Blick auf den Anlagenkomplex des Internationales Kinderzentrums Artek.
Bildrechte: dpa

Artek - größtes Ferienlager der Welt

Das "Allunions-Ferienlager Artek" auf der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer war eine Legende: Kinder aus 60 Nationen verbrachten in der größten Pionierrepublik der Welt ihre Ferien.

Blick auf den Anlagenkomplex des Internationales Kinderzentrums Artek.
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Das einstmals größte Kinderferienlager der Welt befand sich auf der Halbinsel Krim, in der Nähe des berühmten Kurortes Jalta. Sieben Kilometer zog es sich an der Schwarzmeerküste entlang, insgesamt umfasste es eine Fläche von knapp fünf Quadratkilometern.

Ein Lager wie eine kleine Stadt

Neben den in der hügeligen Küstenlandschaft verstreuten Unterkünften mit 25.000 Betten gab es im "Artek" Kinos, Cafés, Schulen, ein Krankenhaus, ein Rundfunk- und ein Filmstudio, Museen und Musikpavillons, Schwimmbäder und ein Zentralstadion mit 10.000 Plätzen. Es war eine eigene kleine Stadt, in der über die Jahrzehnte knapp drei Millionen sowjetischer Kinder ihre Ferien verbrachten. Zehntausende aber kamen auch aus dem Ausland hierher, aus immerhin 60 verschiedenen Ländern – aus den USA und Australien, aus Japan und Mosambik, aus Rumänien und der DDR.

Am Anfang ein Zeltlager

Begonnen hatte alles im Juni 1925, als die sowjetische Pionierorganisation "Wladimir Iljitsch Lenin" auf der Halbinsel Krim ein "Allunions-Erholungslager für Kinder" errichtete. Ein schlichtes Zeltlager zunächst, im dem sich ausschließlich Kinder erholen sollten, die an Tuberkulose erkrankt waren. In den folgenden Jahrzehnten wurde "Artek" schließlich zum Ferienlager und Prestigeobjekt ausgebaut. Aufgrund des milden Klimas konnte das Ferienlager sogar ganzjährig belegt werden.

"Leichte, bunte und transparente Architektur"

Die wichtigsten architektonischen Veränderungen erfolgten gegen Ende der 50er-Jahre. Das Ferienlager wurde damals noch einmal enorm ausgebaut. Es war die Zeit des sogenannten "Tauwetters" nach Stalins Tod und diese Periode der Lockerung und relativen Freizügigkeit in der Sowjetunion schrieb sich auch in die Architektur der Bauten ein. Als "leicht, bunt und transparent" bezeichnet sie der Mannheimer Kunsthistoriker Arne Winkelmann. Für ihn ist "Artek" eine Anlage von "epochaler Bedeutung".

Auszeichnung für Klassenbeste

Ferien im Lager "Artek" verbringen zu dürfen, galt damals als hohe Auszeichnung für Klassenbeste und Schüler mit zweifelsfreier politischer Gesinnung. Auch die Pioniere aus der DDR, die jedes Jahr im Juli und August von der zentralen Pionierorganisation "Ernst Thälmann" auf die Krim delegiert wurden, waren quasi handverlesen. "Zwanzig Pioniere aus der DDR kamen jedes Jahr in unser wunderschönes Ferienlager", erinnert sich Wjatscheslaw Stribuk, der die jungen Gäste aus der DDR zwanzig Jahre lang betreute, "Sie badeten, lagen in der Sonne, trieben Sport oder machten Ausflüge".

Militärischer Drill bei mildem Klima

Kinder beim Morgenappell im Ferienlager Artek auf der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim
Kinder beim Morgenappell im Ferienlager Artek auf der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim Bildrechte: dpa

Berühmt-berüchtigt war "Artek" aber stets für seinen fast militärischen Drill gewesen. Neben dem obligaten Morgenappell in Pionieruniform und Halstuch gab es Aufmärsche zu jeder sich bietenden Gelegenheit und jede Menge politischer Schulungen. Das war der Preis für drei Wochen Ferienspaß im milden Klima der Krim. Immerhin wurden diese politischen Schulungen zuweilen von illustren Persönlichkeiten abgehalten, die mit ihren Kindern gerade selbst Urlaub im Lager machten. Fidel Castro, Indira Gandhi, Kaiser Haile Selassie von Äthiopien zählten ebenso dazu wie die Kosmonauten Juri Gagarin und Valentina Tereschkowa.

"Artek" ist Geschichte

Nach dem Ende der UdSSR sank auch der Stern des "Allunionsferienlagers Artek". Pionierferienlager fand die Jugend nicht mehr "cool". Zuletzt kamen nur noch knapp 10.000 Gäste, vorwiegend aus der Ukraine und aus Sibirien. Zu wenige, um den riesigen Komplex mit seinen knapp 2.000 Mitarbeitern langfristig kostendeckend zu unterhalten. Im Januar 2009 musste das Lager schließlich aus finanziellen Gründen geschlossen werden. Da die ukrainische Regierung das Feriendorf aber wenig später in den Status einer Vorbereitungsstätte für die Olympischen Spiele 2014 erhob, besteht noch Hoffnung für den Erhalt der einzigartigen Anlage.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: "Soljanka & Subbotnik - Was uns die Sowjetunion hinterlassen hat" 19.11. und 26.11.2016 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2009, 11:57 Uhr