13. Februar 1969: Erste Herztransplantation in Deutschland Transplantationsmedizin: DDR international Spitze

Es war eine Sensation: Vor 50 Jahren gelang den Chirurgen am Universitätsklinik München die erste Herztransplantation in Deutschland. In der DDR gehört Transplantation zu den Prestige-Projekten. Sogar die heute viel diskutierte Frage, ob jeder Organspender sein sollte, stellte sich in der DDR nicht. Wer nicht zu Lebzeiten widersprach, dem konnten nach dem Tod Organe zu Spenderzwecken entnommen werden. Teilweise wussten die Angehörigen nichts von der Organentnahme.

Es gilt die Widerspruchsregelung

Nach drei Jahren Diskussion wird 1975 ein Organtransplantationsgesetz durch den Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik eingeführt. Von nun an dürfen in der DDR allen, die nicht zu Lebzeiten widersprochen haben, nach dem Tod Organe entnommen werden. Die Ärzte entscheiden vor Ort.

Frank von Olszewski war 1976 Oberpfleger am Kreiskrankenhaus in Suhl. Er erinnert sich an die erste Nierenentnahme, die im Suhler Krankenhaus stattfand. Ein junger Skifahrer war bei Zella-Mehlis gegen einen Baum gefahren und wurde hirntot eingeliefert. Ein Entnahmeteam kam mit seinen Spezialinstrumenten und entnahm die Nieren des Mannes. "Ich habe diesen Behälter mit den Nieren zwei Volkspolizisten übergeben, die vor der Klinik mit ihrem Lada standen. Es war Winter und ich hab gesagt: 'Jungs, diese Nieren müssen nach Berlin-Friedrichshain auf dem schnellsten und sichersten Wege'", erinnert sich der Oberpfleger. 

Keine Informationspflicht

Im Gesundheitsrecht der DDR ist festgelegt, dass es zur Entnahme keine Einwilligung der Angehörigen braucht. Das führt teilweise dazu, dass die Angehörigen nichts von der Organspende erfahren, so der Oberpfleger. "Die Eltern von diesem jungen Mann haben ihn beerdigt, denen haben wir davon nichts sagen müssen."

Mehr Organe als Organ-Empfänger

Diese Situation ist einzigartig und führt dazu, dass auch der Westen profitiert. Für die DDR ergeben sich nämlich neue Möglichkeiten der Kooperation auf dem Gebiet der Transplantation. Es wird mit "Eurotransplant", der Vereinigung der transplantierenden Einrichtungen im westlichen Ausland Europas, zusammengearbeitet. Der damalige Urologe und Transplantationsmediziner im Krankenhaus Berlin-Friedrichshain, Prof. Dr. Moritz Mebel, erinnert sich:

Leichennieren, die wir bei uns nicht verwenden konnten, weil es keine immunologische Übereinstimmung gab, wurden dorthin geschickt. Wir haben von dort auch Nieren bekommen. Wir haben immer mehr exportiert, wenn Sie so wollen, als wir bekommen haben.

Prof. Dr. Moritz Mebel

Sprung in die internationale Spitzenmedizin

Transplantationsmedizin ist in der DDR auch politisch gewollt. In den 1970er-Jahren ist im Land nur noch weniges international konkurrenzfähig. Daher will sich der Staat auf anderen Gebieten etablieren. Das politische Ziel geht auf: Die Transplantation gehört zu den Projekten, mit denen es die DDR in die erste Reihe der internationalen Spitzenmedizin schafft und glänzt. Ärzte wie Moritz Mebel werden in internationale Gremien gewählt, in Vorstände von Verbänden und Organisationen berufen.

(bb)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch in: MDR Zeitreise | 25.09.2018 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 12:20 Uhr