Sechs verschiedene Ausschnitte aus dem DDR-Kinderfernsehen: Adi in Machs mit machs nach machs besser, Pittiplatsch aus dem Märchenland, Gixgax, Brummkreisel, Mibil und Ellentie
Bildrechte: DRA / Fernsehen der DDR

Märchen und Trickfilme auf Weltniveau Das Kinderfernsehen in der DDR

Vor 60 Jahren ist im DDR-Fernsehen der beliebte "Abendgruß" auf Sendung gegangen. Das DFF-Programm für die Kleinsten, vom Märchen bis zum Trickfilm, hatte Weltniveau. Das Jugendfernsehen, für das etwas ältere Publikum bestimmt, litt dagegen unter dem politischen Auftrag und fand nur wenig Zuspruch. Nur die Jugendsendung "Elf99", die ab September 1989 lief, erreichte wirklich die Zielgruppe.

Sechs verschiedene Ausschnitte aus dem DDR-Kinderfernsehen: Adi in Machs mit machs nach machs besser, Pittiplatsch aus dem Märchenland, Gixgax, Brummkreisel, Mibil und Ellentie
Bildrechte: DRA / Fernsehen der DDR

Das Kinderfernsehen wurde 1954 durch die Einrichtung einer eigenen Redaktion fester Bestandteil des Programmangebots im DDR-Fernsehen. Anfangs wurde nur sonntags etwas für die jüngsten Zuschauer geboten, aber schon 1956 gab es Kinderfernsehen an fünf Sendetagen. Produziert wurde für zwei Zielgruppen: die Kinder bis neun Jahre und die 10- bis 13-Jährigen.

Ein erster Renner im Kinderprogramm war seit 1956 "Meister Nadelöhr", eine Kunstfigur abgeleitet aus dem Märchen "Das tapfere Schneiderlein" und dargestellt von dem jungen Schauspieler Eckart Friedrichson. Er sollte die Kinder vor allem mit Märchen unterhalten. Er sang Lieder oder zeigte kleine Filme. Aber in seiner Sendung "Märchenland" traten auch Puppen auf, die ganz unterschiedliche Charaktere darstellten. 1962 kam der kleine Kobold Pittiplatsch als neue Figur hinzu. Er riskierte auch schon mal kesse Sprüche. Besorgte Pädagogen ließen ihn deshalb nach zwei Auftritten im "Märchenland" aus dem Programm entfernen, was aber republikweit zu Protesten bei den Kleinen führte, wie die Zuschauerpost belegt. So schaffte er es Weihnachten 1962 wieder ins Programm, wenn auch weniger frech.

Abendgruß und Sandmann

Programmschema des DDR-Kinderfernsehens Montags bis donnerstags
Programmschema des DDR-Kinderfernsehens Montags bis donnerstags Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der größte Publikumserfolg war aber dem "Abendgruß" beschieden, der am 8. Oktober 1958 erstmalig ausgestrahlt wurde. Richtig beliebt wurde die Sendung vor allem durch die Figur des Sandmanns, der ein gutes Jahr später, am 22. November 1959, seinen ersten Auftritt hatte. Die Idee, eine Sandmannpuppe als Trickfilmfigur zu entwickeln, war kurzfristig entstanden und wurde innerhalb von drei Wochen im Herbst 1959 umgesetzt. Die Ost-Berliner Fernsehmacher wollten ganz bewusst ein ähnliches Vorhaben des Senders Freies Berlin (SFB), von dem sie Wind bekommen hatten, überholen. Der Sandmann bildete die Rahmenhandlung des Abendgrußes, zwischen Einleitung und Verabschiedung mit dem Verstreuen des Traumsandes wurden Geschichten mit unterschiedlichen Figuren gezeigt. So tauchten auch "Schnatterinchen", "Pittiplatsch" und andere Figuren aus dem "Märchenland" immer wieder im Abendgruß auf.

Der Sandmann mit Zipfelmütze und Spitzbart wurde schnell zum absoluten Kinderliebling. Hin und wieder musste er auch im Dienste der Staatsideologie mit einem Panzer anrücken oder den Jahrestag der DDR vor dem nachgebauten Palast der Republik feiern, solche politischen Eingriffe waren aber eher selten.

