Kurt Weill

(1900-1950)

"Ich schreibe Musik für die Massen - Musik, die sie singen können, und Musik, die von ihren Problemen handelt." Bewunderung und Spott waren ihm sicher. Die Passion, gute Musik für Massen zu schreiben, trug Kurt Weill die Begeisterung des Publikums ein und verdarb ihm das Ansehen unter den "ernsten" Komponisten seiner Zeit.

Doch die Karriere von Curt Julian Weill, der am 2. März 1900 in Dessau in eine musikalische Familie hineingeboren wurde, begann unter ganz anderen Vorzeichen. Vater Albert war Kantor und Religionslehrer in der jüdischen Gemeinde in Dessau und übernahm die musikalische Grundausbildung seines dritten Sohnes, der auf dem Klavier bald schon Erfolge erzielte. Daneben interessierte sich Kurt, wie er sich seit seinem 10. Lebensjahr nannte, für Theater und Oper. Die Aufführungen am Herzoglichen Hoftheater Dessau, das sich zu dieser Zeit den Ruf eines "norddeutschen Bayreuths" erworben hatte, durfte Kurt Weill kostenlos besuchen. Sie beeindruckten ihn so sehr, dass er bereits im Alter von 10 Jahren mit seinen ersten Kompositionen begann.

Ein begabter junger Komponist

Kurt Weill
Kurt Weill Bildrechte: Archiv Kurt Weill Gesellschaft e.V.

Als begabten jungen Pianisten betraute man ihn bei Opernproben im Hoftheater bald mit der Klavierbegleitung und bei den Musikabenden im Schloss begleitete er die Sänger, mit denen er einige Jahre später bereits kleine Konzertreisen in benachbarte Städte unternehmen konnte. Einen ersten Anstoß in Richtung Komposition erhielt Kurt Weill durch den 1915 als Opernkapellmeister ans Hoftheater berufenen Albert Bing, der neben dem Klavierspiel auch Kompositionslehre unterrichtete und Weill solide theoretische Kenntnisse im Komponieren vermittelte. Dazu kam das von seiner Mutter und der Gattin Albert Bings geförderte Interesse des Heranwachsenden für Literatur. Gerade die Verbindung von zeitgenössischer Literatur und Musik sollte ja zu Weills Markenzeichen werden.

In der Meisterklasse von Ferruccio Busoni

Nach dem Abitur schrieb sich Kurt Weill an der Hochschule für Musik in Berlin ein. Doch die schlechte finanzielle Lage seiner Eltern zwang ihn, trotz eines Stipendiums das Studium abzubrechen und zum Unterhalt der Familie beizutragen. Zurück in Dessau nahm er die Stelle eines Korrepetitors am Theater an. Nachdem sich die Situation der Familie gebessert hatte, konnte Weill eine neue Stelle als 2. Kapellmeister in Lüdenscheid antreten. 1920 endete der Vertrag und Weill bewarb sich für die Meisterklasse des berühmten Kompositionslehrers Ferruccio Busoni, der gerade in Berlin tätig war.

Zwischen 1920 und 1923 konnte er nun sein unterbrochenes Studium in Berlin fortsetzen und mit einem Diplom der Preußischen Akademie der Künste abschließen. In dieser Zeit, die von einer intensiven Bindung zu seinem Lehrer geprägt war, entstanden vielbeachtete Werke. Auch die erste Begegnung mit seiner späteren Frau Lotte Lenya, einer Tänzerin, die sich für die Mitwirkung an der Aufführung eines Balletts von Weill beworben hatte, fiel in diese Zeit.

Das Frühwerk

Im Januar 1924 begann die Arbeit mit dem expressionistischen Bühnenautor Georg Kaiser an einer dreiaktigen Pantomime, aus der letztendlich die einaktige Oper "Der Protagonist" entstand. Bis 1930 wurde sie 15 Mal an deutschen Opernhäusern gespielt und bildete einen Höhepunkt von Weills musikalischem Frühwerk. Weill beschäftigte sich auch theoretisch mit der Form der Oper. Er schrieb Abhandlungen, die zusammen mit Kritiken und Vorschauen auf kommende Programme in der Zeitschrift "Der deutsche Rundfunk" veröffentlicht wurden.

