Kunstgeschichte Provenienzforschung: den Biografien von Kunstobjekten auf der Spur

Viele Museen oder Archive haben Kulturgüter in ihrem Bestand, deren Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Zum Beispiel wurden zur NS-Zeit Objekte ihren rechtmäßigen Eigentümern entzogen. Auch in der DDR wurden Kunstsammler enteignet. Die Provenienzforschung will der Herkunft und der Geschichte solcher Objekte auf die Spur kommen.

esucher können mit Hilfe von Karteikarten am im Wallraf-Richartz-Museum in der Ausstellung «Provenienz Macht Geschichte» zur eigenen Provenienzforschung des Museums die Recherche zur Zeichnung «Blick über die Dächer von Schandau (1886)» von Adolph Menzel nachvollziehen.
In Museen und Archiven existieren zahlreiche Objekte, deren genaue Herkunft die Provenienzforschung erarbeiten will. Bildrechte: dpa

In Museen, Bibliotheken und Archiven lagern zahlreiche Kulturschätze. Jeder Einzelne hat seine eigene Geschichte. Genau dieser geht die Provenienzforschung auf den Grund. Sie wird auch als Herkunftsforschung bezeichnet und geht der Frage nach, wo Kunstgegenstände wie Gemälde, Statuen oder Keramiken herkommen.

Die Forscherinnen und Forscher graben allerdings tiefer: Sie wollen die menschlichen Schicksale, die sich hinter den Objekten verbergen, erfahren. Wem hat das Werk einst gehört? Wer hat es wann, warum erworben oder wem wurde es aus welchem Anlass geschenkt? Wo hat es gehangen oder wo wurde es ausgestellt? Auf all diese Fragen versuchen Provenienzforscherinnen und -forscher Antworten zu finden.

Besondere Bedeutung kommt dabei Kunstwerken zu, die in der NS-Zeit ihren Besitzer gewechselt haben. Während dieser Zeit wurden viele Kunstwerke den rechtmäßigen Eigentümern verfolgungsbedingt entzogen. Noch heute gibt es zahlreiche Objekte, meist jüdischer Herkunft, die seit dieser Zeit als verschollen gelten.  

Eine junges Forschungsfeld

Der Stiftungssitz des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste in Magdeburg.
Der Stiftungssitz des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste in Magdeburg. Bildrechte: dpa

Die Provenienzforschung in Museen und Sammlungen ist noch ein relativ junges Feld. An Bedeutung gewann sie vor allem 1998 mit der Unterzeichnung der sogenannten Washingtoner Erklärung. 44 Staaten hatten sich darauf geeinigt, während der Zeit des Nationalsozialismus entzogene Kunstwerkte ausfindig zu machen und sie den rechtmäßigen Eigentümern oder ihren Erben zurückzugeben. Die zwischen 1933 und 1945 verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgüter gingen meist in den Bestand privater oder öffentlicher Sammlungen über.  

Such- und Fundmeldungen solcher Kunstwerke werden in der öffentlichen Datenbank Lost-Art gesammelt. Die Online-Plattform wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste mit Sitz in Magdeburg betrieben. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste wurde 2015 von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden gegründet. Es versteht sich als Mittler. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten Museen, Bibliotheken und Archive. Sie vergeben zudem Fördergelder für Forschungsprojekte.

Provenienzforschung rückt weiter in den Fokus

Diese Provenienzforschung rückt seit einigen Jahren vermehrt in den Fokus. So beschäftigen immer mehr Museen hauptamtlich Provenienzforscherinnen und -forscher, die herausfinden sollen, auf welchem Weg einzelne Sammlungsstücke in ihren Bestand gelangt sind. 2015 richtete die Universität Bonn bundesweit den ersten Lehrstuhl zur Provenienzforschung ein, ebenso eine erste Juniorprofessur auf dem Gebiet.

Am 10. April 2019 wurde der erste "Tag der Provenienzforschung" begangen. Ausgerufen hatte ihn der Arbeitskreis der Provenienzforschung mit Sitz in Berlin. Mehr als 70 Kulturinstitutionen und Forschende hatten sich beteiligt und unter anderem mit Führungen, Präsentationen und Ausstellungen Einblick in ihre Arbeit gewährt, Methoden aufgezeigt, wie sie der Herkunft einzelner Objekte auf die Spur kommen, aber auch Probleme beleuchtet. Der Aktionstag soll nun jedes Jahr am zweiten Mittwoch im April stattfinden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial "Museumsschätze in Mitteldeutschland" | 17. November 2020 | 18:05 Uhr