Kinderfernsehen – da war die DDR Spitze

In puncto Programmideen für die Kleinsten war das DDR-Fernsehen anerkannt gut. "Hier hatte die DDR ein Niveau erreicht, das sich an Weltstandards messen lassen konnte, ähnlich wie in der Kinderliteratur", sagt Reinhold Viehoff, Herausgeber des Kompendiums "Deutsches Fernsehen Ost". Besonders hochwertig waren die Märchenfilme, die seit den 70er-Jahren produziert wurden. Dabei setzte das Fernsehen die bekannten Schauspieler des Landes wie Rolf Hoppe, Fred Delmare oder Katharina Thalbach ein.

Fernsehen mit politischem Auftrag

Offiziell hatte das Kinderfernsehen einen eindeutigen politischen Auftrag, der noch Anfang der 70er-Jahre so formuliert wurde: "Entsprechend den Leitlinien des Deutschen Fernsehfunks hat das Kinderfernsehen innerhalb des Gesamtprogramms dazu beizutragen, dass sich die Mädchen und Jungen einen festen Klassenstandpunkt aneignen, ihre ganze Persönlichkeit, ihr Wissen und Können, Fühlen, Wollen und Handeln für den Sozialismus, für die allseitige Stärkung der DDR einzusetzen und ein von Optimismus, Freude und Frohsinn erfülltes Leben zu führen."

Fernsehen für die Kleinen

Meister Nadelöhr, Pittiplatsch der Liebe, Schnattchen und der Sandmann: Die Kleinen in der DDR liebten die Puppenwelt des DDR-Kinderfernsehens. Das natürlich auch Weihnachten immer mit von der Partie war.

Die DDR-Kinderfernseh-Figur "Meister Nadelöhr", dargestellt von Schauspieler Ekkehard Friedrichson, mit zwei Jungen
Meister Nadelöhr In Anlehnung an "Das tapfere Schneiderlein" wurde Mitte der 50er Jahre die Kunstfigur des "Meister Nadelöhr" entwickelt, der seine überdimensionale Zauber-Elle dann auch schon mal als Gitarre nutzen konnte. Eckart Friedrichsohn vom Deutschen Theater, damals 26 Jahre alt, spielte diese Rolle bis zu seinem Tod 1976. Anfangs hieß die Sendung "Meister Nadelöhr erzählt Märchen". Später wurde sie umbenannt in "Zu Besuch im Märchenland". "Meister Nadelöhr" erzählte Märchen, oder sang ein Lied. Später hatte Meister Nadelöhr auch einen festen Platz im "Abendgruß". Bildrechte: dpa
DDR Kinderfernsehen Spielhaus
Ein Bewohner des Spielhauses: Schlapperplapper In jeweils 30 Minuten erlebten Figuren wie der skeptische "Schlapperplapper" oder auch "Knollo", der schon mal Explosionen hervorrief, amüsante Abenteuer. Ab und zu war das Leben und Treiben im "Spielhaus" auch in den Abendgrüßen zu sehen. Bildrechte: DRA/Fernsehen der DDR
Logo von Gix-Gax
GIX-GAX Hierbei handelte es sich um eine Spielsendung für Kinder ab sechs Jahren, moderiert von Uwe Karpa zusammen mit der Puppe "Witsch Watsch Wutsch". Zwei Kindergruppen aus zwei Orten traten in kleinen Spielrunden gegeneinander an. Und am Ende hieß es stets: "Und das ist kein Flax, beim nächsten Mal gibt es wieder viel GIX-GAX!" Die Kindersendung war von 1980-1985 im DDR-Fernsehen zu sehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die DDR-Kinderfernseh-Figur "Meister Nadelöhr", dargestellt von Schauspieler Ekkehard Friedrichson, mit zwei Jungen
Meister Nadelöhr In Anlehnung an "Das tapfere Schneiderlein" wurde Mitte der 50er Jahre die Kunstfigur des "Meister Nadelöhr" entwickelt, der seine überdimensionale Zauber-Elle dann auch schon mal als Gitarre nutzen konnte. Eckart Friedrichsohn vom Deutschen Theater, damals 26 Jahre alt, spielte diese Rolle bis zu seinem Tod 1976. Anfangs hieß die Sendung "Meister Nadelöhr erzählt Märchen". Später wurde sie umbenannt in "Zu Besuch im Märchenland". "Meister Nadelöhr" erzählte Märchen, oder sang ein Lied. Später hatte Meister Nadelöhr auch einen festen Platz im "Abendgruß". Bildrechte: dpa
Sandmännchen
Unser Sandmännchen Ohne den Abendgruß des DDR-Fernsehens ins Bett zu müssen, konnte einem Kind schon den Glauben an Elternliebe und eine gerechte Welt nehmen. Seit dem 22. November 1959 auf Sendung avancierte der Sandmann schnell zum Allrounder. Er kam nicht nur per Kutsche, zu Fuß, im Auto oder Segelflugzeug, sondern auch schon mal politisch korrekt während der Erntezeit im Traktor, zur Leipziger Messe und mit einem Brückenleger der NVA. Jeder Abendgruß hatte eine Gute-Nacht-Geschichte, und den DFF-Machern gelang über Jahrzehnte ein puppentechnischer Volltreffer nach dem anderen: Pittiplatsch ("ach du meine Nase") und Schnatterinchen, Frau Igel ("nuff-nuff-nuff"), Mauz und Hoppel, Moppi (der aus der Regentonne), Taddeus Punkt und Struppi, Pünktchen und Felix. Jeden Donnerstag Frau Puppendoktor Pille und am Sonntag Herr Fuchs und Frau Elster. Selbst im so genannten Zonenrandgebiet saßen die Kinder gebannt vor dem Fernseher. Die Westschweinchen Piggeldy und Fredderick hatten keine Chance. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Herr Fuchs und Frau Elster                               Schanttchen und Moppi
Frau Elster und Herr Fuchs Frau Elster und Herr Fuchs wohnten von Anfang an im Märchenwald. Als das Paar im Jahr 1957 zum ersten Mal erschien, wurden zunächst bewusst die Klischees von der diebischen Elster und dem verschlagenen Fuchs bedient. Frau Elster war neugierig, eitel und klatschsüchtig. Und natürlich erregte alles, was glänzte, ihre Aufmerksamkeit. Herr Fuchs war gefräßig und ein Besserwisser und Gernegroß.

