Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) schließt DDR-Reportage über "Abwicklung" der DHfK

"Konkurs eines Medaillenkonzerns" heißt der Titel einer Reportage der Sendereihe "Klartext", die das Fernsehen der DDR am 30. September 1990 zeigt. Sie porträtiert die Deutsche Hochschule für Körperkultur, welche 1950 in Leipzig gegründet wurde. Bis 1990 war sie eine der erfolgreichsten Sporthochschulen der Welt und das Aushängeschild des DDR-Sports. Nachdem Doping-Praktiken an der DHfK bekannt wurden, musste sie schließen. Das DDR-Fernsehen berichtet und fragt, ob es dabei nur um "Mache gegen die Ossis" geht.

Skulpturen vor der DHfK in Leipzig
Die Deutsche Hochschule für Körperkultur wurde 1950 gegründet. Über 40 Jahre war sie eine der erfolgreichsten Sportschulen der Welt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über die natürlichen Leistungsgrenzen hinaus

Im Sport herrschte ein knallhartes Leistungsregime wie sonst nirgendwo in der DDR. Mit Hilfe von Olympiasiegen und Weltmeistertiteln sollte die Überlegenheit des sozialistischen Systems dokumentiert werden. Als die Keimzelle des sogenannten DDR-Sportwunders galt gemeinhin die Leipziger DHfK (Deutsche Hochschule für Körperkultur). Und um die natürlichen Leistungsgrenzen auszudehnen, wurde ab den 70er-Jahren auch flächendeckend und ohne Rücksicht auf Verluste gedopt. Der Kugelstoß-Olympiasieger Udo Beyer sagte:

Wir wussten ja nicht mal die Testergebnisse. Und irgendwo hat man an die Kompetenz der Ärzte geglaubt und darauf vertraut, dass das eine vernünftige Sache ist, die sich im Rahmen des Erlaubten bewegt.

Udo Beyer, 1990 Kugelstoß-Olympiasieger

Für Sportler wie Udo Beyer ist klar: Der internationale Sport muss nach den Veröffentlichungen zum Doping-Skandal in der DDR wieder sauber werden.

Oral Turinabol, Tablettenpackung der VEB Jenapharm 8 min
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Im DDR-Sport wurden Höchstleistungen am laufenden Band produziert. Zum Erfolgsrezept gehörte auch systematisches Doping. Die "Klartext"-Reportage vom 30.09.1991 im DDR-Fernsehen klärt auf.

MDR FERNSEHEN So 29.09.1991 23:01Uhr 07:46 min

https://www.mdr.de/zeitreise/stoebern/damals/videowand/doping-ddr-100.html

Rechte: Deutsches Rundfunkarchiv

Video

Leistungssportler als Beruf

"Es war mein Job, ich habe das nie als schönste Nebensache der Welt angesehen", erinnerte sich 1991 der Weltklasseruderer Siegfried Brietzke. Den Leistungssport betrachtete er als einen "Extrembereich", wie etwa "die Raumfahrt". Und dazu gehörten eben auch extreme Trainingsmethoden – die Muskelbildung mit Hilfe von Stromstößen etwa. Nicht alle haben für diese Methoden Verständnis. Siegfried Brietzke erinnert sich zurück:

Meine Frau hat damals oft gesagt: 'Ihr seid verrückt, das kann man gar nicht mit ansehen.' Aber ich war Vollprofi.

Siegfried Brietzke Olympiasieger im Rudern

Als Vollprofi musste man in der DDR so einiges über sich ergehen lassen. Stromstöße sind dabei nur ein kleiner Teil. Der politische Missbrauch des Sports führte auch zum Einsatz verbotener chemischer Mittel. Die Sportler mussten Doping, oftmals unwissentlich, über sich ergehen lassen. Das staatlich betriebene Prozedere sollte die DDR in vielen Disziplinen an die Weltspitze katapultieren.

DDR im Trainerwahn

Die Wasserspringer des Sportclub DHfK Leipzig dominierten über Jahrzehnte die Weltspitze. Der Grund für die Erfolge: die unermüdliche Sichtung von Talenten und unerbittlich hartes Training. 20 hauptamtliche Trainer waren hier zu DDR-Zeiten beschäftigt. Spezialisten, die jeweils drei oder vier Sportler intensiv betreuten. Aber dieses System konnte von 1990 an niemand mehr bezahlen: Gerade einmal zwei Trainer blieben auf ABM-Stellen übrig, alle anderen wurden entlassen.

Der Osten - Entdecke wo du lebst DHfK Leipzig 5 min
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Fünf bis sechs Weltrekorde pro Tag

Der Arbeitsplatz der Sportwissenschaftlerin Professor Helga Pfeifer war im Keller des Forschungszentrums der DHfK untergebracht und streng geheim: der Strömungskanal für Schwimmer. In ihm konnte die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers dem anvisierten Tempo des Schwimmers angepasst werden. Die Olympiasieger Kornelia Ender und Roland Matthes schwammen hier, wie sich Helga Pfeifer erinnert, an manchen Tagen fünf, sechs Weltrekorde hintereinander.

Ein Schwimmer springt in ein Becken
In diesem streng geheimen Strömungskanal schwammen DDR-Sportler Kornelia Ender oder Roland Matthes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: MDR Fernsehen | 20.10.2020 | 21:00 Uhr

Sport in der DDR

Ein Trainer steht in einer Schwimmhalle am Beckenrand 45 min
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