Verkehrsfreigabe A 17 Dresden-Prag komplett vierspurig

Bereits vor Weihnachten 2016 ist der letzte Bauabschnitt auf der A17 Dresden-Prag feierlich übergeben worden, nur war es kurz zuvor bei einer Talbrücke zu kleinen Erdbewegungen gekommen. Eine Teilstrecke war daher nur auf zwei Spuren befahrbar. Das Provisorium ist nun vorbei sein.

Die Autobahn 17 Dresden-Prag ist jetzt komplett vierspurig. Nach Angaben der Autobahn- und Fernstraßenverwaltung der Tschechischen Republik wurden am Mittwoch zwischen den Ausfahrten Bilinka (Kilometer 52) und Řehlovice (Kilometer 64) noch Leitplanken aufgestellt und die Sicherheits- und technischen Systeme des Tunnels überprüft. Auch hatte es vor der Verkehrsfreigabe aller Spuren noch eine Notfallübung mit Rettungskräften gegeben.

Feierliche Eröffnung trotz Schwierigkeiten

Eigentlich sollte es schon zu Weihnachten 2016 freie Fahrt zwischen Dresden und Prag geben. Das Versprechen des tschechischen Verkehrsministers Dan Tok konnte jedoch nur teilweise eingelöst werden. Kurz vor der Eröffnung des letzten fehlenden Autobahnabschnitts gab es in einem geologisch schwierigen Abschnitt der neuen Trasse Erdbewegungen. An der fraglichen Stelle stehen zwei Talbrücken - je eine pro Fahrtrichtung. Die Behörden beschlossen, eine der Brücke vorerst nicht freizugeben. Aus diesem Grund stand seither auf zwei Kilometern Länge vorerst nur eine Fahrspur pro Richtung für den Verkehr zur Verfügung.

Der Sprecher der Autobahn- und Fernstraßenverwaltung, Jan Rýdl, sagte am Mittwoch, der Abschnitt sei ein kompliziertes Bauunterfangen gewesen. Man habe aber die spezifischen Probleme gelöst. Man überwache jetzt an über 100 Messpunkten die Sicherheit der Talbrücken. Bei Störungen könne man unverzüglich reagieren.

Es ist ein Bauwerk, das für eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren entworfen wurde.

Jan Rýdl Sprecher der Autobahn- und Fernstraßenverwaltung

Jahrzehntelanges Bauprojekt

An der 139 Kilometer langen Autobahn von Dresden nach Prag wird seit mehr als 25 Jahren gebaut. Die Baukosten belaufen sich auf über 2,7 Milliarden Euro. Die Fahrtzeit zwischen Dresden und Prag hat sich dank der Autobahn auf etwa eineinhalb Stunden verkürzt. Damit ist die tschechische Hauptstadt auch der sächsischen Landeshauptstadt deutlich näher gerückt. Seit Jahren wird in diesem Zusammenhang die Losung "Zum Frühstück nach Prag" bemüht.

Erdrutsch verschluckte Fahrbahn

Der letzte Bauabschnitt durch das Böhmische Mittelgebirge, der nun mit der Freigabe aller vier Fahrspuren endgültig fertiggestellt ist, gilt als besonders kompliziert und hat schon früher Probleme bereitet. Im Juli 2013 war es nach heftigen Regenfällen zu einem Erdrutsch zwischen Dobkovicky und Prackovice gekommen. Dabei wurden 500 Meter fertiggestellte Fahrbahn verschüttetet. Etwa eine halbe Million Tonnen Erdreich mussten damals abgetragen und der Hang mit Stahlseilen stabilisiert werden.

Neue Bauarbeiten angekündigt

Vor wenigen Tagen erklärte der tschechische Verkehrsminister Dan Tok, dass die Autobahnbrücken von Prackovice inzwischen für den vierspurigen Verkehr sicher sei.  Allerdings sind weitere Bauarbeiten für das kommende Jahr geplant, die den Untergrund der beiden Talbrücken weiter festigen sollen. Dann wird wieder wechselweise jeweils eine Seite der Autobahn gesperrt.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.12.2016 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 18:21 Uhr

Mehr zum Thema

Osteuropa

Karrikatur
Der tschechische Karikaturist Marek Simon scherzt: "Die gute Nachricht ist, dass sich der Bau der Autobahn D8 endlich bewegt. Die schlechte ist, dass das Geologen sagen."
Von Beginn an warnten Geologen vor den schwierigen Bedingungen des Geländes, auf dem das letzte Teilstück der A17 (in Tschechien: D8) gebaut werden soll. Dennoch begannen im November 2007 die Bauarbeiten. 2013 sorgte dann ein tagelanger Starkregen für einen Erdrutsch, der ein fast fertiges Stück Strecke verschüttete und das Projekt mehrere Monate lahmlegte.
Bildrechte: MDR/Denik/Marek Simon