Media Innovation Camp 2020 Alles nur noch online? Ist das wirklich eine gute Idee?

Aus Workshops werden Webinare, aus Verabredungen Calls und Barcamps finden auch nur noch, wenn überhaupt, online statt. Doch ist das wirklich eine gute Idee? Ein Gastbeitrag von Theresa Heilmann, sie ist Mitarbeiterin der von MDR und ZDF gegründeten Digitalagentur ida.

Wir schreiben das Jahr 2020. Es ist das fünfte Media Innovation Camp im ersten Corona- Jahr: Die Zeiteinheit vor ein paar Monaten noch nicht existent und heute doch schon ganz normal. Wer früher noch nach einem langen Tag am Abend im ICE gen München raste, seine Barcamp-Tickets auf dem Handy vorzeigte und die Schlange an den Kaffeeautomaten zum Netzwerken nutzte, der klappt heute einfach direkt am Morgen seinen Laptop auf und ist schon mitten im drin im Barcamp.

Screenshot vom micmuc 2020
Screenshot vom micmuc 2020 Bildrechte: Theresa Heilmann | Innovations- und Digitalagentur (ida)

Corona Jahr numero Uno: Leben findet nun online statt. Konferenzen und Barcamps auch. Doch kann ein Online-Barcamp auch, was ein physisches vermag? Vor einer Woche hätte ich noch gesagt: eher nicht so. Zu anstrengend, den Online-Vorträgen über Stunden zu lauschen, kein Plausch, kein Austausch – von allem viel zu wenig und gleichzeitig viel zu viel, um am Ball zu bleiben. Doch dann kam das Media Innovation Camp, kurz #micmuc, und ich musste feststellen: Verrückt, das geht alles viel besser als gedacht. Doch wer jetzt denkt, es sei damit getan, analoge Formate einfach ins Digitale zu hieven, der irrt gewaltig. Schon physische Events müssen einer bestimmten Dramaturgie folgen, sollen sie gelingen – für digitale gilt das umso mehr.

Doch wie geht‘s? Manchmal ist der erste Gedanken eben doch der beste. Gleich zu Beginn der Veranstaltung stellt die Geschäftsführerin des Media Lab Bayern, Lina Timm klar: "Hätte jemand zu mir gesagt, ich solle für morgen eine Online-Konferenz aufsetzen, dann wären mein erster Gedanke gewesen: Das machen wir mit Zoom und Slack. Für das #micmuc hat das Team dann ausgiebig recherchiert und wir mussten feststellen: Das sind auch genau die beiden Tools, die wir nutzen werden."

Doch warum Zoom und Slack? Wie gesagt: Keine gute Veranstaltung ohne eine stimmige Dramaturgie, die durch den Tag trägt. Der Mensch will nicht nur dröge vorm Laptop sitzen und konsumieren, er will kommunizieren, sich austauschen, interagieren – mit Zoom und Slack wird all das möglich. Zoom, das aufgrund von Datenschutzbedenken nicht ganz unumstrittene Videokonferenz-Tool, läuft auch mit 200 Teilnehmer*innen noch stabil und bietet zahlreiche praktische Features, die sich sowohl zum Online-Miteinanderarbeiten, als auch zum Barcampen eignen: Umfragen, an denen die Teilnehmer*innen direkt auf dem Screen teilnehmen können oder eine Gruppe von Menschen aufteilen, in einen eigenen digitalen "Raum" schicken und sie anschließend wieder zurück zum Gruppen-Call holen, mit Zoom ist das alles kein Problem. Was physisch im Büro möglich ist, funktioniert auch digital. Zumindest faktisch.

Doch warum nun auch noch Slack? Ganz einfach: Um es den Teilnehmer*Innen zu ermöglichen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Du nimmst an der Session "Innovation ohne Bling-Bling" teil? Dann ist das hier Dein Slack-Channel. Hier kannst Du Dich mit allen Teilnehmer*innen und der Speakerin austauschen. Die Powerpoint packen wir nachher hier auch noch rein. Du interessierst dich für Audience Development und suchst Austausch? Dann schau‘ doch mal auf unserem Slack-Channel "Audience Development" vorbei. Immer noch zu schwierig mit dem Online-Networken? Dann bleib‘ doch einfach nach dem Vortrag im Zoom-Call drin, wir matchen Dich mit einer anderen Person, die die gleichen Interessen hat wie Du. Oder noch besser: Wenn Dich jemand interessiert, schreib‘ ihn oder sie doch direkt einfach selbst an!

Jede Session, jedes Thema, jedes Anliegen, sei es Organisatorisches wie die "schamlose Eigenwerbung" oder ein simples Jobangebot, alles findet hier irgendwo zwischen Zoom und Slack seinen Platz. Die Teilnehmer*innen wissen’s zu schätzen und nehmen die vielen Kommunikations- und Austauschangebote an. Und da das Analoge und Digitale beim #micmuc so mühelos austauschbar scheinen, war es nur die logische Konsequenz –gar die Kirsche auf dem Milchshake –, dass das Team vom Media Lab Bayern die Goodie Bags per Post verschickte und am Veranstaltungstag zum gemeinsamen Mittagessen vor dem Bildschirm einlud: Was vor Corona noch das Buffet war, ist heute der Gutscheincode hiesiger Lieferdienste.

Unsere Key Learnings auf einen Blick

• Zoom: perfekte Podiums- und Bühnenersatz
• hilfreiche Features lassen Grenzen zwischen Analogem und Digitalem verschwinden
• Ohne eine Anmoderation oder jemanden, der Wortmeldungen und Fragen der Teilnehmer*innen moderiert, geht’s aber auch hier nicht
• Slack: perfekt für Onlinekommunikation und -austausch
• Für jede Vortragssession, jedes Themengebiet, jedes Anliegen (allgemeine Orga, Jobs, Umfragen, Ankündigungen etc.) eigenen Channel anlegen
• Stetige Präsenz des Orga-Teams am Veranstaltungstag ist absolutes Muss (auch um Teilnehmer*innen immer wieder zum Interagieren zu bewegen)

…und als dann am Ende des Tages die ach-so-stabile Internetverbindung zusammengebrochen ist, war klar: Ob analog oder digital, irgendwas ist immer. Gute Dramaturgie eben.

Ein Gastbeitrag von Theresa Heilmann, sie ist Mitarbeiterin der von MDR und ZDF gegründeten Digitalagentur ida.