#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 2. Oktober

1972: Jentower wird eröffnet

1972 wird in Jena das höchste Bürohochhaus Thüringens eröffnet. Der Jentower genannte Bau ist eine der sogenannten "Stadtdominanten", die historischen Stadtzentren in der DDR ein neues, sozialistisches Aussehen geben und alle anderen Gebäude überragen sollen. Ursprünglich ist das Hochhaus für die Nutzung durch das Carl-Zeiss-Kombinat geplant. Der ursprüngliche Plan des Architekten Herrmann Henselmann hatte konvex gekrümmte Fenster vorgesehen, die an die Linsen der optischen Industrie erinnern sollen. Weil die Herstellung dieser jedoch zu teuer ist, wird der Bau als schlichter Stahlbetonbau ausgeführt. Weil der Architekt auch nicht auf die speziellen Anforderungen von Zeiss achtete, wird das 144,5 Meter hohe Gebäude schließlich auch nicht an die ursprünglich angedachten Nutzer, sondern an die Friedrich-Schiller-Universität übergeben. Als diese das Gebäude 1995 verlässt, wird es als Bürogebäude weiter genutzt.

1984: DDR-Flüchtlinge stranden in Prag

1984 fliehen bereits 168 DDR-Bürgerinnen und Bürger in die Prager Botschaft der Bundesrepublik. Sie hoffen auf eine Ausreise nach Westdeutschland. Angesichts des großen Ansturms sieht sich die Regierung der Bundesrepublik jedoch dazu gezwungen, die Botschaft zu schließen. Die Flüchtlinge müssen in die DDR zurückkehren, jedoch wird ihnen die Prüfung ihrer Ausreiseanträge zugesagt. Viele dürfen die DDR später verlassen. 1989 versuchen erneut tausende DDR-Bürgerinnen und Bürger über Botschaften der Bundesrepublik in den Westen zu gelangen. Auch da wird die Prager Botschaft zum Sammelpunkt für DDR-Flüchtlinge.

1989: Montagsdemonstration in Leipzig

1989 nehmen rund 20.000 Menschen an der vierten Montagsdemonstration in Leipzig teil. Sie fordern Reformen in der DDR. Zum ersten Mal ist der Ruf "Wir sind das Volk" zu hören, der zum Slogan der Friedlichen Revolution wurde. Er ist eine Reaktion auf die Ankündigung der Einsatzkräfte "Hier spricht die Volkspolizei". Außerdem rufen die Menschen auf der Demonstration "Wir bleiben hier", "Gorbi, Gorbi!" und "Wir wollen raus!". Die Polizei schreitet schließlich gewaltsam ein und nimmt 20 Personen fest. Eine Woche später demonstrieren bereits über 70.000 Menschen in Leipzig, zwei Wochen später sind es 120.000. Auch in anderen Städten wie Dresden, Halle oder Karl-Marx-Stadt kommt es zu Massendemonstrationen.

Montagsdemonstration Leipzig 31.10.1989
Montagsdemonstration am 31.10.1989. Bildrechte: DRA

1990: Auflösung der letzten DDR-Volkskammer

1990 tagt die Volkskammer zum allerletzten Mal. Wenige Stunden vor der Deutschen Einheit löst sich das erste und einzige frei gewählte Parlament der DDR auf. Die 400 Abgeordneten der 10. Volkskammer der DDR haben damit den Auftrag, der ihnen vor 180 Tagen erteilt wurde, abgeschlossen: In 37 Arbeitssitzungen hatten sie 164 Gesetze und 93 Beschlüsse verabschiedet, um den Weg zur Deutschen Einheit zu gestalten. Da der Plenarsaal im Palast der Republik asbestbelastet ist, findet die Festsitzung im einstigen Staatsratsgebäude der DDR statt.

Danach findet ein Festakt der DDR-Regierung statt, bei dem Ludwig van Beethovens Neunte Symphonie gespielt wird. Die diplomatischen Beziehungen mit 135 Staaten enden, die ständigen Vertretungen in Ost-Berlin und Bonn werden geschlossen und die NVA aufgelöst.

