Geld, weil das Land die Förderung über das Jahr 2021 hinaus zunächst nicht weiterführen wollte. Zum anderen konnten damals neue Corona-Regeln nicht umgesetzt werden. Das Bahn-Nostalgieprogramm besteht seit 1998.

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MDR (uka)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Juni 2022 | 12:00 Uhr

2 Kommentare

Peter Mueller vor 10 Wochen

Man könnte schon das Gefühl bekommen, dass das Ministerium gar nicht will, dass das Programm fortgeführt wird. Oder wie erklärt man sich sonst die völlig weltfremde Idee, Abellio oder die Erfurter Bahn könnten mal eben so nebenher Dampfzüge durchs Land fahren? Genauso gut könnte man einen Bäcker fragen, ob er nicht nebenher Blutwurst produzieren kann. Wie wäre es, mit den Vereinen zu reden, denen Dampfloks und Wagen gehören und deren Mitglieder die auch fahren können? Will man jetzt machen? Warum jetzt erst? Jetzt, wo das Kind schon im Brunnen liegt? Und obwohl die Finanzierung immer noch nicht klar ist? Ich bin mir sicher, wir werden hier bald eine weitere Meldung lesen, dass es leider leider keine Möglichkeit gab, das Programm zu retten. Aber klar ist heute schon: das waren keine unglücklichen Umstände. Da gibt es ganz klar Verantwortliche und deren Namen kennt die Sprecherin des Verkehrsministeriums sehr gut.

kleinerfrontkaempfer vor 10 Wochen

Einfach ein Sondervermögen aufnehmen und bereithalten. Klappt bisher schon ganz gut in Doitschland.

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