Das "pädagogische" Projekt Jugendwerkhof

Der Geschlossene Jugendwerkhof in Torgau

Jugendwerkhof Torgau, Außenansicht
"Ich hatte so ein mulmiges Gefühl im Bauch. Angst halt." Vielen Jugendlichen geht es wie Stefan Lauter, als sie den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau zum ersten Mal von außen sehen. Die vergitterten Fenster und die 5 Meter hohen Mauern mit Stacheldraht machen Angst davor, was kommen wird. Bildrechte: Archiv DIZ Torgau
Jugendwerkhof Torgau, Außenansicht
"Ich hatte so ein mulmiges Gefühl im Bauch. Angst halt." Vielen Jugendlichen geht es wie Stefan Lauter, als sie den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau zum ersten Mal von außen sehen. Die vergitterten Fenster und die 5 Meter hohen Mauern mit Stacheldraht machen Angst davor, was kommen wird. Bildrechte: Archiv DIZ Torgau
Jugendwerkhof Torgau
Wie schlimm es hier tatsächlich zugeht, ahnt kaum jemand. Denn bei der Entlassung wird den Jugendlichen eingebläut, dass sie nichts über ihre Erlebnisse in Torgau erzählen dürfen, sonst werden sie wieder eingewiesen. Ein Tabu, das lange fortwirkt. Bildrechte: Archiv DIZ Torgau
Jugendwerkhof Torgau, Gruppenbereich mit Schlafzellen
1964 wird der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau in einem ehemaligen Gefängnis eröffnet. Ohne Gerichtsurteil oder offizielles Verfahren werden vermeintlich "schwererziehbare" Jugendliche eingewiesen. Dort sollen sie - wie es in den Richtlinien der Heime heißt - "umerziehungsbereit" gemacht werden. Bildrechte: Archiv DIZ Torgau
Blick auf eine Tafel in den Ausstellungsräumen des ehemaligen Jugendwerkhofes in Torgau mit dem vielfach geschriebenen Satz "In der Nachtruhe hat man zu schlafen nicht zu quatschen"
Konkret heißt das gnadenloser Drill und drakonische Strafen von Essensentzug über Einzelarrest bis hin zu körperlicher Gewalt. Bildrechte: dpa
Blick in eine ehemalige Dunkelzelle
Besonders gefürchtet sind die Dunkelzellen im Kellertrakt des Gebäudes. Manche dieser Zellen sind so klein, dass ein Mensch hier weder aufrecht stehen noch liegen kann. Bildrechte: Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau
Blick auf eine Originalinschrift auf einer Liege des ehemaligen Jugendwerkhofes in Torgau
Einige der Jugendlichen schreiben ihre Gefühle heimlich auf die Zellenliegen. Die wenigen Inschriften, die sich bis heute erhalten sind, zeugen vom stillen Protest gegen eine unmenschliche Erziehungseinrichtung. Bildrechte: dpa
Jugendwerkhof Torgau, Sturmbahn
Neben dem Arrest setzen die Erzieher in Torgau auch sportlichen Drill als Strafe ein. Auf der Sturmbahn müssen die Zöglinge bis zur Erschöpfung über einen Hindernisparcours laufen. Bildrechte: Archiv DIZ Torgau
Jugendwerkhof Torgau, Sturmbahn
Schafft ein Jugendlicher dieses sportliche Pensum nicht, wird die gesamte Gruppe bestraft. Bildrechte: Archiv DIZ Torgau
Jugendwerkhof Torgau, Innenbereich, Treppenaufgang
Keiner der Insassen weiß, wann er aus Torgau wieder entlassen wird. Die meisten bleiben etwa drei Monate in der Einrichtung. Doch der Aufenthalt kann auch willkürlich verlängert werden. Fast alle Jugendlichen kommen anschließend wieder zurück in jene Jugendwerkhöfe, die sie nach Torgau überwiesen hatten. Bildrechte: Archiv DIZ Torgau
Jugendwerkhof Torgau, Gesamtansicht
Ein einziger Anruf aus dem Volksbildungsministerium genügt, um den Geschlossen Jugendwerkhof 1989 aufzulösen. Am 17. November 1989 werden die letzten Jugendlichen entlassen. Anschließend bauen die Angestellten die Einrichtung grundlegend um, nehmen Stacheldraht und Gitter von den Fenstern. 1996 wird das Areal von einem schwedischen Investor aufgekauft und in einen Wohnkomplex umgewandelt. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude befindet sich seit 1998 die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. Bildrechte: Archiv DIZ Torgau
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Jugendwerkhof Torgau
Bildrechte: Archiv DIZ Torgau

