Schlittenfahren auf dem Fichtelberg, direkt am Hang das Hotel am Fichtelberg, Aufnahme von 1981
Rodeln am Hang Anfang der 1980er-Jahre, direkt über dem neuen "Hotel am Fichtelberg" Bildrechte: imago/Werner Schulze

Erzgebirge Wintersportparadies Oberwiesenthal

Deutschlands höchstgelegene Stadt galt als schneesicheres Wintersportparadies im Erzgebirge. Anfangs gab es allerdings nur Ferienheime der Stasi, der Armee oder der "Wismut". In den 60er-Jahren war Walter Ulbricht regelmäßig zu Gast im "Eschenhof". Aber im Unterscheid zu Oberhof hatte der Parteichef für dieses Skiparadies keine ehrgeizigen Ausbaupläne.

Schlittenfahren auf dem Fichtelberg, direkt am Hang das Hotel am Fichtelberg, Aufnahme von 1981
Rodeln am Hang Anfang der 1980er-Jahre, direkt über dem neuen "Hotel am Fichtelberg" Bildrechte: imago/Werner Schulze

Ende der 1960er-Jahre konnten ganze 2.500 Betten in Oberwiesenthal zur Verfügung gestellt werden. Aber die Nachfrage war bei weitem größer: 1968 mussten 70.000 Anfragen von den Jugendherbergen abgewiesen werden.

Erst der Ausbau der FDGB-Ferienheime Mitte der 1970er-Jahre brachte Massentourismus in die Grenzregion. Ein 14-tägiger Urlaub inklusive Vollverpflegung kostete 65 Mark. Subventioniert werden sollten diese Ferienplätze aus den Gewinnen der Betriebe. Aber mit den Betriebsgewinnen war das so eine Sache, die blieben nämlich immer öfter aus, je älter die DDR wurde. So waren in den meisten Ferieneinrichtungen, gerade in den 80er-Jahren, deutliche Mängel festzustellen. Modernisierungen gab es nicht, Reparaturen wurden schwierig, stattdessen war "Organisationstalent" gefragt.

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Ein Urlaubsquartier in Oberwiesenthal zu ergattern, war wie ein Fünfer im Lotto. Es gab zwar etliche Betriebsferienheime, lange Zeit aber kein einziges Hotel.

Di 07.02.2006 12:03Uhr 02:20 min

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FDGB Ferienheim "Am Fichtelberg"

Um die Unterbringungssituation deutlich zu verbessern, wurde Ende 1975 ein Plattenbau mit 800 Betten am Hang von Oberwiesenthal eröffnet. Ein Platz im Ferienheim "Am Fichtelberg" war für viele wie ein Fünfer im Lotto. Über 1.000 Feriengäste mussten in Spitzenzeiten versorgt werden. Das war mit normalen Mitteln kaum zu schaffen, erinnert sich Max Högen, damals als ökonomischer Direktor verantwortlich: "Erdbeeren aus Werder, Lübbenauer Gurken, also vieles, was die normale Versorgung dieser Republik nicht mehr bereitstellte, haben wir uns selbst besorgt. Aber die Betriebe halfen uns und wir mussten den Betrieben helfen. Das heißt: mit einem Ferienplatz ließ sich vieles regeln".

Das Haus war immer brechend voll – bis Anfang 1991, denn mit dem Ende der Ferienschecks blieben auch die Gäste weg. Sie fanden erst langsam wieder zurück nach Oberwiesenthal und auch ins "Fichtelberg".

Das Jugendtouristhotel

1982 eröffnet, sollte es das Angebot im Urlaubsort erweitern. Preiswert sollte es sein, erinnert sich Jugendtourist-Programmchefin Ria Meinel: "Übernachtung 7 Ost-Mark, Vollverpflegung 15 Ost-Mark. Das Haus wurde jährlich mit ca. zwei Millionen Ost-Mark subventioniert. In diesem Hause wurde an dem wirtschaftlichen Ruin des Staates DDR tüchtig mitgewirkt". Disco, Sauna und Skiverleih waren kostenlos. Den Jugendlichen sollte alles geboten werden. Das Haus hatte 400 Gäste und laut Personalschlüssel kam auf vier Gäste je ein Mitarbeiter.