Durchbruch mit der "Dreigroschenoper"

1926 heirateten Lotte Lenya und Kurt Weill. Die Jahre bis 1930 waren gekennzeichnet von einer intensiven Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht. Um ungestört an den Vorbereitungen der "Dreigroschenoper" arbeiten zu können, waren Brecht und Weill im Sommer 1928 gemeinsam nach Frankreich gefahren. Die Oper beinhaltete sowohl alte als auch neue musikalische Ausdrucksformen. Barocke Vorbilder, Unterhaltungsmusik, Elemente des Jazz und populäre Tanzmusik vermischten sich zum typisch Weillschen Song-Stil. Der Erfolg war ungeheuer. Neben dem Verkauf großer Mengen von Grammophonplatten, Noten und dem Klavierauszug erlebte Deutschland ein wahres Dreigroschenoper-Fieber. Über 4000 Mal kam sie innerhalb kurzer Zeit zur Aufführung. Obwohl Weill in der Folgezeit eine Flut von Aufträgen erhielt, blieb er Brecht treu, und sie arbeiteten weiter gemeinsam an ihrem nächsten Projekt.

Bei der Uraufführung von "Der Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" 1930 in Leipzig hatten Weill und Brecht den Hass der Nationalsozialisten zu spüren bekommen. Allerdings gelang es den Nazis nicht, die Aufführung und deren Erfolg zu verhindern. Zunehmend entwickelten sich jedoch zwischen Brecht und Weill Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Primats von Text oder Musik. Die Trennung war unvermeidlich.

Emigration nach Frankreich, dann in die USA

Mit der Machtergreifung Hitlers verstummte Weills Musik in Deutschland. Er wanderte zusammen mit seiner Frau nach Frankreich aus. Hier kannte das Publikum ihn und seine Werke bereits von Leinwand und Bühne. Doch auch in Paris war Weill nicht vor den Nazis sicher. Selbst hier störten sie seine Aufführungen.

1934 erhielt Weill ein Angebot aus Amerika, ein religiöses Massenspiel über die Geschichte des jüdischen Volkes zu komponieren. Weill sagte sofort zu, und arbeitete zusammen mit Franz Werfel, der für den Text engagiert worden war, an einem neuen Werk, "The Eternal Road". Zur Uraufführung im August 1935 in New York reisten Kurt Weill und seine Frau Lotte Lenya nach Amerika. Dies war gleichzeitig ein endgültiger Abschied von Europa. Trotz der großen Besucherzahlen, mit denen "The Eternal Road" seit 1937 aufwarten konnte, war es unmöglich, die Ausgaben zu decken und so wurde das Stück nach 153 ausverkauften Vorstellungen abgesetzt. Nur langsam konnten sich die Weills eine neue Existenz aufbauen. Lotte Lenya bekam wieder Engagements als Sängerin und Tänzerin und Ende 1938 hatte Weill schließlich ein Gesuch um die amerikanische Staatsbürgerschaft eingereicht und 1943 erhalten.

Sein erster Broadway-Erfolg: "Knickerbocker Holiday"

Seinen ersten Erfolg am Broadway feierte Kurt Weill 1938 mit dem Stück "Knickerbocker Holiday", einer politischen Satire. Das zentrale Lied des Hauptdarstellers, der "September-Song", ist bis heute in Amerika Weills berühmtestes Stück. Hier begegnete man bereits seiner Annäherung an den amerikanischen Musical-Stil, der aber noch von europäischen Elementen durchsetzt war.

In den Kreisen der "ernsten Musik" nahm man Weill fortan nicht mehr als seriösen Komponisten wahr. Man warf ihm vor, aufgrund von Geld- und Erfolgssucht seinen früheren Stil vernachlässigt und populären Stoff in seine Kompositionen gebracht zu haben. Mit seinen nächsten drei Werken konnte der Komponist nicht mehr an den Erfolg seiner Vorkriegskompositionen anknüpfen. Allerdings hatte er durch die Offenheit seines Stils für die Einflüsse der Umgebung, sein Ziel, das Niveau am Broadway zu heben, erreicht. Bis heute gilt Kurt Weill als einer der erfolgreichsten Tonschöpfer des 20. Jahrhunderts.

Gerade 50-jährig starb Kurt Weill am 3. April 1950 in New York.

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2009, 13:56 Uhr