Der Geschlossene Jugendwerkhof in Torgau

Bildergalerie

Alltag im Jugendwerkhof Wolfersdorf

Jugendwerkhof Wolfersdorf
Im Frühjahr 1987 bekommt der Berliner Fotograf Thomas Sandberg einen sensationellen Auftrag: Für die "Neue Berliner Illustrierte" (NBI) soll er einen Jugendwerkhof besuchen und erstmals überhaupt einem größeren Publikum zeigen, was bisher hinter dicken Mauern verborgen geblieben ist. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendwerkhof Wolfersdorf
"Der Auftrag kam direkt aus dem Volksbildungsministerium", erzählt Sandberg. "Vermutlich musste Ministerin Margot Honecker persönlich ihre Einwilligung gegeben haben." Der Fotograf hat bis zu diesem Zeitpunkt keine genauen Vorstellungen von einem Jugendwerkhof. Er kennt nur die Gerüchte. Von militärischem Drill und politischer Umerziehung ist da die Rede. Er rechnet damit, eine harmlose Einrichtung gezeigt zu bekommen. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendwerkhof Wolfersdorf
Gleich nach seiner Ankunft wird er Zeuge einer heftigen Auseinandersetzung zwischen einem Erzieher und einem etwa 15-jährigen Jungen. Der Junge muss sich anschließend vor allen ausziehen, seine Sachen packen und wird in eine Arrestzelle gebracht. Es heißt, er kommt am nächsten Tag nach "Torgau". "Torgau, das ist ein Geschlossener Jugendwerkhof, ein Knast", erklären ihm die Jugendlichen. Von da an weiß Sandberg, hier wird nichts inszeniert. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendwerkhof Wolfersdorf
Der Alltag in Wolfersdorf erinnert Sandberg an seine Zeit als Soldat. Der gesamte Tag ist minutiös durchorganisiert. Es gibt Wehrsport und auf dem Weg zum Mittagessen und zur Arbeit wird marschiert. "Wenn wir den Jugendlichen zu viele Freiräume gewähren, bekommen wir nur Probleme", erklärt ihm ein Erzieher. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendlicher in seinem Bett im Jugendwerkhof Wolfersdorf
Erstaunt ist Sandberg vor allem über das Alter der Jugendlichen. Nicht wenige sind noch nicht einmal in der Pubertät, viele von ihnen wirken noch kindlich. Trotz ihrer Hyperaktivität empfindet er die Jugendlichen oft als sensibel und verletzlich. "Sie erinnerten mich an junge Wildpferde, die hier mit Gewalt domestiziert werden sollten", sagt er heute. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendwerkhof Wolfersdorf, 1987
Der Artikel mit den Fotos von Thomas Sandberg erscheint noch im gleichen Jahr unter der Überschrift "Hilfe für draußen" in der "Neuen Berliner Illustrierten (NBI)" . Obwohl die Bilder kein Idealbild des Jugendwerkhofs zeigen, werden sie nicht zensiert. Der Artikel soll im Volksbildungsministerium auf Kritik gestoßen sein. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendwerkhof Wolfersdorf
Im Frühjahr 1987 bekommt der Berliner Fotograf Thomas Sandberg einen sensationellen Auftrag: Für die "Neue Berliner Illustrierte" (NBI) soll er einen Jugendwerkhof besuchen und erstmals überhaupt einem größeren Publikum zeigen, was bisher hinter dicken Mauern verborgen geblieben ist. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendwerkhof Wolfersdorf
Die Pädagogen in Wolfersdorf scheinen sich nach Ansicht Sandsbergs tatsächlich sehr um die Jugendlichen zu kümmern. Sie versuchen etwa, ansprechende Kleidung zu beschaffen und ein interessantes Freizeitangebot anzubieten. Die psychologische Betreuung der Kinder wirkt dagegen mangelhaft. Trotz der offenkundigen seelischen Probleme vieler Insassen gibt es für die mehr als 150 Jugendlichen lediglich einen Psychologen. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendwerkhof Wolfersdorf
Zum Schulanfang haben die Lehrer kleine Zuckertüten an einen Baum gehängt. Die Jugendlichen scheinen solche Aufmerksamkeiten nicht gewohnt zu sein. "Nie wieder habe ich jemand eine Tafel Schokolade mit solcher Geschwindigkeit und Gier essen sehen", erinnert sich Sandberg. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendwerkhof Wolfersdorf
Mehrmals pro Woche finden in den Gruppen FDJ-Nachmittage statt. "Rotlichtveranstaltungen" nennen die Jugendlichen das. Viele lassen diese Nachmittage über sich ergehen. Bildrechte: Thomas Sandberg
Jugendliche bei der Pause im Jugendwerkhof Wolfersdorf
Einige Jugendliche berichten Sandberg sogar von Drogenerfahrungen. Zwar wird der Konsum von Zigaretten und Alkohol in den Heimen streng kontrolliert. Aber nachts schnüffeln viele Jugendliche heimlich Klebstoff. Ihre Drogenerfahrungen schildern sie Sandberg wie Heldengeschichten. Bildrechte: Thomas Sandberg
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Jugendwerkhof Wolfersdorf
Bildrechte: Thomas Sandberg

Alltag im Jugendwerkhof Wolfersdorf

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