Ein schnauzbärtiger Herr mit Brille und weißem Haar.
Julius Blüthner Bildrechte: dpa

Wer war eigentlich ...? Julius Ferdinand Blüthner

(1824-1910)

Julius Blüthner begründete eine Weltmarke. Die Instrumente des genialen Klavierbauers setzten sich am internationalen Markt durch. Heute finden sich in vielen großen Konzertsälen Blüthner-Flügel.

Ein schnauzbärtiger Herr mit Brille und weißem Haar.
Julius Blüthner Bildrechte: dpa

Julius Blüthner, geboren am 11. März 1824 in Falkenhain bei Merseburg, war der Sohn eines Tischlers. Nach achtjähriger Schulzeit begann der Junge im väterlichen Betrieb eine Lehre als Möbeltischler. Als er Vater starb, setzte er seine Ausbildung im nahe gelegenen Zeitz fort. Sein Gesellenstück, einen kunstvollen Nähtisch, fertigte der begabte Blüthner schon als 16-Jähriger an.I

Verliebt - in den Instrumentenbau

In der Zeitzer Pianofortefabrik "Hölling und Spannenberg" entdeckte Blüthner seine Liebe zum Instrumentenbau und trat mit 18 Jahren in den Dienst dieser Fabrik. So wurde aus dem Möbeltischler ein Klavierbauer. Trotz des geringen Wochenlohns von zwei Talern nutzte er die Zeit seiner ersten Anstellung, um seine bis dahin recht begrenzte Bildung zu erweitern. Neben Klavierstunden nahm er Sprachunterricht und eignete sich zusätzliche Kenntnisse über Akustik und Instrumentenbau an.

Blüthner gründet "Blüthern" - zeitgleich zu "Steinway & Son" und "Bechstein Berlin"

Nachdem Blüthner sich in den unruhigen Jahren 1848/49 mit Klavierstimmen und -reparaturen über Wasser gehalten hatte, trat er 1850 seine erste Stelle als Klavierbauer in Würzburg an. Später fand er eine Beschäftigung in der Pianofortefabrik Bretschneider in Leipzig. Ermutigt vom anregenden wirtschaftlichen Umfeld Leipzigs, entschloss sich der inzwischen fast Dreißigjährige zur Selbständigkeit und eröffnete am 7. November 1853 im Leipziger Westen eine kleine Werkstatt mit drei Arbeitern. Auch die beiden neben ihm später berühmtesten Firmen des Klavier- und Flügelbaus, Steinway & Son in New York und Bechstein Berlin, entstanden im gleichen Jahr.

Die Konkurrenz ist auch vor Ort

In Leipzig trat Blüthner gegen namhafte Konkurrenten an: Härtel, Tröndlin, Bretschneider, Wanckel & Temmler und Irmler - alle bauten Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreich Klaviere und Flügel - aber die Firma Blüthner produziert als einzige bis in die Gegenwart.

Das kleine Unternehmen entwickelte sich gut und beschäftigte nach zehn Jahren bereits 100 Arbeiter, die seit 1863 nicht nur Klaviere, sondern auch Pianinos und symmetrische Flügel bauten. Um alle Aufträge erfüllen zu können, nahm der inzwischen zum Hofpianofortefabrikanten avancierte Blüthner 1864 einen mit Maschinenbetrieb eingerichteten Fabrikneubau in Nutzung.

Das Firmengelände umfasste in seiner größten Ausdehnung ein Areal von 55.000 Quadratmetern und bis zum 50jährigen Geschäftsjubiläum 1903 hatten 63.000 Instrumente die Fabrik verlassen. Auf der Weltausstellung 1867 in Paris erhielten die Blüthner-Instrumente einen ersten Preis und erlangten dadurch auch internationale Bedeutung. Ein eigenes Vertriebssystem der Firma sorgte bald mit ca. 200 eingebundenen Personen in aller Welt für die Verbreitung von Blüthner-Instrumenten.

Die besondere Eigenart der Blüthner-Produktion ist der 1873 erstmals gebaute Aliquotflügel, bei dem ein zusätzlicher Saitenchor, eine Oktave höher, mitschwingt und die Hörbarkeit der Obertöne (Aliquoten) künstlich verstärkt.

Emsiger Chef, florierende Geschäfte

Dem Firmenchef selbst eilte der Ruf voraus, trotz seines erworbenen Wohlstands bescheiden und einer der eifrigsten Arbeiter in der Fabrik geblieben zu sein. Gleichzeitig kümmerte er sich - dem Trend des späten 19. Jahrhunderts entsprechend - um seine Arbeiter, indem er eine Fabrikkrankenkasse, eine Versicherung für Angestellte und eine Unterstützungskasse für invalide und alte Arbeiter einrichtete. Neben dem geschäftlichen Erfolg genoss der Musikliebhaber auch das Lob für seine Instrumente von prominenter Seite: So gehörten unter anderen Felix Mendelssohn Bartholdy, Ignaz Moscheles, Franz Liszt, Johannes Brahms, Peter Tschaikowskij und Anton Rubinstein zu seinen Kunden und zu den Freunden des Hauses.

Vom Kleinbetrieb zum Traditionsunternehmen

Kurz nach dem 50-jährigen Geschäftsjubiläum zog sich der 81-ährige Blüthner aus der Firma zurück und übergab die Geschäfte seinen aus der Ehe mit der Pianistin Ella Pancera stammenden Söhnen Max, Robert und Bruno. Als Blüthner am 13. April 1910 in Leipzig starb, lag die geschäftliche Leitung bei Robert Blüthner und die technische bei Max Blüthner, die nach dessen Tod Bruno Blüthner übernahm. In der dritten Generation ging das Unternehmen mit ungebrochenem Erfolg auf den Adoptivsohn Roberts, Rudolf Blüthner-Haessler, über.

Konzertflügel in Zwingen in der Blüthner Pianofortefabrik.
Produktion heute: Konzertflügel in Zwingen in der Blüthner Pianofortefabrik. Bildrechte: IMAGO

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2010, 12:55 Uhr