Sa 28.05. 2022 11:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR trifft Doris Claudia Mandel

Chorleiterin, Verlegerin, Schriftstellerin

Von Angelika Zapf

Komplette Sendung

Die Komponistin Doris Claudia Mandel 43 min
Bildrechte: Doris Claudia Mandel
MDR KULTUR - Das Radio Sa, 28.05.2022 11:00 12:00
Jeder Mensch soll sein Geschlecht selbst definieren und ohne entwürdigende Hürden im Ausweis ändern lassen können. Die neue Bundesregierung plant das 40 Jahre alte Transsexuellengesetz durch ein Selbstbestimmungsgesetz zu ersetzen. Noch vor der parlamentarischen Sommerpause will sie über die entsprechenden Entwürfe im Bundestag abstimmen. Am 31. Mai, zum 10. bundesweiten Diversity-Tag 2022, von der Charta der Vielfalt ins Leben gerufen, widmet sich MDR Kultur vertiefend mit vielen Ansätzen dem Selbstbestimmungsrecht. MDR Kultur trifft zuvor Doris Claudia Mandel, die 1951 als Rüdiger Dirk Mandel in Merseburg geboren wurde und bis zur Scheidung ein Leben als Ehemann und Vater von Zwillingen führte. 1991 erfolgte der offizielle Namenswechsel, 1993 der Abschluß der sogenannten Geschlechtsangleichung. 1999 veröffentlichte Doris Claudia Mandel den Essay "Die Zähmung des Chaos. Transsexualität und Gesellschaft. Versuch einer Annäherung aus philosophischer Sicht". Eine Einlassung, der sie heute, 20 Jahre später, kritisch gegenübersteht, sich jedoch weiterhin und aus Fürsorgepflicht für die jüngere Generation mit Fragen zu Transsexualität und Selbstbestimmung in unserer Gesellschaft auseinandersetzt.

In Merseburg wurde Doris Claudia Mandel 1951 als Rüdiger Dirk Mandel geboren. Nach Abitur und Berufsausbildung zur Chemiefacharbeiterin war sie Anlagenfahrerin in der Sauerstofffabrik der Leuna-Werke. 1971 bis 1975 studierte Doris Claudia Mandel Germanistik und Musik auf Lehramt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und war bis 1978 Forschungsstudentin im Wissenschaftsbereich Literatursoziologie. Sie wurde Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren und Kandidatin des Schriftstellerverbandes der DDR, arbeitete ab 1979 als freiberufliche Schriftstellerin, Journalistin, Verlegerin und Chorleiterin. Zehn Jahre lang sang sie bei den Hallenser Madrigalisten. 1978 erhielt Doris Claudia Mandel den Preis für Chormusik des Ministeriums für Kultur der DDR, gemeinsam mit Horst Irrgang, 1987 die Ehrennadel des Ministeriums für Volksbildung der DDR für Verdienste im sozialistischen Bildungswesen. Von 1980 bis 2001 übernahm sie die künstlerische Leitung des Kammerchores Leuna mit einer unfreiwilligen einjährigen Unterbrechung in den Jahren 1989/ 1990. Da verkaufte Doris Claudia Mandel Zeitungen bei der Deutschen Post. Danach folgte eine freie Mitarbeit am "Halle Journal"und einem Dessauer Wochenblatt. 1991 gründete sie in Merseburg eine eigene Wochenzeitschrift, den "Merseburger Anzeiger" und stand ihr als Chefredakteurin vor. Von 1994 bis 1997 war Doris Claudia Mandel Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit am Künstlerhaus in Halle. In dieser Zeit initiierte sie die Gründung des "projekte verlags 188", gemeinsam mit Konrad Potthoff und Jürgen Jankofsky und gründete später noch zwei eigene Verlage, die nicht mehr existieren. 1997 wurde sie Endrundenteilnehmerin beim Literaturwettbewerb des Mitteldeutschen Rundfunks. 1999 bis 2000 war Doris Claudia Mandel Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit beim Förderverein für Frauen in Sachsen-Anhalt, von 1998 bis 2014 Mitglied im Förderkreis der Schriftsteller in Sachsen-Anhalt. Von 2002 bis 2003 hatte sie das Amt der Stadtschreiberin von Halle inne. 2008 erhielt Doris Claudia Mandel ein Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt. Im selben Jahr wurde sie zweite Preisträgerin beim Landespreis für Volkstheaterstücke Baden-Württemberg. Während der Corona-Pandemie folgte Doris Claudia Mandel im Herbst 2020 dem Kompositionsaufruf von MDR Klassik. Ihre Mikrokomposition gehörte zu den 30 ausgewählten, die im Radio und Internet zur Aufführung kamen. 2021 erhielt sie den ersten Preis beim VIII. Internationalen Kompositionswettbewerb für Chöre "Opus Ignotum" in der Kategorie "Kinder bis 18 Jahre". Derzeit arbeitet sie an zwei Romanen.