Robert Gorski
Satiriker Robert Górski schlüpft in die Rolle des PiS-Vorsitzenden Jarosław Kaczyński. Bildrechte: Kabaret Moralnego Niepokoju

Interview mit Kaczyński-Darsteller Gute Zeiten für Satiriker

Eine Parodie auf die wichtigsten Politiker der regierenden PiS-Partei feiert in Polen große Erfolge. Wir haben mit dem Hauptdarsteller Robert Górski gesprochen, der darin in die Rolle Jarosław Kaczyńskis schlüpft.

Robert Gorski
Satiriker Robert Górski schlüpft in die Rolle des PiS-Vorsitzenden Jarosław Kaczyński. Bildrechte: Kabaret Moralnego Niepokoju

Ist es einfacher, die PiS-Partei vorzuführen als die Bürgerplattform, die zuvor regiert hatte?

Das politische Geschehen ist mit Sicherheit dynamischer und dichter geworden. Ich kann mich an die Zeit erinnern, als ich Tusk parodierte: Das war eine Zeit der Entschleunigung in der Politik, es passierte wenig Aufsehenerregendes, es gab keine spektakulären Wenden. Ab und zu gab es vielleicht einen Skandal, der aber gekonnt unter den Teppich gekehrt wurde. Die Politik hatte damals nicht so polarisiert. Die Polen waren zwar schon immer in zwei Lager gespalten, aber jetzt nimmt das nie dagewesene Ausmaße an. Und die PiS-Partei, die jetzt an der Macht ist, lässt uns keinen Augenblick Zeit, um zu verschnaufen, überrascht mit ständig neuen Ideen. Nach Meinung vieler Menschen ist die Demokratie in Gefahr. Kurzum: Die politische Situation ist reich an Ereignissen und damit auch reich an Möglichkeiten, das als Satiriker zu kommentieren.

Die polnischen Zuschauer nahmen auch verblüfft die Ähnlichkeit mit Jarosław Kaczyński wahr, insbesondere die Nachahmung bestimmter Gesten. Wie haben Sie sich auf die Rolle des Parteivorsitzenden vorbereitet?

Ehrlich gesagt, habe ich mich gar nicht besonders vorbereitet. Aber man muss natürlich sagen, es fiel mir leichter Jarosław Kaczyński als Donald Tusk zu spielen, denn Tusk hatte nicht allzu viele hervorstechende Merkmale, außer dass er das "R" nicht richtig aussprechen konnte. Die Politiker der jetzigen Regierung hingegen sind sehr herausstechende Persönlichkeiten. Vielleicht gehen markante politischen Positionen mit markanter Gestik und Mimik einher... Und was Kaczyński betrifft, konnte ich ihn zur Genüge studieren, über Jahre hinweg. Jetzt ist er fast täglich im Fernsehen zu sehen, also habe ich, haben wir Polen täglich mit ihm zu tun. Deshalb musste ich mich nicht besonders vorbereiten.

Wie hat Kaczyński auf Ihre Parodie reagiert?

Er soll bei einer privaten Vorführung Tränen gelacht haben. Ich weiß nicht, ob er über sich selbst gelacht hat oder über seine Gefolgsleute. Außerdem muss man wahrscheinlich zwischen der echten privaten Reaktionen unterscheiden und der Reaktion nach außen, für die Öffentlichkeit. Ich denke, dass man sich im Regierungslager bei der Rezeption unserer Serie auf Kleinigkeiten konzentriert hat, die relativ unwichtig sind, zum Beispiel: Wer süßt übertrieben seinen Tee, wer isst gerne Bonbons, trinkt Kaczyńskis Katze Milch oder nicht? Ich vermute, dass es ein Versuch ist, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf weniger wichtige Dinge umzulenken und von den wunden Punkten, die ich in meiner Satire anspreche, abzulenken – zum Beispiel das Zersetzen des Staates oder das rücksichtslose Vorgehen der Regierung, die keine Polemik zulässt.

Die Youtube-Videos haben bis zu sieben Millionen Aufrufe, das ist genauso viel wie die durchschnittliche Folge der beliebtesten polnischen Fernsehserie. Wie erklären Sie sich diesen enormen Zuspruch?

Die Menschen haben ein großes Bedürfnis zu lachen, um diese erdrückende Atmosphäre in unserem politischen Leben erträglicher zu machen. Denn die Luft wird mit jedem Tag dicker, die Aggressivität hat schon so ein Niveau erreicht, dass wir uns nach einem Gegengewicht sehnen, damit wir einen gnädigeren Blick aufeinander und auf die gesamte Welt werfen können. Es nimmt die Angst zu vor… ich weiß nicht… einer Art Blutvergießen oder vielleicht sogar Bürgerkrieg, vor einer Zuspitzung der Ereignisse jedenfalls. Und die Menschen haben das Bedürfnis, diesen über Gebühr aufgeblasenen Luftballon zum Platzen zu bringen.

Warum haben Sie sich fürs Internet als Forum entschieden? Warum nicht für das Fernsehen?

Wir hatten verschiedene Sender gefragt, aber überall wurde uns mehr oder weniger deutlich nahe gelegt, die Politik beiseite zu lassen, damit sie nicht das dominierende Thema wird. Alle hatten wohl Angst, Schwierigkeiten zu bekommen. Also sind wir zwangsläufig im Internet gelandet. Und jetzt stellt es sich heraus, dass es ein Volltreffer war. Jetzt wollen wir nicht mehr umziehen, obwohl es solche Angebote von verschiedenen Sendern gab, denn aufgrund der tiefen Spaltung in der polnischen Gesellschaft würde man uns immer mit der einen oder der anderen Seite des Konflikts verbinden und uns immer einen Stempel aufdrücken. Das Internet verleiht uns schöpferische Freiheit.

Warum war das Ihnen besonders wichtig?

Unsere Fernsehwelt ist klar in zwei Lager geteilt: Entweder gucke ich das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das verbissen die Opposition angreift, oder ich gucke den Privatsender TVN, der sich wiederum andauernd die regierende Partei vornimmt. Und egal wer was macht – alles ist in den Augen der jeweils anderen Seite falsch. Und unsere Serie schlägt irgendwie Brücken zwischen den beiden Lagern und verwischt ein Stück weit die scharfen Grenzen.

Diese Strategie scheint aufgegangen zu sein, Ihre Serie ist in aller Munde. Wie ist es für sie?

Das enorme Interesse hat mich überrascht – die große Anzahl von Artikeln darüber, von Interviews … Ich denke, es wird jetzt schwierig sein, dem Druck standzuhalten, denn jeder hat andere Erwartungen: Der eine sagt, ich verbessere das Image von Kaczyński, der andere sieht darin ein Sakrileg. Neulich gab es eine Pressekonferenz, es ging um ein absolut ernstes Thema – die Verteidigungspolitik – doch währenddessen wurde nach unserer Serie gefragt. Ich glaube, man schenkt uns zu viel Aufmerksamkeit, denn schließlich ist es ja nur ein Film. In einem anderen Land wäre so etwas wohl nicht möglich.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: TV | 24.07.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2017, 16:24 Uhr