Bis zum Schluss behielt Frau Elster ihre Leidenschaft fürs "Mühle-Spiel". Bei Herrn Fuchs hingegen kamen mit der Zeit besonders zwei Charakterzüge mehr und mehr zum Vorschein: seine Leidenschaft zum Konstruieren und seine Sehnsucht nach dem Fliegen. Zahlreiche Flugversuche endeten jedoch in einer Katastrophe und schließlich brachte es das Elsterchen endlich auf den Punkt: Vögel fliegen und Füchse laufen.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Pittiplatsch "Der Liebe", ein kleiner Kobold, und Schnatterinchen, die vorsichtige, altkluge, naseweise Ente - zwei Handpuppen aus dem DEFA-Abendgrußstudio, die mit ihren Abenteuern Generationen von Kindern aus der ehemaligen DDR begeisterten.
Pittiplatsch, der Liebe Pittiplatsch, der Liebe, hatte seinen ersten Fernsehauftritt am 17. Juni 1962. Damals sah man ihn vor allem mit Meister Nadelöhr. Zunächst waren die Pädagogen und manche Eltern gar nicht begeistert von dem frechen, kleinen Kobold. Heute lieben ihn alle. 2012 feierte er seinen 50. Geburtstag. Mehr als 1.000 Mal hat er seine Späße beim "Sandmännchen" getrieben. Seine besten Freunde sind Schnatterinchen und Moppi. Bildrechte: dpa
Clown Ferdinand am Schreibtisch
Clown Ferdinand "Clown Ferdinand", der von den beiden Tschechen Jiří Vršťala und Jindřich Polák schon in den Fünfzigern erfunden wurde, lief seit 1973 in insgesamt dreizehn pantomimischen Folgen auf den Fernsehschirmen der DDR. Er fuhr in seinem Wohnwagen, mit der markanten riesigen Sonnenblume am Revers, durch die Republik und meisterte die schwierigsten Situationen. Begleitet von Papagei Robert flog er auch mal mit einer Rakete ins All. "Clown Ferdinand" wurde später auch im Westen vom WDR ausgestrahlt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kinderhände aus Hoppla
Hoppla! Das Magazin für Kinder im Vorschulalter sollte auf unterhaltsame Art Dinge des alltäglichen Lebens vermitteln. Dabei bediente es sich kleiner Kindergeschichten oder auch kurzer Trickfilme. Zwischen den Beiträgen unterhielt "Clown Hoppla", gespielt vom Schauspieler Wolfgang Hosfeld, die Kinder mit seinen Pantomimen. Eine langjährige "Hoppla"-Sprecherin war Marianne Klussmann. Die Sendung lief von 1976-1990 alle zwei Wochen samstags und montags im Wechsel mit der Sendung "Brummkreisel". Bildrechte: Hoppla vom 16.06.1990/DRA
Logo von Machs mit, machs nach, machs besser ...
Gerhard "Adi" Adolph war eine echte Legende im DDR-Fernsehen, ein richtiger Straßenfeger. Seit 1964 lockte er einmal im Monat sonntags um 10:00 Uhr die Zuschauer zu einer einstündigen Spielshow vor die Fernseher. Schulklassen aus verschiedenen Orten traten in Schulsporthallen gegeneinander an, sollten in sportlichen, spielerischen Wettkämpfen den olympischen Gedanken fördern und den Spaß am Leistungssport entdecken. Die Mannschaften mussten sich für die im Fernsehen stattfindende Endrunde qualifizieren. Adi, selber ehemaliger erfolgreicher Leistungssportler, trat immer im Trainingsanzug auf. Bis zum Ende des DFF insgesamt 333 Mal. Dem Sieger winkte ein Pokal des Nationalen Olympischen Komitees der DDR. Bildrechte: Machs mit, machs nach, machs besser ... vom 03.07.1988/DRA
Logo von Spielhaus
