Wiedereröffnung vor 35 Jahren Die Dresdner Semperoper: Auferstanden aus Ruinen

Am 13. Februar 1985 wurde die Semperoper wiedereröffnet. Als um 19 Uhr, genau vierzig Jahre nach der Zerstörung, die ersten Takte des "Freischütz" erklangen, lagen Jahre des Bangens und Hoffens hinter den Rekonstrukteuren.

Innenraum der Semperoper während des Semperopernballs.
Der Zuschauersaal der Oper: 1945 vom Feuer infolge der Luftangriffe komplett zerstört Bildrechte: dap

Mit den Luftangriffen der Alliierten auf Dresden im Februar 1945 brach nicht nur die Macht der Nationalsozialisten. Auch wurde fast alles zerstört, was die Stadt ausmachte - wie die berühmte Semperoper. Das Gebäude brannte völlig aus, die äußere Hülle blieb jedoch erhalten und wurde notdürftig gesichert. Doch zum Wiederaufbau fehlten lange die Mittel.

Wie weiter mit der zerstörten Oper?

Zudem hatte es lange Zeit so ausgesehen, dass die noch immer gut erhaltene Fassade im Stil der italienischen Hochrenaissance den sozialistischen Neuerern zum Opfer fallen würde. Denn, dass die sozialistische Stadtplanung kein Pardon kannte, wenn es darum ging, Platz für die sozialistischen Stadtzentren zu schaffen, hatte sie bereits mit der Sprengung der Leipziger Universitätskirche und dem Abriss des Berliner Schlosses bewiesen. Überraschend wurde die Semperoper in den 1970er-Jahren aber zum erstrangigen Objekt der Denkmalpflege erklärt. 1976 gab die SED die Direktive zum Bau.

Wiederaufbau in der DDR, 1976-1986 Auferstanden aus Ruinen: Die Semperoper

Auch wenn es bald heißt: "Auferstanden aus Ruinen": 1976 erst gibt die SED die Direktive zum Wiederaufbau der Semperoper. 1985, 40 Jahre nach der Zerstörung, ist es so weit.

Semperoper, Schlüsselübergabe 1985
13. Februar 1985 – 40 Jahre nach der Zerstörung – ist es so weit: Bei eisiger Kälte, Minus 14 Grad, harren zehntausende Dresdner auf dem Theaterplatz aus, um die Einweihung der wiederaufgebauten Semperoper mitzuerleben. Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / Foto: M. Rank
Architekt Wolfgang Hänsch im Gespräch mit  Dirigent Karl Böhm und Horst Seeger, Intendant der Semperoper 1979-1983
1976 erst gibt die SED die Direktive zum Wiederaufbau. Erste Pläne zielen auf einen modernen Zuschauersaal mit besseren Sichtverhältnissen. Schließlich soll doch der Semper-Prachtbau unter Leitung des Architekten Wolfgang Hänsch (l.) rekonstruiert werden. Hier im Gespräch mit Dirigent Karl Böhm und Horst Seeger, Intendant der Semperoper 1979-1983. Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / Foto: M. Rank
Die zerstörte Semperoper, 1945, Blick auf die Bühne
Das Bild, das sich 1945 von der Bühne bietet. Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / Foto: Werner Frost / HA
Ausmalung der Decke im Vestibül der Semperoper, 1980
Ausmalung der Decke im Vestibül der Semperoper, 1980 Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / Foto: E.Döring
Richtfest für die Semperoper, 25.09.1981
Richtfest für die Semperoper, 25.09.1981 Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater
Semperoper, Schlüsselübergabe 1985
13. Februar 1985 – 40 Jahre nach der Zerstörung – ist es so weit: Bei eisiger Kälte, Minus 14 Grad, harren zehntausende Dresdner auf dem Theaterplatz aus, um die Einweihung der wiederaufgebauten Semperoper mitzuerleben. Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / Foto: M. Rank
Hans Modrow (rechts) zeigt westdeutschen Politikern, u.a. Gerhard Schröder - zu diesem Zeitpunkt SPD-Bezirkschef von Hannover - die rennovierte Semperoper. In der Mitte Peter Struck - zu diesem Zeitpunkt SPD-Bundestagsabgeordneter
Hans Modrow (rechts) zeigt westdeutschen Politikern, u.a. Gerhard Schröder - zu diesem Zeitpunkt SPD-Bezirkschef von Hannover - die rennovierte Semperoper. In der Mitte Peter Struck - zu diesem Zeitpunkt SPD-Bundestagsabgeordneter. Bildrechte: IMAGO
Die zerstörte Semperoper im August 1954, Rundgang
Die zerstörte Semperoper im August 1954, Rundgang Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / Foto: Werner Frost / HA
Blick auf das Bühnenportal der Semperoper, 29.06.1977
Blick auf das Bühnenportal der Semperoper, 29.06.1977 Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / Foto: E.Döring
Grundsteinlegung zum Wiederaufbau der Semperoper, 24.06.1977
Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater
Blick in den zerstörten Zuschauerraum der Semperoper, Baustelle 1978
Blick in den zerstörten Zuschauerraum der Semperoper, Baustelle 1978 Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / Foto: E.Döring
Akustikprobe in der Semperoper, 26./28. März 1985
Akustikprobe in der Semperoper, 26./28. März 1985 Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / Foto: E.Döring
Künstlerdemonstration Dresden 19.11.1989
Wendezeiten: Künstlerdemonstration in Dresden 19.11.1989 Bildrechte: Historisches Archiv der Sächsischen Staatstheater / HL Böhme
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NVA-Soldaten bei der Akustikprobe

