Wahlkreis 196 Grüne werben für SPD-Bundestagskandidaten in Südthüringen

In Südthüringen kandidiert Stephanie Erben für die Grünen für den Bundestag. Jetzt wirbt die Bundesspitze für die Erststimme für den SPD-Bewerber Frank Ullrich. Die Thüringer Grünen schließen sich an - mehr oder weniger.

Frank Ullrich, Spitzenkandidat der SPD für die Bundestagswahl in Südthüringen, spricht bei der Landesdelegiertenkonferenz der Thüringer SPD
Frank Ullrich Bildrechte: dpa

Die Grünen machen sich trotz ihrer eigenen Bewerberin Stephanie Erben für den SPD-Bundestagskandidaten in Südthüringen stark. Bundesgeschäftsführer Michael Kellner warb gegenüber der Funke-Mediengruppe dafür, dass Wähler ihre Erststimme dem SPD-Kontrahenten Frank Ullrich geben. "Ein Votum für ihn schützt die Demokratie und verhindert, dass eine nach rechtsaußen offene Stimme in den Bundestag einzieht." Damit bezieht sich Kellner auf den ehemaligen Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, der für die CDU in Südthüringen für den Bundestag kandidiert. Maaßen ist wegen seiner Positionen auch in der Union umstritten.

Menschen bei einer Podiumsdiskussion. 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 14.05.2021 19:00Uhr 02:39 min

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Grünen-Landtagsabgeordnete: "Erststimme SPD, Zweitstimme Grün"

Auch aus den Reihen der Thüringer Grünen wurde am Freitagmittag für Ullrich geworben. Die Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling twitterte: "Manchmal ist es einfach wichtig zurückzutreten und für das Ganze zu kämpfen! Maaßen gehört nicht in den #Bundestag. Deshalb Erststimme SPD und Zweitstimme Grün!"

Stephanie Erben beim MDR THÜRINGEN-Sommerinterview
Stephanie Erben beim MDR THÜRINGEN-Sommerinterview 2018. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zuvor hatten sich auch Bewerberin Erben und die Thüringer Grünen-Spitze zu dem Thema geäußert - allerdings zurückhaltender. Erben erklärte, sie werbe mit den Bündnisgrünen vor Ort von Anfang dafür, die Erststimme klug einzusetzen. Wichtig sei es, Maaßen nicht zu wählen und die Zweitstimme den Grünen zu geben. Der Grünen-Landesverband kommentierte einen Tweet, der die Äußerungen von Bundesgeschäftsführer Kellner thematisiert, mit den Worten: "Wir hoffen - quasi im Gegenzug - auf Eure Zweitstimmen für konsequenten #Klimaschutz."

Linke-Kandidat: Brauche Zeit zum Nachdenken

Der Linke-Direktkandidat in dem Wahlkreis, Sandro Witt, zeigte sich am Freitag überrascht von dem Schritt der Grünen. Witt sagte MDR THÜRINGEN, nach mehr als sieben Wochen hartem Wahlkampf brauche er etwas Zeit, darüber nachzudenken. Er wolle mit der Parteispitze darüber reden und sich kommende Woche dazu äußern.

Sandro Witt, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen-Gewerkschaftsbundes im Bezirk Hessen-Thüringen und Bundestagskandidat der Linken im Bundestagswahlkreis 196, aufgenommen bei der Landesvertreterversammlung der Thüringer Linken.
Sandro Witt Bildrechte: dpa

AfD-Landesvorstand: Werben weiter für eigenen Kandidaten

Der AfD-Landesvorstand erklärte, die Partei sehe keinen Grund, zur Wahl eines anderen Kandidaten aufzurufen. Die AfD werbe für die eigene Partei und den eigenen Kandidaten. Die Partei hat im Südthüringer Bundestagswahlkreis den Sonneberger Jürgen Treutler nominiert.

Der Südthüringer AfD-Bundestagskandidart Jürgen Treutler (M.) in Suhl mit Landtags- und Bundestagsabgeordneten der Partei.
Der Südthüringer AfD-Bundestagskandidart Jürgen Treutler (M.) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Suhl mit Landtags- und Bundestagsabgeordneten der Partei. Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Kanzlerkandidat Laschet weist Maaßen-Forderung zurück

Unterdessen hat CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet eine Forderung des Thüringer Bundestagskandidaten Maaßen zurückgewiesen. Maaßen war mit der CDU-Politikerin Karin Prien aneinandergeraten. Sie ist in Schleswig-Holstein Bildungsministerin und war von Laschet in dessen Kompetenzteam berufen worden. Nachdem Prien hatte durchblicken lassen, dass sie den früheren Weltklasse-Biathleten Ullrich wählen würde ("Ich sag mal so, ich bin von Leistungssportlern immer wieder fasziniert."), hatte Maaßen von Laschet die Abberrufung Priens aus dem Kompetenzteam gefordert. Dazu sagte Laschet jetzt: "Karin Prien bleibt im Team. Daran wird nicht gerüttelt."

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Quelle: MDR THÜRINGEN/jn

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. September 2021 | 14:00 Uhr

72 Kommentare

Breakpoint vor 7 Tagen

@Britta.Weber --- Sie können wohl nicht lesen? --- Karin Prien hat den H.G. Maaßen schon seit Anfang Mai in verschiedenen Medien scharf kritisiert. --- Über den sagt z.B. auch Stephan Kramer, der Präsident des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz:
"Das sind für mich klassische antisemitische Stereotype, die benutzt werden bei Herrn Maaßen, wenn man die Summe aller Dinge zusammennimmt, auch auf den unterschiedlichen sozialen Plattformen, aber auch in eigenen Reden. Da gibt's eigentlich nichts Entlastendes mehr zu bemerken." --- Gestützt wird dieser Befund von Untersuchungen mehrerer Gesellschaftswissenschaftler. --- Und ja, aus Sicht der Frau Prien "hat das etwas mit der Familie Hartoch zu tun". 😎

Britta.Weber vor 1 Wochen

@Breakpoint, wenn kurz vor der BT-Wahl ein Mitglied des Komptentteams des Kandidaten sich zur Wahl eines Kanditaen der Konkurrenz bekennt, dann ist das paerteischädigendes Verhalten. Laschet müsste sie aus dem Kompetenzteam werfen, kann es aber wegen der aufkommenden Turbulenzen nicht.
Was die Geschichte von Frau Prien mit Maaßen zu tun hat, ist rätselhaft. Hat Maaßen etwas mit der Familei Hartoch zu tun?

Wessi vor 1 Wochen

uiii @ part...hätten wir im Westen vice versa soetwas 1945-1989 gesagt, wäre das Geschrei gerade von Konservativen wie Maaßen riesig gewesen.Selbst heute sehen ja manche von denen nicht ein, daß die real existierende DDR letztendlich ein Produkt des eigenen Fehlverhaltens bis weit in die 40er Jahre war, ja sie tun so, als hätte es diese nie gegeben.

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