Einführung ins Thema Honecker – Karriere eines Kommunisten

Vom Verfolgten im Nationalsozialismus in die Führungsriege des ersten kommunistischen deutschen Staates: Die Karriere Erich Honeckers ist in vielerlei Hinsicht typisch für die Biographie eines SED-Spitzenfunktionärs.

Erich Honecker, 1989
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Und wie bei vielen anderen Spitzenfunktionären lässt sich auch Erich Honeckers Werdegang in der DDR nur mit Rücksicht auf seine Erfahrungen aus den Zeiten vor der DDR – insbesondere eben mit dem Nationalsozialismus – erklären und verstehen.

Geboren 1912 in Neunkirchen im Saargebiet wuchs Honecker im kommunistisch geprägten Bergarbeitermilieu auf und engagierte sich selbst schon früh für die KPD, zunächst in der kommunistischen Jugendarbeit. 1930 schickte die KPD den 18-Jährigen für ein Jahr an die Lenin-Schule in Moskau: eine Eliteschule für künftige Kader. Dass Honecker zu diesem Aufenthalt in der Sowjetunion eingeladen wurde ist Beweis für seinen Einsatz in der Parteiarbeit – dass er die Einladung annahm, ist Beweis für sein kommunistisches Bekenntnis.

Kampf für den Kommunismus

Dem blieb er auch unter den schwierigen Bedingungen der frühen 1930er-Jahre in Deutschland treu: Als Parteimitglied und Funktionär des kommunistischen Jugendverbandes arbeitete er nach Hitlers "Machtergreifung" zunächst im Untergrund weiter. Spätestens seit Februar 1934 geriet er ins Visier der Polizei. Er engagierte sich weiter im illegalen Widerstand gegen Hitler, wurde aber Ende 1935 in Berlin von der Gestapo gefasst. Es folgten zehn Jahre Haft als politischer Gefangener in Nazi-Gefängnissen. Die einschneidenden Erfahrungen von Flucht und Gefangenschaft prägten Honecker, sein lebenslanger "Kampf" für den Kommunismus (oder das, was er darunter verstand) stand immer unter dem Vorzeichen des Kampfes gegen den Faschismus.

Aufstieg und Fall

Honeckers Aufstieg lief parallel zu dem des kommunistischen Deutschland: ab 1946 Vorsitzender der FDJ, ab 1949 Mitglied des ZK der SED, ab 1958 Sekretär des ZK etc.

1971 erfolgte schließlich, mit Rückendeckung Moskaus, Honeckers "Putsch" gegen Walter Ulbricht: Er wurde de facto zum mächtigsten Mann im Staat, ab 1976 als Staatsratsvorsitzender und Generalsekretär der SED auch pro forma. Doch Honeckers zunächst eingeschlagener innenpolitischer Ausgleichskurs erwies sich rasch als Sackgasse. Die Angst vor aller Art von Kritik am Staat, die das Erreichte aus Honeckers Sicht zu gefährden drohte, führte das System in eine Bewegungsunfähigkeit, die 1989 angesichts der Reformbemühungen Gorbatschows, der Ausreisewelle und der Fundamentalkritik der Bürgerbewegung in den Zusammenbruch führte. Die Starre des Regimes ist dabei auch die Starre oder der Starrsinn Honeckers. Einen Schlüssel für dessen Verständnis liefert die Biographie.

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 09:43 Uhr