Interview mit Hubertus Knabe Die Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen und ihre Methoden

Die Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen: Von den Sowjets erbaut und von der DDR-Stasi genutzt. Wie waren die Verhältnise dort? Historiker Hubertus Knabe im Interview.

Hohenschönhausen war die zentrale Untersuchungshaftanstalt für Ostdeutschland, erbaut von den Sowjets, dann genutzt vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR - wofür?

Für die besonders wichtigen Fälle: Vertreter von demokratischen Parteien, Mitglieder von Widerstandsgruppierungen oder auch Zeugen Jehovs, die verhaftet worden sind, kamen da hin. Die saßen alle in Hohenschönhausen, dem Kellergefängnis, das die Sowjets gebaut haben und insofern ist das der Ort, an dem die Diktatur damals ihren sinnfälligsten Ausdruck gefunden hat.

Es wurden oftmals unlautere Methoden, eine sogenannte "Vorarbeit", angewendet, um die Gefangenen vor den Prozessen geistig und psychisch zu schwächen. Was passierte da? 

Das war das Erschreckende der sowjetischen Schauprozesse, die dann auch in der DDR nachgeahmt wurden: Da bezeichneten sich Kommunisten plötzlich als Gestapo-Agenten, warfen sich gegenseitig Dinge vor, die schon auf den ersten Blick vollkommen an den Haaren herbei gezogen waren. Erreicht wurde dies durch bestimmte Methoden, die erst in der SU, später auch in der DDR entwickelt und angewendet worden. Man hat versucht, die Menschen zu brechen. Man hat sie dazu in dunkle Keller eingesperrt über Monate hinweg, manchmal über Jahre.

Wie verliefen die Verhöre?

Die Verhöre fanden meistens nachts statt, tagsüber durften sie nicht schlafen. Gerade dieser Schlafentzug hat sehr viele schnell mürbe gemacht. Und vor allem diese vollständige Isolation, dass sie in diesen kleinen Kellerverliesen, wie lebendig begraben, eingesperrt waren. Wenn das nichts half, gab es auch noch andere Methoden: Wasserfolterzellen, Kältezellen, Stehzellen, wo sich nicht mal auf eine Holzpritsche legen konnte. Das alles zusammen führte dann dazu, dass die Gefangenen sich selbst dann diese Dinge vorwarfen, die sie oftmals gar nicht getan hatten.

Was wusste die Justiz über die Methoden, wie derartige Geständnisse zustande gekommen sind?

Das genaue Zusammenspiel zwischen den Stasi-Vernehmern und den Staatsanwälten und den Richtern ist bis heute nicht wirklich untersucht, aber bekannt ist, dass es eine Art informelle Übereinstimmung gab, dass die Justiz und dann eben auch der Prozess eine politische Angelegenheit seien - als Teil des Klassenkampfes. Dazu gehörte es, die Gegner des Sozialismus, die Feinde, die gerade bei der Errichtung der Diktatur des Proletariates im Wege standen, niederzuhalten und aus dem Weg zu räumen. Und diese Herangehensweise war eben geprägt von einer großen Unerbittlichkeit.