15. Juli 1099 - Kreuzfahrer erobern Jerusalem Hermann von Salza - Ordensritter zwischen Papst und Kaiser

(1179–1239)

Am 15. Juli 1099 wird Jerusalem durch die Ritter des 1. Kreuzzuges erobert und fast alle Bewohner getötet. Der Thüringer Herrmann von Salza ist da noch nicht geboren. Erst über 100 Jahre später geht er als vierter Hochmeister des im Heiligen Land gegründeten Deutschen Ordens in die Geschichte ein. Akko im heutigen Israel macht er zum Stammsitz seines Ordens, der unter Salzas Ägide zur schlagkräftigen Militärmacht und zum Herren über das spätere Preußen aufsteigt.

Eroberung von Jerusalem durch die Kreuzfahrer 1099 im ersten Kreuzzug
Eroberung von Jerusalem durch die Kreuzfahrer 1099 im ersten Kreuzzug (Miniatur von 1337) Bildrechte: IMAGO

Geboren in Thüringen, wahrscheinlich um 1179 im heutigen Bad Langensalza, steht das Leben Hermanns im Banne der Kreuzzüge. Seine Vorfahren waren Ministerialen, Männer von niederem Adel, die im Dienst der Landgrafen von Thüringen standen. Obwohl wir nichts über seine Kindheit und Jugend wissen, wird auch Hermann seine Laufbahn am Hof der Landgrafen begonnen haben.

Hochmeister des Deutschen Ordens und Diplomat

Aus dem Dunkel der Geschichte tritt er erstmals 1209, als er in Akkon - im heutigen Israel, fern seiner Heimat, zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt wird – ein Amt, das er dreißig Jahre lang, bis zu seinem Tod ausfüllen wird. In dieser Zeit erwirbt er sich Verdienste, die ihm einen festen Platz in der Geschichtsschreibung des Abendlandes sichern. Hermann von Salza baut den kleinen, ursprünglich karitativ ausgerichteten Orden systematisch zu einem militärisch schlagkräftigen Verband aus. Als brillanter Vermittler zwischen Papst und Kaiser avanciert er gleichzeitig zu einem der besten Diplomaten seiner Zeit. Hermann von Salza ist ein Glücksfall – für das Reich, den Kaiser und die Ritter seines Ordens.

Vom karitativen Orden zum militärischen Verbund

Der Deutsche Orden wurde im Jahre 1190 - während des dritten Kreuzzuges - im Heiligen Land von Kreuzfahrern aus norddeutschen Hansestädten als Hospitalgemeinschaft gegründet. Seine Tätigkeit galt der Betreuung von Hilfesuchenden und verletzten Kreuzfahrern. Acht Jahre später wurde er nach dem Vorbild der Templer in einen Ritterorden umgewandelt und vom Papst als solcher feierlich bestätigt. Auch wurde dem Orden die so genannte Exemtion verliehen, wodurch er in der kirchlichen Hierarchie aus der jeweiligen Zuständigkeit des Ortsbischofs herausgelöst und direkt dem Papst unterstellt wurde. Diese Sonderstellung ist bis heute gültig und hatte für das Wirken des Ordens große Bedeutung.

Nach der Umwandlung breitet sich der Orden rasch aus. Neben der Zentrale in Palästina entstehen Niederlassungen (Kommenden) in Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Griechenland und Armenien. Die älteren Kommenden verdanken ihre Entstehung frommen Kreuzfahrern, die den Orden mit Geld, Grundstücken, mit großen Herrschaften, Kirchen, Klöstern und Spitälern beschenken. Bald zählen auch Fürsten, Bischöfe, Päpste und selbst der Kaiser zu den Unterstützern des Ordens. 1214 überträgt König Friedrich II. dem Deutschen Orden ein Hospital und Besitz in Altenburg. In diese Zeit fällt auch dessen Bekanntschaft mit Hermann von Salza. Seit 1216 weilt Hermann als Gesandter der Kurie am Hofe Friedrichs. Der schätzt die diplomatischen Fähigkeiten des Hochmeisters. Bald schon zählt Hermann zu dessen Vertrauten, später auch zu den Freunden des Herrschers.

Machtbewusster Diplomat und Kreuzfahrer

Statue des Staufer Kaisers Friedrich II.
Hohenstaufer-Kaiser Friedrich II. (1194-1250) Bildrechte: IMAGO

Im Jahre 1211 einigt sich Hermann von Salza mit König Andreas II. von Ungarn, dass der Orden im Burzenland, dem heutigen Siebenbürgen, Sitz und Wirkungsmöglichkeit erhält. Dafür soll er dem König bei der Missionierung und Kolonisierung der heidnischen Kumanen zur Seite stehen. Doch schnell erkennen die Ungarn, dass der Hochmeister mehr will, als Heiden bekehren. Er will politische Autonomie für das Ordensland und droht damit, die Autorität des Königs zu untergraben. 1225 werden die Ritter aus dem Burzenland vertrieben.

