Die ukrainische Sängerin Jamala gewinnt in Stockholm den Eurovision Song Contest
Der Sieg der ukrainisch-tatarischen Sängerin Jamala beim Eurovision Song Contest 2016 bringt das ukrainische Fernsehen in die Bredouille. Bildrechte: IMAGO

Geldmangel und Personalquerelen Ist das ESC-Finale in Kiew gefährdet?

Leere Kassen, Verzögerungen bei den Vorbereitungen und personelle Engpässe – wenige Wochen vor dem ESC-Finale ist die Stimmung beim ukrainischen Fernsehen denkbar schlecht. 20 Schlüsselfiguren aus dem Organisationsstab traten zurück und obendrein fehlt das Geld. Pessimisten sehen das Event gefährdet.

Die ukrainische Sängerin Jamala gewinnt in Stockholm den Eurovision Song Contest
Der Sieg der ukrainisch-tatarischen Sängerin Jamala beim Eurovision Song Contest 2016 bringt das ukrainische Fernsehen in die Bredouille. Bildrechte: IMAGO

Entsprechend den ESC-Regeln wird das Finale von dem Land ausgerichtet, dessen Vertreter im Vorjahr des Song Contest gewonnen hat. Dieses Jahr wird diese Ehre Kiew zuteil, nachdem die ukrainisch-tatarische Sängerin Jamala mit dem Titel "1944" in Stockholm gewann.

Wenn der Erfolg zur Unzeit kommt …

Doch die unerwartete Ehre stellt für die von Bürgerkrieg und Wirtschaftskrise gebeutelte Ukraine offenbar eine Last dar. Das ukrainische Staatsfernsehen UA:PBC steckt mitten in einem Transformationsprozess, der nach dem Majdan eingeleitet wurde und den Sender von der Einflussnahme durch die Oligarchen unabhängig machen soll.

In dieser schwierigen Umbruchphase muss der Sender nun auch die Organisation des ESC-Finales stemmen. Allein in finanzieller Hinsicht scheint dies eine fast unlösbare Aufgabe zu sein. Der Generaldirektor des Senders, Zurab Alasania, trat bereits im November unter Verweis auf die enormen ESC-Kosten zurück. Die 17 Millionen Dollar, die eingeplant gewesen seien, hätten sich auf 32 Millionen nahezu verdoppelt, sagte Alasania. Dabei liegt das Jahresbudget des Senders bei sage und schreibe 33 Millionen Dollar.

Organisationsteam schmeißt hin

Finanzengpässe sind allerdings nicht die einzige Sorge der Ukrainer. Erst vor wenigen Tagen schmissen 20 der wichtigsten Stabsmitarbeiter hin, darunter die beiden Chefproduzenten Victoria Romanova und Oleksandr Kharebin. Auch die für Werbeverträge zuständige Handelsdirektorin Iryna Asman und der Sicherheitschef Oleksii Karaban traten zurück. Medienberichten zufolge hatten sie sich mit dem von UA:PBC eingesetzten Chef des Organisationskomitees überworfen.

Die Lage ist so ernst, dass der ukrainische Ministerpräsident Wolodymyr Hrojsman sich genötigt sah, ein Statement abzugeben. Er versicherte, das ESC-Finale sei "absolut nicht gefährdet". Doch das klingt sehr nach Wunschdenken. Die Regierung in Kiew hofft, dass das ESC-Finale die Moral der ukrainischen Gesellschaft heben wird.

ESC-Finale reißt Löcher in Haushalte

Doch die Erfahrung zeigt: Das ESC-Finale – inzwischen ein dreitägiges Fernsehereignis, das von einem Millionenpublikum in aller Welt verfolgt wird – kann das Ausrichterland ganz schön in die Bredouille bringen. Aserbaidschan zum Beispiel musste auf die geplante Modernisierung der Wasser- und Abwasserinfrastruktur im Land verzichten, um die nötigen 76 Millionen US-Dollar für die ESC-Austragung aufzutreiben. In Norwegen ging es "nur" um 37 Millionen Dollar – dafür musste das verschuldete norwegische Staatsfernsehen die Übertragungsrechte der Fußball-WM an seinen privaten Erzrivalen verkaufen.

Das diesjährige Finale des Eurovision Song Contests soll am 13. Mai stattfinden. Für Deutschland geht Levina mit dem Song "Perfect Life" an den Start.

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2017, 06:42 Uhr