TV-Reportage Die DHfK im Spiegel des DDR-Fernsehens

"Konkurs eines Medaillenkonzerns" heißt der Titel einer Reportage der Sendereihe "Klartext", die das Fernsehen der DDR am 30. September 1990 zeigt. Wir stellen hier Auszüge vor.

Über die natürlichen Leistungsgrenzen hinaus

Oral Turinabol, Tablettenpackung der VEB Jenapharm 8 min
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Im DDR-Sport wurden Höchstleistungen am laufenden Band produziert. Zum Erfolgsrezept gehörte auch systematisches Doping. Die "Klartext"-Reportage vom 30.09.1991 im DDR-Fernsehen klärt auf.

MDR FERNSEHEN So 29.09.1991 23:01Uhr 07:46 min

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Im Sport herrschte ein knallhartes Leistungsregime wie sonst nirgendwo in der DDR. Mit Hilfe von Olympiasiegen und Weltmeistertiteln sollte die Überlegenheit des sozialistischen Systems dokumentiert werden. Als die Keimzelle des sogenannten DDR-Sportwunders galt gemeinhin die Leipziger DHfK (Deutsche Hochschule für Körperkultur). Und um die natürlichen Leistungsgrenzen auszudehnen, wurde ab den 70er-Jahren auch flächendeckend und ohne Rücksicht auf Verluste gedopt. Der Kugelstoß-Olympiasieger Udo Beyer sagte 1990: "Man hat an die Kompetenz der Ärzte geglaubt, und darauf vertraut, dass das eine vernünftige Sache ist, die sich im Rahmen des Erlaubten bewegt."

Beruf: Leistungssportler

"Es war mein Job, ich habe das nie als schönste Nebensache der Welt angesehen", erinnerte sich 1991 der Weltklasseruderer Siegfried Brietzke. Den Leistungssport betrachtete er als einen "Extrembereich", wie etwa "die Raumfahrt". Und dazu gehörten eben auch extreme Trainingsmethoden – die Muskelbildung mit Hilfe von Stromstößen etwa. "Meine Frau hat damals oft gesagt: 'Ihr seid verrückt, das kann man gar nicht mit ansehen.' Aber ich war Vollprofi", sagt Brietzke achselzuckend.

Zwei ABM-Kräfte statt 20 Trainer

Kopfsprung 5 min
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Weltweit suchte man nach dem Geheimnis, wie die DDR bei Kindern die Eignung für bestimmte Sportarten erkannte. Eine Voraussetzung war ein akribisches Sichtungsverfahren.

MDR FERNSEHEN Mo 30.09.1991 21:00Uhr 04:49 min

https://www.mdr.de/zeitreise/stoebern/damals/videowand/video-128238.html

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Die Wasserspringer des SC DHfK Leipzig dominierten über Jahrzehnte die Weltspitze. Der Grund für die Erfolge: die unermüdliche Sichtung von Talenten und unerbittlich hartes Training. 20 hauptamtliche Trainer waren hier zu DDR-Zeiten beschäftigt. Spezialisten, die jeweils drei oder vier Sportler intensiv betreuten. Aber dieses System konnte von 1990 an niemand mehr bezahlen: Gerade einmal zwei Trainer blieben auf ABM-Stellen übrig, alle anderen wurden entlassen.

Fünf bis sechs Weltrekorde pro Tag

Der Arbeitsplatz der Sportwissenschaftlerin Professor Helga Pfeifer war im Keller des Forschungszentrums der DHfK untergebracht und streng geheim: der Strömungskanal für Schwimmer. In ihm konnte die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers dem anvisierten Tempo des Schwimmers angepasst werden. Die Olympiasieger Kornelia Ender und Roland Matthes schwammen hier, wie sich Helga Pfeifer erinnert, an manchen Tagen fünf, sechs Weltrekorde hintereinander.