Papst Johannes Paul II.
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40 Jahre Papstkult Der große Polen-Papst: Vor 40 Jahren wird Karol Wojtyla zum Papst gewählt

Der Pole Karol Wojtyla wird am 16. Oktober 1978 zum Papst Johannes Paul II. gewählt. In seiner Heimat erlebt der verstorbene Papst Kultstatus. Rund 700 Statuen erinnern in Polen an den Pontifex.

 Papst Johannes Paul II.
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Johannes Paul II. genießt in seiner polnischen Heimat Kultstatus. Polen hat sich schon viel einfallen lassen, um ihren Karol Wojtyla zu würdigen: Denkmäler, Straßennamen, Devotionalien und ein Musical. Schätzungen zufolge stehen allein in Polen rund 700 Statuen vom polnischen Pontifex.

Osteuropa

Die außergewöhnlichsten Papstfiguren von Johannes Paul II.

Enthüllung der Statue von Johannes Paul II. in Czestochowa.
Der Kult um Johannes Paul II. ist in Polen ungebrochen: Karol Wojtyla wird am 16. Oktober 1978 als erster Nichtitaliener zum Papst gewählt. Schätzungen zufolge stehen allein in Polen rund 700 Statuen von dem heiliggesprochenen Papst. Bildrechte: imago/Forum
Enthüllung der Statue von Johannes Paul II. in Czestochowa.
Der Kult um Johannes Paul II. ist in Polen ungebrochen: Karol Wojtyla wird am 16. Oktober 1978 als erster Nichtitaliener zum Papst gewählt. Schätzungen zufolge stehen allein in Polen rund 700 Statuen von dem heiliggesprochenen Papst. Bildrechte: imago/Forum
Ein Mann fotografiert die kleinste Statue von Papst Johannes Paul dem Zweiten.
Dieser "Taschenpapst" zählt mit seinen 20 Zentimetern zu der weltweit kleinsten Ausführung. Die Figur steht ebenfalls in Częstochowa. Bildrechte: imago/Eastnews
Monumentalskulptur Conversazioni für Papst Johannes Paul II.
Auch im Ausland kommt es immer mal wieder vor, dass Bildhauer beim Basteln der Papst-Statuen kein glückliches Händchen haben. Diese fünf Meter hohe Bronze-Statue steht in Rom und war vor allem kritisiert worden, weil der Kopf des Papstes unnatürlich groß und breit war. Bei der überarbeiteten Statue fällt der Umhang, der symbolisch als Schutzmantel für Bedürftige stehen soll, nun sanfter herab. Auch der Kopf entspricht so eher den menschlichen Proportionen. Bildrechte: imago/imagebroker
Statue von Johannes Paul II. und Ronald Reagan in Danzig.
Diese Bronzefigur wurde von einem Foto inspiriert, das 1987 während eines Treffens von Johannes Paul II. mit dem früheren US-Präsidenten Ronald Reagan in den USA gemacht worden war. Die zwei Statuen stehen in Danzig. Bildrechte: imago/Eastnews
Denkmal für Papst Johannes Paul II. vor der Kirche in Katowice.
Diese Art von Bildnissen ist wohl die beliebteste in Polen: Als Skulptur steht der Papst mit segnend ausgebreiteten Händen vor Kirchen und Kapellen, aber auch vor weltlichen Amtsgebäuden sowie in öffentlichen Parkanlagen. Bildrechte: imago/Eastnews
Wachsfigur von Papst Johannes Paul dem Zweiten und Stefan Wyszynski, Kardinal und Primas von Polen.
Zu guter Letzt: Im "Polonia-Wachs-Museum" in Krakau gibt es den Papst auch naturgetreu als Wachsfigur zu sehen.
(Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im TV: 28.07.2016 | 17:45 Uhr)
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Statue von Johannes Paul II. in Czestochowa.
Die Polen sind sehr stolz auf ihren Papst und das zeigen sie auch gern: Mit knapp 14 Metern Höhe steht im polnischen Pilgerort Częstochowa seit 2013 die weltweit größte Statue von Johannes Paul II. Bildrechte: imago/Eastnews
Büste von Papst Johannes Paul II. im Innenhof der Jagiellonen-Universität in Krakau.
Über die Qualität der Bildhauerkunst lässt sich allerdings streiten. Diese Papstfigur ähnelt einem Gartenzwerg und steht im Innenhof der Jagiellonen-Universität in Krakau. Sie soll an den wohl berühmtesten Studenten erinnern. Bildrechte: imago/Schöning
Statue von Papst Johannes Paul II. in Posen.
Schon zu Lebzeiten wurde Johannes Paul II. mit Denkmälern gewürdigt: Bereits 230 Statuen wurden dem Papst in seiner Amtszeit errichtet. Der charismatische und konservative Papst stand mehr als 26 Jahre an der Spitze der Katholischen Kirche. Er starb am 2. April 2005 im Alter von 84 Jahren. Bildrechte: imago/Enters
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Der Pole Karol Wojtyla wird am 16.10.1978 als erster Nichtitaliener seit mehr als 450 Jahren zum Papst gewählt und nimmt den Namen Johannes Paul II. an. Zuvor war 1522 mit dem Holländer Adriaan Daedel (Hadrian VI.) letztmals ein Nichtitaliener gewählt worden. Von seiner Wahl 1978 bis zu seinem Tod im Jahr 2005 war Karol Wojtyla 26 Jahre und fünfeinhalb Monate lang Oberhaupt der katholischen Kirche.

