Nationales Jugendfestival in Ost - Berlin im Juni 1979
Nationales Jugendfestival in Ost-Berlin im Juni 1979. Bildrechte: IMAGO

Das blaue Hemd der FDJ

Das blaue Hemd war Symbol für die DDR-Staatsjugend. Für die Einen war es eine Ehre, dieses Hemd zu tragen – für die Anderen eher lästige Pflicht. Heute ist das FDJ-Hemd ein echtes Kultobjekt und für jeden ehemaligen FDJler verbunden mit Erinnerungen.

Nationales Jugendfestival in Ost - Berlin im Juni 1979
Nationales Jugendfestival in Ost-Berlin im Juni 1979. Bildrechte: IMAGO

Ein Hemd aus blauem Stoff, mit aufgenähten Brusttaschen, Schulterstücken und - mit einer golden aufgehenden Sonne am linken Ärmel. Das war das Kleidungsstück der Jugendorganisation der DDR, der Freien Deutschen Jugend: das FDJ-Hemd oder - wie die meisten sagten- das Blauhemd. Beinahe jeder Jugendliche in der DDR hatte es zu besonderen Anlässen zu tragen - zu Republikgeburtstagen, FDJ-Pfingsttreffen, Jugendfestivals , am 1. Mai und zum Beginn eines jeden Schuljahres... Einige Heranwachsende trugen das Hemd sichtlich stolz. Für die Gros der DDR-Jugendlichen war das Tragen des blauen Hemdes freilich eine lästige Pflicht, eine Peinlichkeit.

Am Anfang: FDJ noch ohne Blauhemd

Ulbrichts blühende Landschaft
FDJler bei einem Arbeitseinsatz in der Wische in den 1950er-Jahren Bildrechte: MDR/Heiderose Leopold Filmproduktion

Dabei war das Blauhemd ursprünglich keineswegs sichtbares Symbol der FDJ. Als die FDJ im Frühjahr 1946 begründet wurde, versammelten sich deren Mitglieder noch in Anzug und Kleid, Bluse oder Hemd. Kurz nach Gründung der DDR waren Uniformen noch sehr verpönt. Es galt der Spruch: Nie wieder Waffen, nie wieder Uniformen. "Die FDJ gab sich wie auch andere Organisationen in der DDR ausgesprochen pazifistisch", erklärt der Historiker Stefan Wolle, Leiter des "DDR-Museums" in Berlin. "Es wurde noch nicht im Gleichschritt marschiert und es gab auch keine Uniformierung."

Staatsjugend in Blau

Das sollte sich aber schnell ändern. Bereits 1949 ist das Blauhemd sichtbares Symbol der FDJ. Zum ersten Mal sieht man FDJler in den typischen Blusen mit der aufgehenden Sonne am Ärmel beim Fackelzug der Jugend anlässlich der Republikgründung im Oktober 1949. Zu dieser Zeit war das Blauhemd dennoch eher eine Seltenheit.

Warum war das FDJ-Hemd blau?

Warum aber war das FDJ-Hemd blau? Historiker Stefan Wolle: "Blau stand für die Zukunft, für Lebensfreude und Optimismus. Blau ist die Farbe des Himmels und der passt eben auch perfekt zur aufgehenden Sonne." Und genau so war von Anfang an die Fahne der FDJ gestaltet: Eine aufgehende Sonne auf blauem Grund.

Knallig buntes FDJ-Hemd

Das FDJ-Hemd blieb bis auf einige kleinere Veränderungen im Wesentlichen über all die Jahrzehnte unverändert. Beim Zentralrat der FDJ gingen daher auch vereinzelt Briefe von FDJlern ein, die anregten, dass FDJ-Hemd zu modernisieren. "Das FDJ-Hemd kann doch knallig bunt sein, so dass man es gern anzieht", schrieb einer von ihnen. Doch der Brief stammt aus dem Herbst 1989. In jenen Tagen hatte man im FDJ-Zentralrat zweifellos anderes zu tun, als sich darüber Gedanken zu machen, ob das FDJ-Hemd modischer gestaltet werden könnte. Die FDJ verschwand in jenen Monaten zügig in der Bedeutungslosigkeit.

Eines der bekanntesten Symbole der DDR

In seiner Blütezeit hatte die staatliche Jugendorganisation etwa zwei Millionen Mitglieder. Das FDJ-Hemd ist daher eines der bekanntesten Symbole der DDR. Und fehlt daher natürlich bei keiner Nostalgie- oder DDR-Party. Übrigens war das Blauhemd, gefertigt aus damals modischen Nylonfasern, ziemlich teuer: 18,15 DDR-Mark kostete es. Für DDR-Verhältnisse war das viel Geld. Und war dabei doch wie so vieles in der sozialistischen Republik subventioniert. Schließlich sollte niemand aus finanziellen Gründen daran gehindert sein, das blaue FDJ-Hemd zu tragen.

Über dieses Thema berichtete der MDR in "MDR Zeitreise" 22.05.2017 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2018, 14:21 Uhr