#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 21. Oktober

2016: Tod von Manfred Krug

Am 21. Oktober 1989 starb der Schauspieler Manfred Krug im Alter von 79 Jahren in Berlin. Als einer der wenigen Stars war er in Ost und West beliebt. Berühmtheit erlangte er vor allem durch seine Rolle als Zimmermann im DEFA-Fim "Spur der Steine", der wegen "antisozialistischer Tendenzen" aus dem Programm genommen wurde und lange Zeit verboten war. Da sich Krug an der Petition gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann beteiligte, wurde er beruflich isoliert. Rollenangebote blieben aus und seine Konzerte wurden ohne die Angabe von Gründen abgesagt. Daraufhin fasste er den Entschluss, die DDR zu verlassen und stellte einen Ausreiseantrag, der 1977 bewilligt wurde. Bis zu seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik im Juni 1977 war Manfred Krug einer der bedeutendsten Künstler der DDR.


1989: Stasi erfasst erstmals Wunsch nach Wiedervereinigung

Ein Trabant mit der Länderkennung der DDR an der Heckscheibe
Die Länderkennung der DDR. Bildrechte: dpa

Ausgehend von Leipzig haben sich die Massenproteste für freie Wahlen, Meinungs- und Reisefreiheit auf die ganze DDR ausgeweitet. Überall forderten die Menschen das Ende des SED-Regimes und einen politischen Wandel. Laut Stasi-Berichten wurde am 21. Oktober 1989 in Plauen der Wunsch nach der Wiedervereinigung erstmals protokolliert. Auf einem Demo-Banner wurden der erste und letzte Buchstabe von "DDR" gestrichen, sodass nur das Autokennzeichen D für Deutschland übrig blieb.


1989: Helmut Kohl bestätigt Deutschlands Außengrenze

Am 21. Oktober 1989 bestätigte Bundeskanzler Helmut Kohl bei der Gedenkstunde zum 40-jährigen Bestehen des Bundes der Vertriebenen erneut den Verzicht auf alle Gebietsansprüche. Die Grenzen der Bundesrepublik und Polens waren seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges umstritten. Die Gebiete Schlesien, Ostpreußen, Westpreußen, Hinterpommern einschließlich Stettin, die zuvor zum Deutschen Reiches gehörten, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg an Polen übertragen. Mit dem deutsch-polnischen Grenzvertrag, der am 14. November 1990 unterzeichnet wurde, legten beide Staaten endgültig die bestehende Grenze, die sogenannte Oder-Neiße-Grenze, fest.

Helmut Kohl
Der "Einheitskanzler" Helmut Kohl bemühte sich im Rahmen seiner Ostpolitik um eine deutsch-polnische Aussöhnung. Bildrechte: IMAGO

1969: Willy Brandt wird Bundeskanzler

Der SPD-Politiker Willy Brandt wurde am 21. Oktober 1989 vom Bundestag zum Bundeskanzler gewählt. Mit seiner Ostpolitik entspannte er das Verhältnis zwischen Ost und West und ebnete so den Weg zur deutschen Einheit. Nach der Agentenaffäre um Günter Guillaume trat er 1974 zurück. Günter Guillaume war sein persönlicher Referent, der kurz zuvor als DDR-Spion enttarnt wurde.

Willy Brandt in Bildern

Am 6. Mai 1974 trat Willy Brandt als Bundeskanzler zurück. Sein persönlicher Referent, Günter Guillaume, war zuvor als DDR-Spion enttarnt worden. Zu den Stationen in Brandts Leben.

