Interview DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck: Ausstellung soll junge Leute ansprechen

Das Frauenzuchthaus in Hoheneck bei Stollberg war eine berüchtigte Strafanstalten in der DDR. Bis zu 23.000 Frauen sollen bis 1989 grausame Haftjahre dort durchlebt haben. Im Moment wird eine neue Ausstellung in der Gedenkstätte Hoheneck konzipiert. Die Ausstellungsmacher wollen künftig vor allem Kinder- und Jugendliche erreichen. Wir haben mit dem Stollberger Oberbürgermeister Marcel Schmidt über die Zukunft des einstigen Zuchthauses gesprochen.

Grafiken aus der Multimediapage Hoheneck-Komplex
Grafik aus dem Multimedia-Projekt Hoheneck Bildrechte: Agentur Kocmoc

Im Moment wird im einstigen Frauenzuchthaus Hoheneck bei Stollberg eine neue Ausstellung konzipiert. Wie soll sie aussehen?

Die Zukunft ist noch ziemlich offen, sie wird gerade konzipiert. Aber wir denken schon, dass wir mit dem einstigen Frauenzuchthaus Hoheneck ein historisches Alleinstellungsmerkmal besitzen. Wir glauben, dass die Inhaftierung von politischen Gefangenen in der DDR, insbesondere die Inhaftierung von Frauen, die in diesem Gefängnis zum Teil ja auch Kinder bekommen haben, die man ihnen dann wegnahm, ein menschlich sehr bewegendes und auch politisch wichtiges Thema ist. Es geht am Ende doch um das Thema Freiheit. Wir gehen fest davon aus, dass das ein interessantes Thema ist. Und wir würden gern die Jugend als Hauptzielgruppe ins Auge fassen.

Wie wollen Sie die Jugendlichen konkret erreichen?

Die Stadt hat das Areal des einstigen Gefängniskomplexes vor einigen Jahren gekauft und es damit erst möglich gemacht, dass eine Gedenkstätte errichtet werden kann. Aber das Areal ist ja viel größer als das eigentliche Gefängnis. Ein Kinder- und Jugendtheater ist bereits vorhanden, die "Phänomenia", ein naturwissenschaftliches Zentrum, ist ebenfalls integriert, und es wird eine Ausstellung über Handel und Migration geben. Wir gehen davon aus, dass allein diese Struktur von mehreren Angeboten, die auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sind, Interesse wecken kann. Wir werden zudem Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Areal schaffen, so dass Schulklassen auch mehrere Tage dort verbringen können mit einem durchaus abwechslungsreichen Programm sowohl in den diversen Ausstellungen als auch im Kinder- und Jugendtheater. Und wir wollen zusätzlich Seminarräume einrichten, in denen die Schulklassen bestimmte Themen vertiefen können.

Das ehemalige Frauengefängnis Hoheneck bei Stollberg
Das ehemalige Frauengefängnis Hoheneck bei Stollberg Bildrechte: dpa

Welche Rolle werden moderne Medien spielen?

Das ist auch noch ein besonderer Punkt. Wir wollen nicht nur einen normalen Audioguide anbieten. Wir würden das gern so betreiben, dass wir die gesamte audiovisuelle Welt, die uns zur Verfügung steht, in der Ausstellung nutzen. Angedacht ist etwa, dass der Besucher der Ausstellung wie in eine Story eintaucht. Wenn er sich fortbewegt, wird das erkannt und es gibt Lichteffekte und Informationen. Die Welt soll also durchaus auch virtuell erlebt werden. Mit Sicherheit werden Jugendliche nämlich auf die Medien, mit denen sie aufwachsen und mit denen sie alltäglich zu tun haben, eher reagieren, als auf irgendwelche zeitgeschichtlichen Exponate in einer Vitrine.

Haben Sie junge Leute befragt, wie sie sich die Ausstellung wünschen und welche Aspekte sie besonders interessieren?

Wir würden gern eines machen: Wir möchten auch die Geschichtsleistungskurse der umliegenden Gymnasien künftig mit einbeziehen, sie mitnehmen auf dem Weg und deren Ideen mit einfließen lassen in die Ausstellung. Die Schüler müssen nicht unbedingt im wissenschaftlichen Beirat der Ausstellung sitzen, aber doch wenigstens gehört werden.

Marcel Schmidt, Portraitfoto
Stollbergs Oberbürgermeister Marcel Schmidt Bildrechte: Marcel Schmidt

Die DDR ist für Jugendliche weit weg. Sie glauben, die jungen Leute dennoch für das Frauenzuchthaus Hoheneck interessieren zu können?

Es geht um das Thema politische Haft. Aber es geht, wie ich bereits sagte, natürlich auch um das Thema Freiheit. Und ich denke, die Jugend ist schon am Thema Freiheit interessiert. Wir leben in einer sehr bewegten Zeit, in der es auch für Jugendliche darum gehen muss, über Freiheit in unserer demokratischen Gesellschaft nachzudenken und zu diskutieren. Denn dass es einfach so weitergeht wie bisher, vage ich doch zu bezweifeln. Und wem sonst sollte denn die Aufgabe, gestaltend tätig zu werden, zukommen, als denjenigen, die die Zukunft miterleben werden?

Wann wird die Ausstellung eröffnet?

Wir bewegen uns in einem Zeitfenster zwischen Ende 2022 und Anfang 2023.

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Dieses Thema im Programm: MDR Zeitreise | 27. September 2020 | 22:20 Uhr