Für den 16. Oktober sind in Krakau große Feierlichkeiten geplant. Zum Programm zählen Konzerte, neue Ausstellungen im Johannes Paul II-Museum und am berühmten "Papstfenster" wird in Krakau Karol Wojtyla als Mosaik präsentiert.

Warum ist der Kult um die Person Johannes Paul II. so groß in Polen ? Wir haben darüber mit dem Soziologen Dr. Michał Łuczewski gesprochen.

Soziologe Dr. Michał Łuczewski
Soziologe Dr. Michał Łuczewski Bildrechte: Jakub Szymczuk

Warum wird Johannes Paul II. in Polen so verehrt?

Immer, wenn Polen, wie wir sagen, im "tiefsten Dreck" steckte, wie während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg oder im Kommunismus, gab es starke Menschen, die das Land moralisch aufgebaut haben. Für mich ist Johannes Paul II. so ein Mensch. Er hat maßgeblich zum Zusammenbruch des Kommunismus in Europa beigetragen. Deswegen wird er in Polen so verehrt.

Nach "Jesus Christ Superstar" wurde im Februar 2017 auch der polnische Papst auf der Musicalbühne als Superstar gefeiert. Warum wird ein Papst Jahre nach seinem Wirken als Kirchenoberhaupt zum Musical Held?

Es fällt auf, dass sich auch Musical-Produzenten im Pop-Bereich Gedanken machen über neue Formate und Ideen. Dieses Musical ist ein erster Versuch, die Kultfigur Johannes Paul II. auf eine "pop-kulturelle" Art und Weise zu würdigen, und nicht durch Standbilder, Stipendien oder noch eine weitere gedruckte Biographie.

Braucht man so etwas?

Die junge Generation in Polen ist bereits mit Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus aufgewachsen. Sie erinnert sich leider immer weniger an die Persönlichkeit Johannes Paul II. Das ist aus meiner Sicht ein Vorteil dieser Musicalkunst, dass die wichtigsten Charaktereigenschaften, das Leben und die Vision von Karol Wojtyła mit modernen Darstellungsformen aus dem Bereich der Pop-Kultur jungen Leute nähergebracht werden können. Musical-Produzenten suchen moderne Stücke wie z.B. "Jesus Christ Superstar" aus, um die jüngere Generation anzusprechen.

Welche Reaktionen und Gefühle ruft ein solches Musical-Stück hervor?

Musicals haben einen "Happy End"-Charakter: Es geht um Leichtigkeit, Unbeschwertheit und Unterhaltung. Die persönliche Lebensgeschichte Johannes Paul II. ist jedoch ernst und dramatisch. Deshalb denke ich, die Herausforderung wird darin bestehen, nicht nur das Leichte zu zeigen, sondern auch Emotionen, Dramatik, Ernsthaftigkeit und auch Leid, etwa nach dem frühen Tod der Mutter von Johannes Paul II. Erfahrungsgemäß schaffen große Musicals diesen Spagat zwischen Unterhaltung und Dramatik.

Finden Sie den Papstkult nicht übertrieben?

Ich finde es gut, dass in Polen große Persönlichkeiten wie Johannes Paul II. mit Denkmälern gewürdigt werden. Andere Länder können diesen Kult nicht nachvollziehen.

Würde das Musical Johannes Paul II. gefallen?

Johannes Paul II. war bekannt für seinen großen Humor. Ich denke, er würde darüber lachen und sagen: "Was macht ihr da bloß? Ihr sollt versuchen, ein besseres Leben zu führen, anstatt mir Beifall zu klatschen." Denn das hat Johannes Paul II. an seinen Landsleuten gestört, dass sie ihm immer Beifall geklatscht haben, aber nicht "zugehört" haben.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im TV: 28.07.2016 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2018, 10:10 Uhr