Das Spielhaus Seit 1980 wurde die Puppenspielserie jeden Samstag 14:00 Uhr im Ersten Programm des DDR-Fernsehens ausgestrahlt. Acht kleine Bewohner mit ganz unterschiedlichen Charakteren rollten in einem fahrbaren Haus auf zehn Rädern durchs Land. Bildrechte: Spielhaus vom 01.09.1991/DRA
Clown Hampel mit He-du-Koffer
He Du! Diese Sendung wendete sich seit 1981 an die 10- bis 14-Jährigen. Zwei Schulklassen traten gegeneinander an und mussten Alltagsfragen beantworten. Schnitten sie schlecht ab, senkte sich eine Waage, auf den jeweiligen Seiten die Lehrer der Klassen, Stück für Stück ab, bis einer der Lehrer letztendlich in einem Wasserbecken landete. Mit Spielrunden und viel Musik wurden von verschiedenen Orten, einmal im Monat, sonntags und live, gesendet. Seit 1984 moderierte Wolfgang Lippert diese Jugendsendung. In kleinen Spielszenen tauchten außerdem die Clowns "Hampel" und "Pampel" auf. Bildrechte: He, du! vom 19.02.1989/DRA
Logo von 1-2-3-Allerlei
1-2-3 Allerlei In dieser Sendung animierte seit 1976 das kleine Hamstermädchen Pauline ihren Freund Tom (Thomas Schmitt), einen hervorragenden Schnellzeichner, immer wieder zu witzigem, unterhaltsamen Malen. Die Beiden bildeten im Kern nur den Rahmen, um die Kinder durch kleine Filme, die in die Sendung eingestreut wurden, zu unterhalten. Bildrechte: 1-2-3-Allerlei vom 13.09.1989/DRA
Logo von Brummkreisel
Brummkreisel Im "Brummkreisel", der ab 1982 jeden zweiten Samstag um 10 Uhr ausgestrahlt wurde, beschäftigten sich Joachim Kaps als "Achim" und Hans-Joachim Leschnitz als "Kunibert" auf vielfältige Weise mit den Kindern. Mal sangen sie Lieder für die Kinder am Fernsehschirm oder gemeinsam mit ihnen, mal lasen sie Geschichten vor oder zeigten Trickfilme aus Osteuropa. Einziges Dauerinventar in dem normalerweise abgedunkelten Studio war ein Puppentheaterhaus, in dem – so sagte man den Kindern - Kunibert wohnte. In der "FF Dabei" 08/1984 wird sie folgendermaßen angekündigt: "Brummkreisel: eine Sendung zum Anfassen und zum Mitmachen. Da wird gespielt, da gibts Reime und Geschichten. Die Muttersprache, die Heimat, das Arbeitsleben, Tiere, Feld und Wald sind die Themen." (Über dieses Thema berichtete der MDR auch im im Fernsehen: LexiTV | 16.03.2017 | 15:00 Uhr.) Bildrechte: Brummkreisel vom 15.10.1991/DRA
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In den Sendungen für die Kleinsten wurde dieser Auftrag allerdings in den Hintergrund gedrängt. Ganz anders war die Situation beim Jugendfernsehen, für den etwas älteren Nachwuchs. Hier wurde die Forderung nach politischer Erziehung im Sinne des Sozialismus deutlich klarer gestellt. FDJ-Blauhemden waren deshalb in den Angeboten des Jugendfernsehens nichts Ungewöhnliches. Für die Redakteure war es aus vielerlei Gründen schwierig, diesen politischen Anspruch einzulösen. Sie mussten klären: Was kommt bei der Zielgruppe an, was will man vermitteln und wer kann das leisten? Die Schwierigkeit, ein gutes jugendgemäßes Programm zu machen, zeigte sich auch schon im Umfang des Angebots. Nimmt man das Jahr 1985 als Referenz, so kommt man laut einer Studie des Zentralinstituts für Jugendforschung Leipzig auf insgesamt 580 Sendestunden Kinderprogramm, während für die Jugendlichen nur 81 Stunden angeboten wurden.

