Kurzinterviews Sportler erinnern sich an die Zeit beim SC DHfK

Sportidole wie "Täve" Schur schwärmen noch heute von den idealen Trainingsbedingungen beim SC DHfK. Mancher Rudersportler dagegen hat die mit Chemie verdreckten Leipziger Gewässer in bleibender Erinnerung.

Radsportidol Gustav-Adolf "Täve" Schur

Täve Schur 10 min
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"Es waren ideale Bedingungen hier", erinnert sich "Täve" Schur. "Wer hier trainiert hat, der musste und wollte gewinnen. Das war eine hohe Verpflichtung. Da wurde gefahren bis zum Geht-nicht-mehr." 1955 war Schur ins Internat des SC DHfK in der Friedrich-Ebert-Straße 130 (heute: Am Sportforum 10), Zimmer 131 gezogen. "Wir waren ja auch eine starke Gruppe mit Eckstein, Adler und all den anderen, wir waren eine Truppe, da mussten sich die andern festhalten. Aber wir haben natürlich auch saustark trainiert." Besonders angetan hatten es Schur damals aber auch "die vielen hübschen Mädchen", die im Internat wohnten ...

Kanute Dieter Krause

Für die Kanuten und Ruderer des SC DHfK waren die Trainingsbedingungen dagegen ziemlich miserabel - wegen der verdreckten und nach Chemie stinkenden Leipziger Gewässer, auf denen sie ihre Trainingsrunden absolvieren mussten. "Einmal bin ich da reingefallen und stank eine Woche wie ein Wiedehopf", erinnert sich der Olympiasieger und dreimalige Europameister im Kanurennsport, Dieter Krause. Doch die "Drecksbrühe" bot andererseits einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil – sie fror im Winter nicht zu. Während anderswo die Sportler ihre Boote von Oktober bis März in den Schuppen stellen mussten, konnte beim SC DHfK ganzjährig trainiert werden ...

Ruderer Roland Kostulski

Als in einer Fernsehshow mit Heinz Quermann Ende der 60er-Jahre junge, hochgewachsene Rudertalente gesucht wurden, meldete sich der 1953 in Borna geborene Roland Kostulski beim SC DHfK. Er absolvierte ein Probetraining und wurde angenommen. 1971 wurde er Juniorenweltmeister, fünf Jahre später gar Olympiasieger mit dem DDR-Ruderachter. Nach dem Ende seiner sportlichen Karriere studierte Kostulski an der DHfK und wurde anschließend stellvertretender Vorsitzender des Sportclubs. In den Wendejahren übernahm er dessen den Vorsitz und musste fast alle Trainer und Angestellten entlassen. Ein trauriger Job ...

Radrennsportlerin Petra Rossner

Wenn Petra Rossner, die erfolgreichste deutsche Radsportlerin aller Zeiten, an ihre Jahre beim SC DHfK zurückdenkt, fallen ihr zuerst die grünen Trainingsanzüge ein. "Eigentlich waren sie hässlich", sagt sie, aber sie sind mit "schönen Erinnerungen" verbunden. Die gebürtige Leipzigerin hatte ihre sportliche Karriere ursprünglich als Leichtathletin begonnen, war aber 1984 zu den Radsportlern gewechselt, als der Frauenradsport als olympische Disziplin anerkannt worden war und auch in der DDR gefördert wurde. Ihre ersten Runden musste sie allerdings noch auf einem ausgedienten Rennrad Uwe Amplers drehen. Als der SC DHfK 1990 zerfiel, war sie gezwungen, sich einen anderen Verein in Baden-Württemberg zu suchen. 1991 wurde Petra Rossner, die heute als Radtrainerin in Leipzig arbeitet, Weltmeisterin, ein Jahr später Olympiasiegerin in Barcelona.