KaDeO – das Kaufhaus in Görlitz Prada, Gucci und die Grundversorgung

Seit 2010 steht das einstige Handelshaus im Görlitzer Zentrum leer. Als das Kaufhaus 2012 als Kulisse für den Hollywood-Film "The Grand Budapest Hotel" war, wurde Winfried Stöcker auf das Gebäude aufmerksam: Der Mediziner, der mit seinem Medizintechnik-Unternehmen weltweit agiert, kaufte das das einstige "Kaufhaus zum Strauß" und will das Gründerzeitschmuckstück neu beleben. Doch wie passt fehlende Kaufkraft einer Region zusammen mit einem Haus, dessen Name nach Luxus pur klingt?

von Liane Watzel

Mit dem Namen KaDeO, was sehr an das Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin erinnert, legen Sie die Latte ziemlich hoch. Was wird denn der Unterschied zum KaDeWe in Berlin?

Winfried Stöcker
Unternehmer Winfried Stöcker Bildrechte: Winfried Stöcker

Zunächst heißt es ja nicht Kaufhaus des Ostens, sondern der Oberlausitz! Aber wir haben uns vorgenommen, dass es in Görlitz ähnlich gute Sachen geben soll wie in Berlin im KaDeWe, im Oberpollinger in München oder Alsterhaus in Hamburg. In dieser Kategorie wollen wir uns bewegen. Auf der anderen Seite wollen wir aber auch zweigleisig fahren und auch zu normalen Preisen Lebensmittel mit anbieten.

Das heißt, Roulade und Brötchen neben Prada und Gucci?

Ja, da muss alles drin sein! - Die Produkte können von überall herkommen, alles was gut ist, kann da verkauft werden. Wir haben natürlich auch die Leute im Blick aus Polen, dass sie da fündig werden und es ist ja auch nicht schwer, dort zweisprachig zu verkaufen, weil dort vielleicht auch Leute aus Polen dort als Verkäufer arbeiten werden.

Haben Sie schon konkrete Pläne, wie sich das Verkaufspersonal zusammensetzen soll, wie viele Deutsche, wie viele Polen?

Nein, das wird sich dann zeigen, wenn alles fertig ist und dann werden sich auch sehr schnell Leute finden.

Wie wichtig ist Ihnen der deutsch-polnische Ansatz Ihres Kaufhauses?

Sehr wichtig. So etwas hat Signalwirkung für die Region. Zum Beispiel habe ich schon jetzt für einen deutsch-polnisch-tschechischen Fachkongress eine Anfrage, bevor das Kaufhaus als Kaufhaus startet.

Haben Sie bei den Plänen für das Kaufhaus vorher Studien gemacht, was das Kaufverhalten von Polen und Deutschen angeht?

Nein, das habe ich gar nicht. Ich mach das einfach nach Gefühl und habe gehört, dass die Polen sehr modebewusst sind und es lieben, ihr Geld für feine Kleider auszugeben. Ich habe in meiner Dependance in Wroclaw mit meinen Mitarbeitern gesprochen udn sie gefragt: "Wo fahrt Ihr hin, wenn Ihr Euch feine Sachen kaufen wollt?" – "Nach Warschau oder Mailand", hieß es da.

Wie passt das zusammen, auf der einen Seite ist Görlitz im deutschsprachigen Raum Schlusslicht in Sachen Kaufkraft – auf der anderen Seite Luxus im Kaufhaus?  

Es soll nicht nur Luxuskaufhaus sein, sondern auch den ganz normalen Bedarf decken, also in zwei Kategorien, vielleicht in dem einen Stockwerk das Besondere anbieten, im Rest das ganz normale, was man sonst so braucht.

Gibt es denn schon Luxuswaren-Hersteller, die sagen, ja, wir möchten in Görlitz verkaufen?

Das Modehaus von Karl Lagerfeld hat sich bei uns gemeldet und gesagt, wir kommen. Auch eine angesehene Lebensmittelfirma hat sich schon gemeldet, aber dazu kann ich noch nicht mehr sagen. Wir sind von uns aus aber noch nicht auf andere Marken zugegangen. Ich will zuerst alles schön machen und dann sagen, schaut her, so sieht es aus, und dann kommt alles andere von allein.

Woher nehmen Sie den Optimismus zu sagen, gerade ein solches Luxuskaufhaus fehlt in der Oberlausitz und das wird funktionieren?

Ich bin immer optimistisch und normalerweise liege ich immer richtig. Sollte sich das mit diesem Konzept so nicht tragen, kann man sich drauf einstellen und es verändern. Ich traue der Region. Es gibt viele Leute, die immer mehr zu Wohlstand kommen und normalen Menschen geht es ja auch nicht so schlecht, dass sie sich nicht auch mal Besonderes kaufen können. Ich glaube, dass viele Leute aus der Region, aus Polen oder der Tschechei, sich dort was holen werden. Man muss es nur anbieten!

Zur Geschichte des Hauses Am 30. September 1913 eröffnet das "Kaufhaus zum Strauß": Auf 7.000 Quadratmetern Fläche gab es Grammophone, Textil- und Schreibwaren, Bücher, Lampen und
Haushaltswaren sowie spezielle Räume – ein Konfektionssaal, ein Orientsaal, ein Erfrischungsraum, eine Schreibstube und eine Telefonzentrale. Von 1929 bis 1946 führte die Karstadt AG das Kaufhaus, bis 1958 wurde es für Gewerbeausstellungen genutzt. Ab 1958 war es im Verbund der "Vereinigung Volkseigener Warenhäuser Centrum“ wieder Warenhaus. Nach 1991 übernahm die Kette Karstadt AG das Haus erneut bis zur Schließung 2010.

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2013, 09:13 Uhr