Ein israelischer Soldat sitzt auf einem Panzer und schaut auf ein Smartphone, nach Inkrafttreten einer vorübergehenden Feuerpause zwischen Israel und der islamistischen Hamas.
Smartphone statt Panzer: Ein israelischer Soldat schaut auf sein Mobiltelefon während der zwischen Israel und der Hamas vereinbarten Feuerpause. Bildrechte: picture alliance/dpa/AP | Tsafrir Abayov

Krieg im Gazastreifen Israel und Hamas verlängern Feuerpause

28. November 2023, 04:06 Uhr

Kurz vor dem Auslaufen der Waffenruhe haben Israel und die Terrororganisation Hamas einer Verlängerung der Feuerpause im Kriegsgebiet zugestimmt. Zudem einigten sich beiden Seiten auf die Freilassung weiterer Geiseln und Gefangener. Die EU und die USA begrüßten den Schritt.

Wenige Stunden vor Ablauf der auf vier Tage angelegten Feuerpause im Nahost-Krieg haben Israel und die islamistische Terrororganisation Hamas sich nach Darstellung Katars auf eine Verlängerung geeinigt. Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, teilte am Montag mit, die seit Freitagmorgen geltende Feuerpause werde um zwei Tage verlängert.

Damit dürfte die Waffenruhe bis Donnerstagfrüh andauern. Die islamistische Hamas bestätigte die Verlängerung der Feuerpause. Nach Darstellung der Terrororganisation gelten für die zwei zusätzlichen Tage Kampfpause die gleichen Bedingungen wie zuvor.

Einigung auf Freilassung von Geiseln und Häftlingen

Nach Informationen des ägyptischen Staatsinformationsdienstes soll mit der Feuerpause die Freilassung der Geiseln einhergehen. Täglich würden zehn Geiseln der Hamas freigelassen. Im Gegenzug kämen aus israelischen Gefängnissen 30 palästinensische Häftlinge frei. Zudem sollten humanitäre Lieferungen ermöglicht werden etwa mit medizinischen Hilfsgütern, Nahrungsmitteln und Treibstoff.

Am Montag gab es Medienberichten zufolge zunächst Unstimmigkeiten über die geplante Freilassung. Später am Abend vermeldete die israelische Armee, dass die Hamas elf Geiseln freigelassen hat. Nach Angaben Katars sind darunter auch zwei Deutsche. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock bestätigte dies im Kurznachrichtendienst "X". Nach Informationen des israelischen Militärs sind die elf Geiseln dem Internationalen Komitee vom Deutschen Roten Kreuz übergeben worden. Berichten zufolge soll es sich um zwei Frauen und neun Kinder handeln. Im Gegenzug sollen 33 palästinensische Gefangene in Israel freigelassen werden.

Israel und die Hamas hatten sich zunächst auf eine viertägige Feuerpause geeinigt, die auf bis zu zehn Tage verlängert werden kann. Teil des Deals ist die Freilassung von bis zu 100 Geiseln gegen bis zu 300 palästinensische Häftlinge. Bisher kamen 58 Geiseln und 117 Häftlinge frei.

Katar, das zusammen mit Ägypten die Feuerpause vermittelt hatte, äußerte sich schon vorher optimistisch über eine mögliche Verlängerung. "Wir haben jetzt die Formel", sagte Al-Ansari der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb werde ein zweiter Deal "leichter über die Bühne zu bringen" sein. Es sei aber wohl noch zu früh, um darüber hinaus über einen langfristigen Waffenstillstand zu verhandeln, sagte Al-Ansari.

Israel wollte Angriffe fortsetzen

Israels Armee hatte angekündigt, ihre Angriffe nach der Feuerpause für mindestens zwei weitere Monate fortsetzen zu wollen. Die Soldaten sollten sich auf die kommenden Kämpfe vorbereiten. Seit Kriegsbeginn wurden nach Hamas-Angaben auf palästinensischer Seite im Gazastreifen 15.000 Menschen getötet und mehr als 36.000 verletzt. Die Zahlen lassen sich derzeit nicht überprüfen.

Borrell: Hoffnung auf politische Lösung

Die EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hofft, dass die verlängerte Feuerpause auch die Chancen erhöht, den Konflikt in Nahost politisch zu lösen. Die Palästinensische Autonomiebehörde müsse die Kontrolle über den Gazastreifen von der Hamas zurückgewinnen und eine "bessere und praktikablere" Alternative anbieten, sagte Borrell in Barcelona. Sie solle zudem so rasch wie möglich Wahlen in den Palästinensergebieten abhalten, und Israel solle kooperieren, damit diese stattfinden könnten.

Die US-Regierung begrüßte die Verlängerung der Feuerpause. Man hoffe, dass unter den 20 Geiseln, die von der Hamas als nächste freigelassen würden, auch US-Bürger seien, teilte das Präsidialamt in Washington mit.

Blinken will nach Israel reisen

Unterdessen kündigte US-Außenminister Antony Blinken an, noch in dieser Woche erneut Israel und das Westjordanland besuchen zu wollen. Ein Außenministeriumssprecher erklärte, Blinken wolle dort erneut über den Gaza-Krieg und die Lage der von der Terrororganisation Hamas genommenen Geiseln sprechen. Er werde auch das Selbstverteidigungsrecht Israels thematisieren und über den Schutz von Zivilisten während des israelischen Einsatzes im Gazastreifen diskutieren. Blinken wolle auch die weiteren Schritte zur Gründung eines palästinensischen Staates besprechen. Unklar ist, wann genau Blinken nach Israel reist.

dpa, Reuters, AFP (kar/efa)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 27. November 2023 | 18:00 Uhr

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