Historische Jahrestage, Jubiläen, Ereignisse #blickzurück: 5. Juni

Marshall-Plan verkündet

1947 verkündete der US-amerikanische Außenminister George Marshall das European Recovery Program, das als Marshall-Plan bekannt wurde. Es handelte sich dabei um ein umfassendes Programm zur Wirtschaftsförderung durch die USA. Es sollte die vom Zweiten Weltkrieg geschwächten europäischen Staaten wieder aufbauen und umfasste verschiedende Hilfeleistungen, wie Kredite, Lieferungen von Rohstoff und Lebensmitteln. Gleichzeitig war es wichtiger Teil der US-amerikanischen Containment-Stategie, um den Kommunismus im Nachkriegseuropa einzudämmen. Die Sowjetunion zog sich bald aus den Verhandlungen des Programms zurück und verhinderte, dass die von ihr kontrollierten Staaten, darunter die DDR, von den US-Plänen profitierten. Bereits kurz nach Kriegsende sorgte der Marshall-Plan für innerdeutsche Spannungen: Auf eine baldige Währungsreform im Westen 1948 folgte auch eine in der Sowjetische Besatzungszone. Dies führte zu einer Verschärfung der politischen Spannungen und der Berlin-Blockade.

Baustelle mit Plakat Berliner-Not-Programm mit Marshall-Plan-Hilfe
Versprach Aufschwung und Wohlstand in Westdeutschland: Der Marshall-Plan Bildrechte: imago images/Leemage

Erster Selbstbedienungsladen der DDR

1956 eröffnete in Halle das erste Selbstbedienungsgeschäft der DDR. Der zur Konsumgenossenschaft gehörende Laden hatte eine komplett modernisierte Verkaufsfläche von 150 Quadratmetern. Fast 700 verschiedene Artikel wurden angeboten. Komplette Selbstbedienung herrschte in dem Laden trotzdem nicht. So gab es zwei Bedienungstheken, an denen Kunden Waren kaufen konnten, für die damals noch Bezugsscheine nötig waren. Noch im selben Jahr eröffnete ein weiterer Selbstbedienungsladen in Ost-Berlin. Während sich die bundesdeutsche Wirtschaft nach Kriegsende bald wieder erholte und 1949 der erste Selbstbedienungsladen in Hamburg öffnete, herrschten in der DDR nach wie vor Versorgungsengpässe. Die neu entstandenen Selbstbedienungsläden in der DDR sollten trotz Mangelwirtschaft neue Konsummöglichkeiten und wirtschaftlichen Aufschwung propagieren.

Kundinnen prüfen im Mai 1960 das Angebot in einem modern eingerichteten Selbstbedienungsladen in Wechmar in Thüringen.
Selbstbedienungsläden sollten in der DDR eine neue Ära des Konsums einläuten, wie dieser Laden in Thüringen 1960. Bildrechte: dpa

Erste Berichte über AIDS

1981 berichtete eine Fachzeitschrift der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde "Center for Disease and Control Prevention", dass eine seltene Form der Lungenentzündung ungewohnt häufig auftrete. Betroffen seien vor allem homosexuelle Männer. Forschende zogen zu dieser Zeit eine Immunschwächeerkrankung als Ursache in Betracht, die sexuell übertragbar war. Erst im Juli 1982 erhielt diese Krankheit einen eigenen Namen: das Acquired Immune Deficiency Syndrome AIDS (zu deutsch "erworbenes Immunschwächesyndrom"). Ausgelöst wird die Krankheit vom HI-Virus, dem menschlichen Immunschwäche-Virus, das 1983 entdeckt wurde. 1982 gab es den ersten bundesdeutschen AIDS-Kranken, im Jahr 1986 starb der erste DDR-Bürger an AIDS. Die DDR-Führung klärte die Bevölkerung jedoch nur unzureichend auf, Kondome waren Mangelware. Seit 1996 gibt es antivirale Medikamente, die eine HIV-Infektion in Schach halten können. In den meisten Fällen kommt es so nicht mehr zum Ausbruch von AIDS. HIV-Infizierte haben unter Therapie so eine nahezu normale Lebenserwartung. Unbehandelt führt die Infektion allerdings nach einigen Jahren zum Tod.

Fahrraddemo in Halle

1983 demonstrierten in Halle mindestens 120 Radfahrerinnen und -fahrer gegen die Umweltverschmutzung in der DDR. Zum Anlass dafür nahmen sie den Umwelttag der Vereinten Nationen am 5. Juni. Die Radfahrer trafen sich an der Hallenser Lutherkirche. Ihr Ziel waren die Chemiewerke der VEB Leuna und Buna, die sich südlich der Stadt befanden. Feuerwehr und Staatssicherheit versuchten, die Demonstration zu unterbinden. Viele Demonstrierende wurden noch in Halle verhaftet und erhielten Ordnungsstrafen von 300 bis 500 Mark. Obwohl der Umweltschutz in der DDR offiziell einen hohen Stellenwert hatte, kam es vor allem durch die Chemiekonzerne und den Braunkohleabbau zu verheerenden Umweltverschmutzungen. In den 1980er-Jahre gründeten sich in der DDR deshalb mehrere Umweltbewegungen, die jedoch von der Staatssicherheit verfolgt wurden. Lange versuchte die DDR-Regierung, das Ausmaß der Umweltschäden zu vertuschen.

Ortsschild mit Blick auf das Gelände des VEB Leuna-Werke in Leuna/Sachsen-Anhalt, 1990
Der VEB-Leunawerke südlich von Halle waren das Ziel der Demonstrierenden am Umwelttag 1983. Bildrechte: IMAGO / Heiko Feddersen