Zeitschriften im Osten Frischer Wind am Presse-Kiosk in der SBZ

Das Satiremagazin "Eulenspiegel" hatte in der DDR ein Alleinstellungsmerkmal und erschien wöchentlich. Noch heute ist der "Eulenspiegel" ein bekannter Kioskliebling. Der Vorgänger mit dem Titel "Frischer Wind" erschien 1946. Insgesamt umfasste das Zeitschriftenangebot der DDR alle Sparten von der parteioffiziellen Wochenzeitung, über Mode- und Jugendzeitschriften, bis hin zu Ratgeber- und Frauenillustrierten.

Satirezeitschrift Eulenspiege
Unter dem Namen "Eulenspiegel" erschien das Satire-Magazin erstmals am 1. Mai 1954. Bildrechte: IMAGO

Das humoristisch-satirische Magazin "Eulenspiegel" griff in manchmal beißender Weise Missstände auf. Trotz offizieller Duldung und Förderung als Ventil für den Unmut der Bevölkerung, bestand immer die Gefahr, von der Medienaufsicht aus dem Verkehr gezogen zu werden. Mehrmals wurden ganze Ausgaben des 400.000 Auflagen starken Magazins vor der Auslieferung eingestampft.

Pflichtlektüre und seichte Unterhaltung

So unterschiedlich das Zeitschriftenangebot in der DDR war, so unterschiedlich war auch der Leserkreis und Beliebtheitsgrad. So gab es zum Beispiel die SED-Theorie-Zeitschrift "Einheit", die Partei-Mitglieder mit Argumenten versorgen und die offizielle Interpretation des Marxismus-Leninismus weitergeben sollte. Sie galt als ausgesprochener Staubfänger.

Wiederum andere Titel waren nur unter der Ladentheke zu bekommen, dazu zählten so beliebte Illustrierte wie das "Magazin". In aufgelockerter Weise wurde darin über Kultur, Zeitgeschehen und Mode berichtete. Darüber hinaus war das Magazin eine der wenigen Zeitschriften der DDR, das Nacktfotos druckte. Die monatlich erscheinende Zeitschrift wollte niveauvoll unterhalten und den Geschmack bilden. Reportagen, Porträts, Einrichtungs- und Modetipps, erotische Erzählungen und Aktfotografie lieferten Unterhaltung jenseits der Politik. Im freien Verkauf gelang es einem nur selten, ein Exemplar zu ergattern. Zum Markenzeichen des Magazins wurde der Kater in den Zeichnungen des Grafikers Werner Klemke. Manche Zeitschriften waren so begehrt, dass man ihre Abonnements angeblich vererbt hat.

30 Zeitschriften von "Bummi" bis "Wochenpost"

Etwa 30 Illustrierte, Wochen- und Monatszeitungen gab es in der DDR. Ihre Gesamtauflage betrug in den 80er Jahre rund neun Million Exemplare. Zu den wichtigsten Wochenzeitungen gehörten der "Sonntag", das kulturpolitische Organ des Kulturbundes und die "Wochenpost", das mit 2,2 Millionen Exemplaren größte Blatt.

Die erste Wochenpost erschien Weihnachten 1953. Sie knüpfte an die Tradition der in den 20er Jahren verlegten "Grünen Post" an. Das Blatt bot einen bunten Mix aus Unterhaltung und Information, pflegte Genres, die in anderen Medien vernachlässigt wurden. Legendär waren Rudi Hirschs Gerichtsberichte auf der letzten Seite.

Eine Mitarbeiterin des DDR-Museums hält eine Ausgabe der Kinderzeitschrift Bummi in den Händen
Die Kinderzeitschrift Bummi: damals wie heute beliebt. Bildrechte: dpa

Der humoristisch-satirische "Eulenspiegel" (Auflage etwa 400.000 Exemplare) griff in manchmal beißender Weise Missstände auf. Trotz offizieller Duldung und Förderung als Ventil für den Unmut der Bevölkerung, bestand immer die Gefahr, von der Medienaufsicht aus dem Verkehr gezogen zu werden, wenn die kritischen Töne zu scharf wurden. Mehrmals wurden ganze Ausgaben vor der Auslieferung eingestampft.

"Die Weltbühne", eine Wochenzeitschrift für Wirtschaft, Kunst und Politik brachte es auf eine 30.000er Auflage. Der "horizont", das ab 1983 nur noch monatlich erscheinende Blatt für internationale Politik, auf etwa 100.000 Exemplare.

Begehrteste Illustrierte war die Rundfunkillustrierte "FF dabei". Ihre Auflage von 1,5 Millionen konnte den großen Bedarf nicht decken. "Für Dich", die DDR-Frauenzeitschrift, brachte es auf eine Auflage von knapp einer Millionen Exemplare.

Kontrastprogramm: von Ideologie bis Lebenshilfe

Die "Neue Berliner Illustrierte" (NBI) brachte zahlreiche bebilderte Berichte aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens der DDR. Die NBI war mit einer durchschnittlichen Auflagenhöhe von 726.000 Exemplaren die meistgelesene Wochenzeitschrift. Da die Auflagenhöhe an einem bestimmten Papierkontingent festgeschrieben war, konnte die Nachfrage auch hier nur selten gedeckt werden.

Die "Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft" gab die illustrierte "Freie Welt" heraus, die vor allem über Themen aus dem Verhältnis von DDR und Sowjetunion sowie zu anderen Ländern des Warschauer Paktes berichtete. "Guter Rat", die Ratgeberzeitschrift schlechthin, gab Tipps zu allen erdenklichen Themen, vom Tapezieren über die Küche bis hin zum Basteln.

Kirchenzeitungen mit Sonderstatus

Eine Sonderstellung nahmen die in der DDR erscheinenden Kirchenzeitungen ein. Ihre Herausgeber waren nicht Parteien oder parteinahe Verlage. Dennoch standen etwa auch die evangelische Zeitschrift "Standpunkt" und die katholische "begegnung" unter dem Einfluss der Ost-CDU. Die verbreitetste Kirchenzeitung war der zunächst zweiwöchentlich, dann wöchentlich erscheinende katholische "Tag des Herrn" mit 100.000 Exemplaren Auflage.

Für Thüringen erschien das evangelische Sonntagsblatt "Glaube und Heimat", "Die Kirche" wurde für Berlin, Görlitz, Greifswald und Magdeburg herausgegeben, in Mecklenburg las man die "Mecklenburgische Kirchenzeitung".

"Der Sonntag" der evangelisch-lutherischen Kirche Sachsen war mit 40.000 Exemplaren die auflagenstärkste evangelische Zeitschrift. Das "Nachrichtenblatt der Jüdischen Gemeinde von Berlin und des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der Deutschen Demokratischen Republik" erschien viermal jährlich seit den 60er Jahren und stand der SED nahe.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Radio:

Matthias Biskupek 4 min
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