Kritik selbst aus der SED

Zu Beginn der 70er-Jahre wurde eine Reform des Jugendfernsehens angestrebt: Neue Sendeformate sollten entwickelt und der Ratgebergedanke gestärkt werden. Wichtig war den Programmmachern aber vor allem, das Angebot von Live-Sendungen auszubauen. Auch Magazine sollten das Jugendprogramm attraktiver machen. Dennoch verlor das Jugendfernsehen insbesondere in den 80er-Jahren an Zuspruch.

Joachim Herrmann, im Politbüro verantwortlich für Agitation und Propaganda, vermerkte 1988 selbstkritisch: "In den letzten Jahren sind Wirkungsverluste eingetreten, weil nicht genügend den gewachsenen gesellschaftlichen Anforderungen an das Niveau dieser Sendungen Rechnung getragen wurde." Akzeptanzprobleme zeigten sich beispielsweise beim Jugendmagazin "Rund". Gegründet wurde es nach den Weltfestspielen 1973 in Berlin. Durch eine Mischung aus Musik und Gesprächen anfangs sehr beliebt, verlor die Sendung relativ schnell in der Zuschauergunst angesichts immer propagandistischerer Gesprächsteile. So ging die Zahl der Stammzuschauer zwischen 1976 und 1982 von 42 auf 14 Prozent zurück. Trotz dieses Bemühens um politische Unverdächtigkeit durfte "Rund" auf Anweisung des Ministers für Nationale Verteidigung in den Kasernen nicht gezeigt werden. Bodo Freudl, Chefredakteur des Jugendfernsehens der DDR 1982-1987: "Der Grund dafür waren Leute mit langen Haaren in diesen Sendungen."

Das Ende des DDR-Kinderfernsehens

Mit der Friedlichen Revolution änderte sich in der DDR alles, auch die Medienlandschaft. Wichtigste Jugendendung für die letzten beiden Jahre des DFF wurde das Magazin "Elf99", die ab September 1989 freitags nachmittags ausgestrahlt wurde. In einem Mix aus Musikvideos, Sportberichten und vor allem eigenen Nachrichten gelang es der jungen Mannschaft schnell, sich eigenes Profil zu verschaffen und Zuschauer weit über die eigentliche Zielgruppe hinaus zu gewinnen.

Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik war allerdings auch die Abwicklung des DDR-Fernsehens beschlossene Sache. Weder die "Westanstalten" noch die neuen Sender im Osten waren bereit, die alten Kinderprogramme weiterzuführen. Als allerdings die Einstellung des "Sandmanns" angekündigt wurde, gab es Proteste, und zwar nicht nur im Osten sondern auch im Westen. So überlebte der "Sandmann" als einziges Format des Kinderfernsehens das Ende der DDR und wird bis heute im MDR und im RBB ausgestrahlt.

Quellen

Zitate aus

  • Wicke/Müller: Rockmusik und Politik, 1996
  • Dieter Wiedemann, Kinderfernsehen zwischen Fantasie und Pädagogik, in: Televizion 14/2001

Über dieses Thema berichtete das MDR Fernsehen auch in: LexiTV | 16.03.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 10:52 Uhr