Ein Blick in die Zeit Von Walter Ulbricht zu Erich Honecker

Die DDR war am Ende der Ulbricht-Ära dank sowjetischer Unterstützung nicht am Ende, aber doch in einer Art Sackgasse angekommen. Mit dem Übergang zu Honecker verband sich die vorsichtige Hoffnung auf Lockerungen und neue Impulse, wobei die Signale in dieser Richtung wohl entschieden überbewertet wurden. Honecker entpuppte sich als zunehmend linientreuer Kommunist, der besonders in Sachen Meinungsfreiheit keinen Spaß verstand. Die "kleine" Aufbruchphase zu Beginn der 70er ist dennoch anhand verschiedener Daten nachvollziehbar.

Honecker und Ulbricht am 1. Mai 1972 in berlin
Erich Honecker und Walter Ulbricht am 1. Mai 1972 in Berlin Bildrechte: imago/Sven Simon

1970

  • März: Willy Brandt trifft in Erfurt Willi Stoph (DDR-Ministerpräsident), "Willy"-Rufe illustrieren die Zustimmung der Erfurter Bevölkerung für Brandts Entspannungspolitik. Stoph trifft im Mai in Kassel nochmals auf Brandt.
  • Dezember: ZK der SED beschließt "Modifizierungen der ökonomischen Strategie" (Konsumbedarf wird stärker betont).

1971

  • Januar/Februar: Preissenkungen für verschiedene Konsumgüter werden beschlossen, Grundlöhne und Mindestrenten werden erhöht.
  • Januar-April: Honecker arbeitet an der Entmachtung Ulbrichts.
  • Mai: ZK der SED wählt Honecker zum neuen Generalsekretär für den "aus Altersgründen" zurückgetretenen Ulbricht.
  • Juni: VIII. SED-Parteitag formuliert "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" und deckt damit Honeckers Kurs.
  • Weitere Gespräche und Verhandlungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik, im Dezember Unterzeichnung des Transitabkommens.
  • November: DDR verordnet Preisstopp für Konsumgüter bis 1975.

1972

  • März: Gesetz über den Schwangerschaftsabbruch verabschiedet (Novum in der Volkskammer: 14 Nein-Stimmen und 8 Enthaltungen).
  • April: ZK der SED beschließt mit dem FDGB zusammen u.a. Erhöhung der Mindestrenten.
  • Mai: Uraufführung von "Die neuen Leiden des jungen W." (Plenzdorf) in Halle, weitere Aufführungen und eine Verfilmung folgen.
  • Juli: Diskussion über "Weite und Vielfalt" in der Kulturpolitik auf dem ZK der SED
  • August: Olympia 1972 in München bringt die DDR auf Platz 3 (vor der Bundesrepublik).
  • Dezember 1972-Januar 1973 nehmen zahlreiche Länder – auch im Westen – diplomatische Beziehungen zur DDR auf.

1973

  • April: DEFA-Film "Die Legende von Paul und Paula" (Vorlage: Plenzdorf) erstmals im Kino gezeigt, wird u.a. durch Nacktszenen und integrierte Popmusik zum Kassenschlager (3 Mio. Kinobesucher) und Kultfilm in der DDR.
  • Juni: Grundlagenvertrag zwischen DDR und Bundesrepublik tritt in Kraft.
  • Juli: Weltfestspiele der Jugend in Ostberlin zeigen weltoffene und liberale DDR.
  • August: Tod Walter Ulbrichts.
  • September: Bundesrepublik und DDR werden Mitglieder der UNO.