Wir wussten vor Personal eigentlich gar nicht, was wir an Rundumbetreuung alles tun konnten, haben das sicher auch umgesetzt. Aber es ist natürlich in keiner Weise effizient gewesen.

Ria Meinel, damals im Haus als Programmchefin von Jugendtourist tätig - heute Mitbesitzerin eines Hotels

Ein Personalüberhang, der, wie in den anderen Ferieneinrichtungen auch, nach 1989 nicht mehr zu halten war. Oberwiesenthal hat seither fast die Hälfte der Einwohner verloren, konnte sich aber als Urlaubsort behaupten: Das Skiparadies bietet Betten für rund 4.000 Gäste und zieht so jährlich etwa eine Viertelmillion Urlauber an.

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Seit über 100 Jahren - Skifasching in Oberwiesenthal

Seit 1906 begeht man am Fichtelberg "dor Fosnd" auf Skiern. Seither zieht das Spektakel jährlich Tausende an. Fast jährlich - in den Kriegen wurde nicht gefeiert. Deshalb ist dieses Jahr die 102. Auflage.

Blick von der Skipiste uns Tal.
Er gehört zu den bekanntesten Faschingsveranstaltungen auf Skiern in Deutschland: der Oberwiesenthaler Skifasching. Seit 1906 toben sich am Faschingssonntag am Fichtelberg Närrinnen und Narren aus. Nur in den Kriegsjahren war den Narren nicht nach Klamauk. Deshalb feierte man erst 2017 zum 100. Mal. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Blick von der Skipiste uns Tal.
Er gehört zu den bekanntesten Faschingsveranstaltungen auf Skiern in Deutschland: der Oberwiesenthaler Skifasching. Seit 1906 toben sich am Faschingssonntag am Fichtelberg Närrinnen und Narren aus. Nur in den Kriegsjahren war den Narren nicht nach Klamauk. Deshalb feierte man erst 2017 zum 100. Mal. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Faschingsumzug mit einem Elefant.
Bereits in den 1920er-Jahren kamen Tausende, um beim Oberwiesenthaler Skifasching dabei zu sein. Auch ein Elefant fand seinen Weg an den Fichtelberg. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Mann mit Kostüm und Schirm bei einem Skisprung.
Von Anfang an standen sie im Mittelpunkt: die tollkühnen Männer auf ihren fliegenden Brettern. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Viele Menschen hören einem Redner zu.
Auch gute Büttenredner dürfen nicht fehlen: In den 1930er-Jahren lacht der ganze Marktplatz. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Menschen bei einem Faschingsumzug.
1930 kommen die ersten "Indianer" nach Oberwiesenthal - auf einer Kuh und mit "Cowboys" auf Skiern im Schlepptau. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Viele Menschen auf der Straße.
Auch in den 1950er-Jahren werden die zugeschneiten Straßen von Deutschlands höchstgelegener Stadt zum Tummelplatz fürs närrische Volk auf Skiern. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Skispringer springt über Menschenreihe.
Eberhard Riedel, zehnfacher DDR-Meister im alpinen SKisport, in den 1960er-Jahren beim Sprung über die Faschingsnarren. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Skispringer zwischen vielen Menschen.
1964: Narren-Sprung in vollem Ornat. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Skifasching - Menschen auf einem ausgestopften Elefant.
In den 1970er-Jahren schon wieder ein "Elefant" beim Oberwiesenthaler Skifasching. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Ein Skispringer springt über eine Menschenreihe.
Auch Ende der 70er-Jahre darf der Sprung über das närrische Volk nicht fehlen. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Parade beim Skifasching.
Große Parade zum 69. Oberwiesenthaler Skifasching Mitte der 80er. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Ein Skispringer als Clown verkleidet.
Auch Clowns beherrschen den alpinen Ski-Zirkus. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
3 Skispringer springen über eine Schanze.
1992: Waghalsige Sprünge zu dritt. Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
Faschingsumzug im Schnee
Festumzug zum 79. Oberwiesenthaler Skifasching 1996 - mit extra viel Schnee.
(Über dieses Thema berichtet der MDR auch TV: Sachsenspiegel | 03.03.2019 | 19:00 Uhr.)
Bildrechte: Verein Skifasching Oberwiesenthal
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(zuerst veröffentlicht am 03.07.2009)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Umschau extra | 08.01.2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 14:49 Uhr