Mi 12.07. 2017 22:00Uhr 60:00 min

MDR KULTUR - Feature Die geheimen Isolierungslager der DDR

Von Patrick H. Waldthaler

Komplette Sendung

Stacheldraht 66 min
Bildrechte: Colourbox.de
MDR KULTUR - Das Radio Mi, 12.07.2017 22:00 23:00
(Erstsendung)

Noch im Herbst 1989 wollte die SED-Führung 85.939 Bürger der DDR in Lager sperren. Jedenfalls hatte sie das Ministerium für Staatssicherheit mit konkreten Planungen beauftragt, Oppositionelle, Kirchenvertreter, Künstler, Nichtwähler, Menschen mit "West-Verbindungen" oder solche, die "aus der SED ausgeschlossen wurden bzw. aus Blockparteien ausgetreten sind", im Fall "einer inneren Krise, einer Spannungsperiode oder im Verteidigungszustand" binnen vierundzwanzig Stunden konspirativ zu verhaften und in speziell vorbereitete Objekte zu verbringen - in Burgen, Schulungsheime oder mitunter sogar in Ferienlager.

Diese wiederum sollten mit Stacheldraht und Wachtürmen umgeben und so das ganze Land mit Isolierungslagern überzogen werden. 0,50 Mark der DDR sollte der tägliche Verpflegungssatz pro Insasse betragen.

Der Publizist Thomas Auerbach hat mit seinen Forschungen zu Honeckers und Mielkes "geheimer Kommandosache 1/67" begonnen, Licht in die wenig bekannte Materie zu bringen. Oder auch Reinhard Köhler, der in Thüringen Objekte ergründet, die als Isolierungslager vorgesehen waren.

Viele der Dokumente hierzu sind vernichtet worden. Und möglicherweise wären diese Lager-Pläne völlig unerkannt geblieben, wären nicht zum Jahreswechsel 1989/1990 wichtige Stasi-Zentralen von mutigen Bürgerechtlern gestürmt und besetzt worden - zuerst in Erfurt, später dann in Leipzig, Jena, Wernigerode und Berlin.

Regie: Wolfgang Rindfleisch
Produktion: MDR 2015