Willy Brandt als Student in Oslo 1934
Am 6. Mai 1974 trat Willy Brandt als Bundeskanzler zurück. Sein persönlicher Referent, Günter Guillaume, war zuvor als DDR-Spion enttarnt worden. Stationen in Brandts Leben: Er wurde am 18. Dezember 1913 unter dem Namen Herbert Frahm in Lübeck geboren. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland, emigrierte er nach Norwegen. Dort nahm er den Namen Willy Brandt an. Er studierte in Oslo Geschichte, war als Journalist und in der norwegischen Widerstandsbewegung tätig. Bildrechte: Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn
Willy Brandt als Student in Oslo 1934
Am 6. Mai 1974 trat Willy Brandt als Bundeskanzler zurück. Sein persönlicher Referent, Günter Guillaume, war zuvor als DDR-Spion enttarnt worden. Stationen in Brandts Leben: Er wurde am 18. Dezember 1913 unter dem Namen Herbert Frahm in Lübeck geboren. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland, emigrierte er nach Norwegen. Dort nahm er den Namen Willy Brandt an. Er studierte in Oslo Geschichte, war als Journalist und in der norwegischen Widerstandsbewegung tätig. Bildrechte: Archiv der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn
Willy Brandt (l.) und Willy Stoph (r.) am 19. März 1970 in Erfurt
Am 21. Oktober 1969 wird Willy Brandt vom Deutschen Bundestag zum Bundeskanzler gewählt. In der Außenpolitik strebt er eine Aussöhnung mit den östlichen Nachbarn an. Am 19. März 1970 trifft er sich mit dem Ministerpräsidenten der DDR, Willi Stoph, in Erfurt. Es ist das erste Mal, dass sich Regierungsspitzen der beiden deutschen Staaten begegnen. Brandt wurde auf seinem Weg durch die DDR von der Bevölkerung stürmisch bejubelt. Bildrechte: BStU
Bundeskanzler Willy Brandt kniet am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau, das den Helden des Ghetto-Aufstandes vom April 1943 gewidmet ist
Am 7. Dezember 1970 kniet Bundeskanzler Willy Brandt im Zentrum der polnischen Hauptstadt Warschau vor dem Mahnmal für die Opfer des Aufstandes im Warschauer Ghetto nieder: "Unter der Last der jüngsten Geschichte tat ich, was Menschen tun, wenn die Worte versagen. So gedachte ich Millionen Ermordeter." Dieses Bild geht um die Welt. Es steht für ein neues, friedfertiges Deutschland – und es steht für einen Politiker und Staatsmann, der weit über sein Land hinaus moralische Maßstäbe setzt. Am selben Tag wird der "Warschauer Vertrag" unterzeichnet, in dem die Bundesrepublik die "Oder-Neiße-Linie" als "westliche Staatsgrenze der Volksrepublik Polen" anerkennt. Bildrechte: dpa
Leonid Breschnew (li.) und Willy Brandt (re.) während ihres dreitägigen Treffens auf der Krim vom 16.-18. September 1971
Die politischen Beziehungen zwischen Willy Brandt (r.) und dem sowjetischen Parteichef Leonid Breschnew (l.) münden später sogar in eine Freundschaft. Der sowjetische Staats- und Parteichef mag den westdeutschen Kanzler so sehr, dass er ihn schließlich zu einem gemeinsamen Urlaub in sein Ferienhaus auf der Krim einlädt. Hier sehen Sie die beiden Staatsmänner während ihres dreitägigen Treffens auf der Krim im September 1971. Brandt und Breschnew pflegten seitdem einen regen Briefwechsel. Bildrechte: Wladimir Musaelian
Willy Brandt kurz vor seinem Abflug nach Treffen mit Leonid Breschnew auf der Krim 1971
Während des dreitägigen Aufenthalts sprechen Brandt und Breschnew über Abrüstung, europäische Sicherheit und das Verhältnis zwischen Bonn und Ost-Berlin. Die Gespräche dauern insgesamt mehr als 16 Stunden. Der Meinungsaustausch dient nach Brandts Worten einem "vertrauenbildenden Verständlichmachen" der jeweiligen Positionen. (Im Bild: Willy Brandt kurz vor seinem Abflug nach dem Treffen mit Leonid Breschnew auf der Krim 1971) Bildrechte: Wladimir Musaelian
Frau Aase Lionaes überreicht Willy Brandt Urkunde und Medaille des Friedens-Nobelpreises 1971
Für seine Ostpolitik, die auf Entspannung und Ausgleich mit den osteuropäischen Staaten ausgerichtet ist, erhält Willy Brandt im Dezember 1971 den Friedensnobelpreis. In der Begründung des Komitees heißt es: "Bundeskanzler Willy Brandt hat als Chef der westdeutschen Regierung und im Namen des deutschen Volkes die Hand zu einer Versöhnungspolitik zwischen alten Feindländern ausgestreckt. Er hat im Geiste des guten Willens einen hervorragenden Einsatz geleistet, um Voraussetzungen für den Frieden in Europa zu schaffen." Bildrechte: dpa
Leonid Breschnew und Willy Brandt am 17. September 1971
Im Frühjahr 1972 will die CDU/CSU-Opposition mit einem Misstrauensvotum Bundeskanzler Brandt stürzen und ihren Fraktionsvorsitzenden Rainer Barzel als Nachfolger wählen. Der sowjetische Parteichef Breschnew will Brandts Sturz um jeden Preis verhindern und schickt einen KGB-Agenten, ausgestattet mit einem Koffer voller Geld, nach Deutschland, um seinem Freund zu helfen. Bei der geheimen Abstimmung im Bundestag erreicht Rainer Barzel nicht die erforderliche Mehrheit. Willy Brandt bleibt Bundeskanzler. Heute gilt es als sicher, dass mindestens zwei Stimmen der Opposition gekauft wurden. Bildrechte: dpa
Willy Brandt und Günter Guillaume 1974  auf einem Bahngelände
Im Mai 1974 tritt Willy Brandt schließlich doch von seinem Amt als Bundeskanzler zurück. Sein persönlicher Referent, Günter Guillaume, ist als DDR-Spion enttarnt worden. In seinem Rücktrittsschreiben übernimmt Brandt die politische Verantwortung für die Fahrlässigkeiten in der Guillaume-Affäre. (Im Bild sehen Sie die Brandt (l.) und Guillaume (r.) 1974 während einer Wahlkampfreise). Bildrechte: dpa
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Willy Brandt und Günter Guillaume 1974  auf einem Bahngelände
Im Mai 1974 tritt Willy Brandt schließlich doch von seinem Amt als Bundeskanzler zurück. Sein persönlicher Referent, Günter Guillaume, ist als DDR-Spion enttarnt worden. In seinem Rücktrittsschreiben übernimmt Brandt die politische Verantwortung für die Fahrlässigkeiten in der Guillaume-Affäre. (Im Bild sehen Sie die Brandt (l.) und Guillaume (r.) 1974 während einer Wahlkampfreise).
(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR Aktuell | 18.12.2013 | 19:30 Uhr)
Bildrechte: dpa