Die letzte Tagung der Volkskammer der DDR 3 min
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3 min

Do 22.09.2022 17:11Uhr 02:43 min

https://www.mdr.de/geschichte/mitteldeutschland/jahrestage/video-657744.html

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1990: Das letzte Buch der DDR erscheint

Eine Minute vor Mitternacht erscheint das letzte Buch der DDR. Jan Silberschuhs "Ostberliner Treppengespräche" ist das erste Buch, das der gebürtige Weimarer Christian Ewald in seinem neu gegründeten Verlag Katzengraben-Presse herausbringt. Wenige Monate zuvor war es noch undenkbar gewesen, dass jedermann verlegt und publiziert, was ihm gefällt. Alle Druckerzeugnisse mussten von Parteiorganen genehmigt werden.

Ewald, der zuvor heimlich handgefertigte Bücher in Kleinstauflage gefertigt hatte, nutzt für die Herstellung des Buches, was er bekommen kann. So ist der Einband des auf eine Auflage von 999 Stück begrenzten Buches aus Packpapier – einem Produkt, das keiner mehr haben möchte.

Einen Tag nach Erscheinen stellt Ewald das Buch auf der Frankfurter Buchmesse aus, wo es auf großes Interesse stößt. Er erhält den "Preis der Stiftung Buchkunst" für eines der "schönsten deutschen Bücher 1990". Schließlich wird es sogar in die Kongressbibliothek in Washington aufgenommen.

1997: EU-Vertrag von Amsterdam wird unterzeichnet

1997 wird der am 07.02.1992 in Maastricht abgeschlossene EU-Vertrag zum ersten Mal geändert. Der EU-Vertrag von Amsterdam ist das Ergebnis zweijähriger Verhandlungen und tritt am 01.05.1999 in Kraft. Das eigentliche Ziel, die Union auch nach der Osterweiterung handlungsfähig zu halten, wird aber nicht zufriedenstellend erreicht.

Trotzdem werden in der Innen- und Justizpolitik beachtliche Fortschritte erzielt, vor allem bei der Visa-, Asyl-, und Einwanderungspolitik. Außerdem wird eine vertiefte polizeiliche Zusammenarbeit der EU-Staaten und die Weiterentwicklung des Europäischen Polizeiamtes Europol fixiert. Die Kompetenzen der Europäischen Gemeinschaft werden in Sachen der Umwelt-, Sozial- und Gleichstellungspolitik gestärkt, um die Bürgernähe zu verbessern. Schließlich werden auch die Rechte des Europäischen Parlaments erheblich erweitert. Der EU-Vertrag wird noch einmal 2001 und zuletzt 2007 geändert, um ihn weiter an die wechselnden geopolitischen Gegebenheiten anzupassen.

Bundesaußenminister Klaus Kinkel unterzeichnet am 2.10.1997 den EU-Reformvertrag von Amsterdam. Die Außenminister der 15 EU-Staaten würdigten das Abkommen als entscheidende Voraussetzung für die Osterweiterung der EU.
Bundesaußenminister Klaus Kinkel unterzeichnet am 2.10.1997 den EU-Reformvertrag von Amsterdam. Bildrechte: dpa

1998: "smart" kommt auf den Markt

1998 kommt das Stadtauto "smart" auf den deutschen Markt. Der zweieinhalb Meter kurze "Kleinwagen der Zukunft" wird von einem 1994 gegründeten Gemeinschaftsunternehmen der Mercedes-Benz AG und dem schweizerischen Swatch Group SA entwickelt – die Micro Compact Car AG. Das Gemeinschaftsunternehmen tauft den Kleinwagen und die Marke "smart" – eine Zusammensetzung aus den Worten swatch, mercedes und art. Seit 1988 ist die Daimler-Chrysler AG alleiniger Eigentümer der Micro Compact Car AG. 2002 nennt sich das Unternehmen in "Smart GmbH" um.

Undatiertes Werksfoto des Kleinwagens 'smart'
Der Kleinwagen "smart" kam 1998 auf den deutschen Markt. Bildrechte: dpa