HIO Tschechien Rauchen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Endlich rauchfrei - schafft Tschechien 2017 seine guten Vorsätze?

Bereits im Sommer 2016 wurde in Tschechien die Gesetzesinitiative für ein striktes Rauchverbot einstimmig von der Regierung beschlossen und mittlerweile mit einer Mehrheit vom Unterhaus im Parlament bestätigt. Stimmt der Senat, also das Oberhaus des Parlaments, ebenfalls zu, dann fällt Europas letzte Raucherbastion. Und pünktlich zum Weltnichtrauchertag im Mai, gebe es zum Bier in der tschechischen "Spelunke" keine Zigarette mehr.

HIO Tschechien Rauchen
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Bisher konnten Kneipenwirte in Tschechien noch für sich entscheiden: Raucher- oder Nichtraucherlokal, oder eine Kneipe mit getrennten Bereichen. Einzige Regel: Schilder mussten darauf hinweisen, ob geraucht werden durfte oder nicht. Und so musste der Gast wählen, hatte aber nicht immer die Wahl.

Untergang der Spelunke

Dass das Raucherverbot nun tatsächlich kommen könnte, ist auch deshalb überraschend, weil ein ähnlicher Vorstoß im Mai 2016 scheiterte. Ein lange vorbereiteter Entwurf war so verwässert worden, dass er in der Abstimmung durchfiel. Dabei hätten die Parlamentarier laut Umfragen schon damals viele Tschechen auf ihrer Seite gehabt. Denn auch wenn sich Antirauchergruppen in den sozialen Netzwerken keiner großen Beliebtheit erfreuen, laut Umfragen des tschechischen Onlineportals "idnes.cz" und der Zeitungen "Parlamentnilisty" befürworten 60 bis 80 Prozent der Tschechen ein striktes Rauchverbot in Restaurants. Laut "eXnico", einem Zentrum zum Abgewöhnen des Rauchens, sterben bei unserem Nachbarn jedes Jahr 18.000 bis 22.000 Menschen an den Folgend des Tabakkonsums.      

Jeder vierte Tscheche greift übrigens regelmäßig zur Zigarette. Und so sehen nun viele mit einem möglichen Rauchverbot auch Tschechiens Ausgehkultur untergehen. Dabei will der Online-Restaurantführer "Restuz.cz" genau das Gegenteil bemerkt haben. Denn den Raucherrestaurants liefe das Publikum weg, das zum Palatschinken eben keine Zigarette bräuchte. Nichtraucherrestaurants hätten demzufolge mehr Reservierungen über das Portal und mehr positive Bewertungen. 

Raucherbastion Tschechien

HIO Tschechien Rauchen
In vielen Kneipen in Tschechien sieht es aus wie hier in der "aida" in Prag. Rauchen ist erlaubt – und der blaue Dunst gehört für Wirte und Gäste dazu.  Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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In vielen Kneipen in Tschechien sieht es aus wie hier in der "aida" in Prag. Rauchen ist erlaubt – und der blaue Dunst gehört für Wirte und Gäste dazu.  Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
HIO Tschechien Rauchen
Aber es gibt auch Cafés, in denen schon seit jeher ein striktes Rauchverbot gilt. Weshalb die junge Frau links, vor dem Hereingehen auch selbstverständlich ihre Zigarette ausdrückt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
HIO Tschechien Rauchen
Werbung für Zigaretten ist in Tschechien allgegenwärtig. Diese sagt etwa: "Bleibst du alleine?" Doch auch in Tschechien müssen Zigarettenhersteller ihre Werbung mittlerweile mit Warnungen des Gesundheitsministeriums versehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Geschäft mit Reklame fürs Rauchen
Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch in Tschechien Tabakshops, die Zigaretten und Tabak verkaufen. Bildrechte: MDR
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Allerdings kosten die Zigaretten hier nur zwischen 72 und 90 Kronen, also um die 3 Euro. Zwar ist Tschechien durch EU-Vorgaben aus Brüssel gezwungen, die eigene Tabaksteuer schrittweise anzuheben und so dem EU-Niveau anzunähern. Aber im Moment bleiben Zigaretten in Tschechien noch billiger als bei uns. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Bisher haben Wirte und Besitzer selbst die Wahl, ob bei Ihnen geraucht werden darf  oder nicht. Diese zwei Gäste haben sich für ein Nichtraucher Café entschieden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
HIO Tschechien Rauchen
Sollte der Gesetzesentwurf Anfang 2017 auch vom tschechischen Senat gebilligt werden, müssten sich viele Tschechien umstellen: Rauchen in öffentlichen Bereichen wäre dann wie in den meisten europäischen Ländern - passé. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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In vielen Kneipen in Tschechien sieht es aus wie hier in der "aida" in Prag. Rauchen ist erlaubt – und der blaue Dunst gehört für Wirte und Gäste dazu.  Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sieg über die Tabaklobby

Nachdem der neue Anlauf, das Gesetz zu beschließen, nun Anfang Dezember 2016 die parlamentarische Hürde im Unterhaus genommen hat, freut sich der sozialdemokratische Gesundheitsminister Miloslav Ludvik: "Der Schutz der Gesundheit hat über die Lobby-Gruppen gesiegt." Und auch Ministerpräsident Bohuslav Sobotka äußert sich durchweg positiv: "Wir haben ein Signal gesendet, dass die Regierung es ernst meint, die Tschechische Republik unter die zivilisierten Länder einzureihen, die die Gesundheit ihrer Bürger schützen und dafür bereit sind, andere Interessen, etwa kommerzieller Natur, zu unterdrücken."

Tschechiens Helmut Schmidt

Ministerpräsident Milos Zeman (CZE)
Nie ohne Zigarette: Tschechiens Präsident Milos Zeman Bildrechte: IMAGO

Anders sieht es für Tschechiens Präsidenten Miloš Zeman aus, dessen Interessen nicht kommerzieller, aber persönlicher Natur sind. Zeman raucht für sein Leben gern und wird häufig mit dem Satz zitiert: "Rauchen ist das beste Mittel gegen Alzheimer. Man kann daran niemals erkranken – weil man vorher stirbt!" Und so war vielleicht auch seine Reaktion auf ein Rauchverbot vorhersehbar. "Das Gesetz ist meiner Meinung nach kompletter Unsinn." Allerdings ist sich Zeman auch bewusst, dass er in einem Interessenkonflikt steht und sagte in einem Interview mit einem privaten tschechischen Radiosender Mitte Dezember 2016: "Ich werde mein Veto nicht einlegen, nur weil ich selbst Raucher bin." So wäre auch Zemans Unterschrift fast sicher – fehlt also nur noch die des Senats.

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2017, 11:47 Uhr