Im Auftrag Friedrichs engagiert sich Hermann für den Kreuzzug, welchen der Staufer dem Papst als Gegenleistung für die Kaiserkrönung versprochen hatte. Seit der vernichtenden Niederlage der Kreuzritter bei Hattin 1187, befindet sich Jerusalem in der Hand der Muslime. Geschickt fädelt Hermann die Heirat des Kaisers mit Isabella von Brienne, der Erbtochter des Königreichs Jerusalem, ein. Als 1225 in Brindisi Hochzeit gefeiert wird, erhält Friedrich einen neuen Titel und Hermann sichert für seinen Orden den Anspruch auf das beim Fall Jerusalems verloren gegangene deutsche Hospital.

Hermann als Urvater Preußens?

Am Ostufer des Nogat auf einem Hügel die Marienburg, die stolze nordische Alhambra sich erhebt, ein herrliches Denkmal großer Vergangenheit. Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts war die Marienburg der Schauplatz eines segensreichen Wirkens der deutschen Ordensritter für deutsche Kultur.
Die im 13. Jahrhundert vollendete Marienburg: Ordensburg der Deutschritter im Pruzzen-Land. Bildrechte: IMAGO

Nach dem Scheitern in Ungarn gelingt den Ordensrittern, dank der diplomatischen Fähigkeiten des Hochmeisters, ein großer Coup. Als 1226 ein Hilferuf des polnischen Herzogs Konrad von Masowien im Kampf gegen die heidnischen Pruzzen an den Orden ergeht, packt Hermann die Möglichkeit beim Schopf und lässt sich seine Zusage für den Kampf gegen die "Ungläubigen" vom Kaiser mit so viel Land vergüten, wie seine Ritter erobern können.

In nur wenigen Jahrzehnten gelingt es, im Lande der Pruzzen einen Staat aufzubauen, der bald zu den mächtigsten des Abendlandes gehören und 500 Jahre später dem Königreich der Hohenzollern seinen Namen geben wird. So kann Hermann, obwohl er selbst nie da gewesen ist, mit Recht der Urvater Preußens genannt werden. Ironie des Schicksals, er hatte sich sein Ordensreich immer im Heiligen Land erträumt. Zwar geht dieser Wunsch nicht in Erfüllung, doch gelingt Hermann genau dort sein vielleicht größter diplomatischer Erfolg.

Dauerzwist zwischen Kaisermacht und Papsttum ausgenutzt

Maßgeblich ist der thüringische Ordensmann 1229, als er Friedrich II. auf dem endlich eingelösten Kreuzzug begleitet, an den Verhandlungen mit dem ägyptischen Sultan beteiligt, die zur friedlichen Übergabe Jerusalems an die Christen führen.

Im Jahre 1236 sanktioniert Papst Gregor IX. den preußischen Ordensstaat. Hermann ist damit Herr über ein politisch autarkes Staatsgebilde von der Größe Sachsens. Ein Ziel, das er nur erreichen konnte, in dem er den Grundkonflikt seiner Epoche, den Dauerzwist zwischen Kaisermacht und Papsttum, geschickt für seine Zwecke auszunutzen verstand. Er agiert als Mittler zwischen den verfeindeten Parteien und holt dabei das Beste für seinen Orden heraus.

Letzte Ruhestätte in seiner Wahlheimat Italien

Thüringen besucht Hermann von Salza in seiner Zeit als Hochmeister nur ganze viermal. Seine Wahlheimat ist Italien. Dort stirbt er nach einer großartigen Laufbahn am 20. März 1239. Am Ende seines Lebens hat der Ministerialenspross die Stellung eines Reichsfürsten inne und das Recht, den einköpfigen Reichsadler in seinem Wappen zu tragen. In der sozialen Hierarchie der abendländischen Welt steht Hermann von Salza damit gleich hinter Kaiser und Papst. Zwar zerbricht noch im Jahr seines Todes, mit der endgültigen Bannung Friedrichs II. durch Papst Gregor, das Werk des Diplomaten, doch hinterlässt der erfolgreiche Ordenschef einen mächtigen Ritterorden und im Land der Preußen einen Staat, der in die deutsche Geschichte eingeht.

PS: 1291, nur fünfzig Jahre nach Hermanns Tod, wurde Akkon als letzte Bastion der Kreuzfahrer von den Muslimen erobert.