#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 23. August ...

1961: SPD-Kreisverbände in Ost-Berlin aufgelöst

1961 löste der Berliner SPD-Landesvorstand seine acht Kreisverbände in den Ost-Berliner Bezirken auf. Die SPD war in der Sowjetischen Besatzungszone 1946 mit der KPD zur SED zwangsvereinigt worden. Aufgrund eines politischen Sonderstatus durch die Allierten durfte die Partei jedoch in Ost-Berlin bestehen bleiben. Auch nach Gründung der DDR. Sie bildete gemeinsam mit der West-Berliner SPD einen Landesverband. Die Sozialdemokraten in Ost-Berlin waren allerdings massiven Restriktionen, Schikanen und Bedrohungen durch die SED ausgesetzt. Nach dem Bau der Berliner Mauer war eine gemeinsame politische Arbeit der West- und Ost-Büros nicht mehr möglich.

Zugemauerte Fenster in Häusern auf der Ostseite der Mauer in Berlin, Deutschland 1962.
Bis kurz nach dem Mauerbau ist die Berliner SPD in Ost-Berlin legal politisch tätig. Bildrechte: imago images/United Archives

1985: DDR meldet Übertritt des Verfassungsschützers Tiedge

1985 meldete der Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst (ADN) den Übertritt des westdeutschen Verfassungsschützers Hansjoachim Tiedge in die ostdeutsche Republik. Tiedge war in der Bundesrepublik zuletzt für die Enttarnung von DDR-Spitzeln zuständig gewesen. Er verriet der Stasi sein gesamtes Wissen über die westdeutsche Spionageabwehr. Sein Seitenwechsel löste einen Skandal in der Bundesrepublik aus. In der DDR wurden Agentinnen und Agenten des Verfassungsschutzes verhaftet, die durch Tiedges Informationen aufgeflogen waren.

Hansjoachim Tiedge, 1990
Hansjoachim Tiedge am 25.6.1990 im Garten seines Hauses in Ost-Berlin. Im selben Jahr flieht er in die Sowjetunion. Bildrechte: dpa

1990: Volkskammer beschließt Termin für die Deutsche Einheit

1990 beschloss die Volkskammer, dass der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 stattfinden solle. Die nur zu diesem Zweck anberaumte Sondersitzung war bereits am Vortag, dem 22. August 1990, um 21:09 Uhr eröffnet worden. Nach stundenlanger Debatte fiel die Entscheidung schließlich am Folgetag um drei Uhr nachts. Die Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl verlas das Ergebnis: "Die Volkskammer erklärt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes mit der Wirkung vom 3. Oktober 1990."

1999: Berlin wird bundesdeutscher Regierungssitz

1999 wurde Berlin bundesdeutscher Regierungssitz. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nahm seine Arbeit zunächst im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR auf. 2001 zog er in das neue Bundeskanzleramt am Reichstagsgebäude. Auch die Ministerien und der Bundestag zogen 1999 von Bonn nach Berlin. Die Verlegung in den Osten war am 20. Juni 1990 vom Bundestag beschlossen worden. Die Entscheidung war eine knappe: Noch vier Tage vor der Abstimmung ergab eine Umfrage unter den 662 Bundestagsabgeordneten, dass 267 für Berlin und 343 für Bonn sind.

Gerhard Schröder am Mittwoch im ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude in Berlin
Gerhard Schröder im ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude in Berlin. Bildrechte: dpa