Nach einem Jahr – Beobachtungen in einer ersten Klasse

Der Lärm einer Schulklasse in einer Turnhalle, nackte Kinderfüße hüpfen auf und ab. Kinder feuern sich lauthals an: Hier erinnert nichts mehr an die schüchternen Erstklässler vom Sommer 1961.

Im Vierfüßlerstand und mit Purzelbäumen geht es durch die Turnhalle. Nicht unbedingt mäuschenstill ist es in Mathematik, wenn an der Tafel im Wettbewerb bis hundert gerechnet wird und in den Bänken flüsternd vorgesagt wird und die Lehrerin sich ein Lächeln kaum verbeißen kann. Zeitlose Aufnahmen, die das Schulgefühl bei den meisten Zuschauern zurückholen, wenn die Lehrerin Arbeiten zurückgibt und laut vorliest – "Acht Fehler – noch eine Drei". Unwillkürlich bangt der Zuschauer mit den Kindern mit, während ein Schüler heimlich und so herrlich langsam, wie es nur ein Zweitklässler kann, auf einen Zettelt kritzelt "Jürgen ist dof“ und ihn durch die Reihen gibt.

Im zweiten Film der Langzeit-Doku ist der Filmemacher mit den Schülern auch draußen unterwegs, denn gelernt wird nicht nur im Klassenzimmer. Der Filmemacher begleitet die Schüler bei Ausflügen, zur Kohlernte auf die Felder, oder auf eine Geflügelfarm: Hier lauschen sie an warmen, noch nicht ausgebrüteten Eiern und nehmen Küken in die Hand, die in großen Schubladen gehalten werden. Zum Ende des Schuljahres begrüßen sie die Eltern zur Zeugnisausgabe mit dem Pioniergruß. Versetzt in Klasse 2.

Momentaufnahmen aus den ersten drei Folgen

Kinder stehen in der Schule auf
So beginnt der erste, 13-minütige Teil der Dokureihe, von der damals keiner ahnt, das sie Filmgeschichte schreiben wird. Bildrechte: DEFA-Stiftung
Kinder stehen in der Schule auf
So beginnt der erste, 13-minütige Teil der Dokureihe, von der damals keiner ahnt, das sie Filmgeschichte schreiben wird. Bildrechte: DEFA-Stiftung
Winfried als Junge mit Kopfhörern.
"Nach einem Jahr - Beobachtungen in einer ersten Klasse" - der Titel kommt weniger spielerisch-leicht daher als der Auftaktfilm 1961. Bildrechte: rbb/PROGRESS Film-Verleih
Barbara und Winfried Junge
Barbara Junge, Russisch- und Englisch-Dolmetscherin, arbeitete seit 1969 bei den DEFA-Dokumentarfilmen und ist zunächst Synchronredakterurin für fremdsprachige DEFA-Filme. Seit 1978 betreute sie die Archivdokumentation des Golzowprojekts, ab 1978 Montage der Junge-Filme, und ab 1992 Co-Regisseurin. Bildrechte: MDR/JOURNAL Film
Winfried Junge
Filmemacher Winfried Junge ist mit den Kindern von Golzow alt geworden. "Wir mussten Freunde werden" - anders geht es bei einem solchen Projekt nicht, sagt er später. Bildrechte: IMAGO
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