Polnische Journalisten fordern Ende der Nazivergleiche

Polnische Medien sind nicht gerade zimperlich, wenn es um schockierende Vergleiche mit der Nazi-Zeit geht. Alte Feindbilder werden heraufbeschworen, um deutsche und einheimische Politiker in Misskredit zu bringen. Dagegen protestieren jetzt polnische Journalisten.

Cover eines polnischen Magazins mit verschiedenen Politikern, einige in Wehrmachtsuniform.
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Dass ein Teil der polnischen Presse aus großen Kanonen gegen Deutschland schießt, hat Tradition. Immer wieder werden Analogien zum Zweiten Weltkrieg bemüht um echte oder eingebildete Ansprüche der Polen zu untermauern oder, wie man meint, "unverschämte" Äußerungen der deutschen Presse zurückzuweisen oder unliebsame Schritte der deutschen Regierung zu kritisieren.

Sorgt ein Thema ganz besonders für böses Blut, scheuen die Verleger auch nicht vor schockierenden Fotomontagen mit SS-Uniformen, Hakenkreuzen und ähnlichen Requisiten zurück - so auch nach der Verlängerung der Amtszeit des EU-Ratspräsidenten Donald Tusk, die die PiS-Regierung mit allen Mitteln verhindern wollte. Um die angebliche deutsche Dominanz in Europa zu bebildern, griff die nationalkonservative "Gazeta Polska" besonders tief in die Trickkiste. Auf ihrer Titelseite zeigte sie eine Straßenbahn mit dem Schild "Nur für deutsche Fahrgäste" mit dem davor stehenden Tusk in Wehrmachtsuniform und einer freudig lachenden Merkel. Straßenbahnen mit Abteilen nur für Deutsche hatte es während der deutschen Besatzung 1939-1945 gegeben - ein Bild, das fast jeder Pole aus Kriegsfilmen kennt.

Obwohl wir für diese schäbige Propagandakampagne, von der wir auch betroffen sind, nicht verantwortlich sind, möchten wir an Sie Worte der Entschuldigung und des Bedauerns richten.

Das war auch für einige polnischen Journalisten zu viel des Guten. In einem offenen Brief wandte sich die Journalistische Gesellschaft ("Towarzystwo Dziennikarskie") an deutsche Kollegen und Leser und bat um Entschuldigung. Die über Jahre aufgebaute deutsch-polnische Partnerschaft werden heute durch "Wellen lügnerischer, aggressiver und antideutscher Propaganda gefährdet, die von der polnischen Regierung initiiert wird und an die kommunistischen Kampagnen aus den Sechziger Jahren erinnert", schreiben sie.