Der Aufbau gestaltete sich schwieriger und teurer als erwartet: Die SED-Direktive erschloss zwar ausreichendes Material, Fachkräfte wie Marmoriere und Stuckgießer waren in der auf billiges und schnelles Bauen ausgerichteten Wirtschaft aber nur schwer zu finden.

Hans Modrow (rechts) zeigt westdeutschen Politikern, u.a. Gerhard Schröder - zu diesem Zeitpunkt SPD-Bezirkschef von Hannover - die rennovierte Semperoper. In der Mitte Peter Struck - zu diesem Zeitpunkt SPD-Bundestagsabgeordneter
Dresdens SED-Chef Hans Modrow (rechts) zeigt einer SPD-Delegation 1985 die Semperoper. Links im Bild Gerhard Schröder (damals SPD-Bezirkschef von Hannover), in der Mitte der Bundestagsabgeordnete Peter Struck. Bildrechte: IMAGO

Daneben waren die Originalpläne der Oper verschollen. Die Rekonstrukteure mussten sich an alten Rechnungen, Zeichnungen und Fotos orientieren. Fachleute untersuchten andere Semperbauten, um Informationen zu erschließen. Nach Abschluss der Innenarbeiten nahm auf den roten Samtbezügen der Sitzplätze zuerst die NVA Platz. Diszipliniert stillsitzende Soldaten waren erforderlich, um die Akustik des von Richard Strauss wegen seines einzigartigen Klanges als "Wunderharfe" gelobten Konzertsaales zu testen.

"Symbol des Friedens"

Zum 40. Jahrestag der Zerstörung Dresdens wurde die Semperoper als "Symbol des Friedens" feierlich wiedereröffnet. Bei eisiger Kälte, Minus 14 Grad, harrten zehntausende Dresdner auf dem Theaterplatz aus, um die Einweihung der wiederaufgebauten Semperoper mitzuerleben. Zur Aufführung kam Carl Maria von Webers "Freischütz", das letzte Stück, das vor der Schließung der Oper am 31. August 1944 gezeigt worden war.

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV in "Entdecke den Osten" 04.02.2020 | 21:00 Uhr