Generation Wende - Uwe Schröckenbach

Uwe Schröckenbach, Jahrgang 1972, geht in Zwickau zur Schule. Im Herbst 1989 beginnt er in eine Ausbildung zum Mess- und Steuerungstechniker in einer Zwickauer Gießerei. Die Wende bringt für ihn vor allem Unsicherheit: Sein Betrieb wird von einer westdeutschen Firma übernommen, bald folgen erste Entlassungen. Auch Uwe Schröckenbachs Eltern verlieren ihre Arbeit.

Viele Teilnehmer der Sächsischen Längsschnittstudie machen ähnliche Erfahrungen. Sie stehen der deutschen Wiedervereinigung oft ablehnend gegenüber und betrachten die vielen Veränderungen mit Skepsis. Uwe Schröckenbach geht alles zu schnell: "Über Nacht wurde ja alles neu geregelt. Plötzlich gab es die DDR nicht mehr und ich habe mich gefragt: Haben wir total versagt?" Uwe Schröckenbach hat gern in der DDR gelebt, ist stolz auf seine Schulbildung und das, was seine Eltern geleistet haben. Dass dies plötzlich nichts mehr wert sein soll, frustriert ihn zutiefst. Nach Einheitsfeiern ist ihm nicht zumute, er wünscht sich ein langsameres Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten.

Als Uwe Schröckenbach nach Ende seiner Ausbildung die Kündigung bekommt, wächst seine Enttäuschung. Nach einer kurzen Zeit der Arbeitslosigkeit findet er eine neue Anstellung, arbeitet als Elektriker auf Montage. Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer, bald bleiben die Löhne aus. Uwe Schröckenbach ist erneut arbeitslos. Er vermisst die soziale Sicherheit der DDR: "Ich habe mich damals oft gefragt, wie es mir wohl in der DDR gehen würde."

Er beschließt, sich beruflich neu zu orientieren. Uwe Schröckenbach will sich sozial engagieren und beginnt eine Ausbildung zum Erzieher. Bereits während seines Zivildienstes, den er Anfang der 1990er-Jahre in einem Kinderheim leistet, spürt er, dass ihm soziale Arbeit liegt und er hier etwas bewirken kann. Heute ist er Leiter einer Kindertagesstätte in Erfurt, wo er mit seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter lebt. Von der Wiedervereinigung und der Politik ist Uwe Schröckenbach enttäuscht: "Es wurde und wird immer viel versprochen und nicht gehalten. Vor der Wahl ist leider nicht nach der Wahl."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Generation Wende | 22. Oktober 2019 | 22:05 Uhr