191. Sitzung | 3. Februar 2020 Wesentliche Ergebnisse aus der Sitzung des Rundfunkrates des Mitteldeutschen Rundfunks

Bericht der Rundfunkratsvorsitzenden

Die Rundfunkratsvorsitzende Prof. Dr. Gabriele Schade berichtete von einem Vortrag an der TU Ilmenau, den sie am 8. Januar 2020 unter dem Titel: "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und seine Kontrolle am Beispiel des MDR" gehalten habe. Dabei seien Masterstudierende der Studiengänge Medienwirtschaft, Medienwissenschaft, Informatik und Medientechnologie anwesend gewesen.

Der stellvertretende Rundfunkratsvorsitzende Steffen Flath resümierte die Veranstaltung zum MDR-Jahresauftakt am 27. Januar 2020 unter dem Thema des publizistischen Leitgedankens des MDR 2020 "Miteinander Leben". Es sei die richtige Weichenstellung am Beginn eines Jahres langfristige Leitgedanken als Kompass zu haben. Nachdem der MDR im vergangenen Jahr den Leitgedanken "Es geht um Demokratie" sehr gut umgesetzt habe, sei dies nun eine weitere publizistische Linie, die inhaltlich zu gelingen verspreche.

Zu Gast war unter anderem Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der mit Bürgerräten aus dem Projekt "Bürgerrat Demokratie" ins Gespräch gekommen war. Unter dem Motto "Miteinander reden" tauschten sich die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und Thüringen, Reiner Haseloff und Bodo Ramelow, sowie der Sächsische Staatsminister und Chef der Staatskanzlei Oliver Schenk mit MDR-Intendantin Karola Wille zu wichtigen Fragen der Zeit aus.

Bericht der Intendantin

Die Intendantin berichtet eingangs ihres Berichts vom publizistischem Leitgedanken des MDR für das Jahr 2020 und dem Schwerpunkt für die Angebote unter dem Titel "Miteinander Leben". Dies sei die Antwort des MDR für eine noch stärkere Abbildung der vielfältiger gewordenen Gesellschaft, die auch Konflikte berge, die Vielfalt von zuverlässigen Informationen und pluralistischen Meinungen, von unterschiedlichen Erfahrungen, Lebensweisen und Werthaltungen.

Noch mehr Diversität in den Themen und Perspektiven aber auch in den Redaktionen sei für den MDR zu einer wichtigen Aufgabe geworden. Wichtig sei es, den Gemeinwohlbeitrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in die digitale Welt zu übersetzen. Der MDR habe bei seinem Jahresauftakt am 27.01.2020 in Leipzig vor mehr als 250 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den publizistischen Leitgedanken vorgestellt.

Danach berichtet die Intendantin von der Gründung einer neuen Firma, deren Gesellschafter der MDR und ZDF Digital seien. Das Unternehmen mit dem Namen "ida" solle eine Innovations- und Digitalagentur sein. Mit "ida" sollten die Kompetenzen und Ressourcen effizient gebündelt werden, um den Entwicklungsprozess neuer digitaler Angebote für ihre Nutzerinnen und Nutzer noch dynamischer voranzutreiben. Das Unternehmen solle in diesem Jahr in Leipzig starten und im 2. Halbjahr eine Dependance in Erfurt bekommen.

Die Intendantin informiert über eine Mitte Januar 2020 veröffentlichte gemeinsame Erklärung der Produzentinnen und Produzenten in Mitteldeutschland und des MDR. Diese Erklärung des MDR, des Mitteldeutsche Film- und Fernsehproduzenten Verband (MffV) und des Filmverbandes Sachsen (FVS) sei ein Plädoyer für eine Stärkung der Programmqualität und eine vielfältige Produzierendenlandschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Sie bekräftigt das gemeinsame Interesse, das im Zusammenwirken von Rundfunkanstalt, Produzierenden und Fachkräfteentwicklung der mitteldeutsche Standort positiv weiterentwickelt werde.

Der MDR treffe sich regelmäßig, in der Regel einmal im Jahr, mit den Behindertenverbänden. Im vergangenen Jahr habe man beim Thema Barrierefreiheit viel erreicht und zahlreiche neue Angebote für noch mehr barrierefreie und gemeinwohlorientierte Programmvielfalt entwickelt.

Damit habe man bei Untertitelung, Gebärdensprache als auch Audiodeskription im bundesweiten Vergleich der Landesrundfunkanstalten das umfassendste Angebot.

Das Spitzentreffen mit den Behindertenverbänden habe Ende Januar in Leipzig stattgefunden, um den gemeinsame Dialog und die Entwicklung und Etablierung neuer programmbegleitender Technologien für Menschen mit Behinderungen zu stärken.

Die Intendantin berichtet zudem aus der ARD. Der WDR habe am 1.1.2020 den ARD-Vorsitz übernommen. Der neue ARD-Vorsitzende, Herr Buhrow, habe als Schwerpunkte u.a. die Fortsetzung der ARD-Strukturreform und eine Stärkung von Gemeinschaftseinrichtungen im Osten Deutschlands bekräftigt.

Zudem gehe es um eine Stärkung der ARD-Mediathek, den internen Finanzausgleich der ARD und der erwarteten KEF-Empfehlung für die Jahre 2021 bis 2024. Frau Prof. Wille betont als gemeinsame Aufgabe des ARD-Senderverbundes, den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland zu stärken.

Auf Nachfrage von Rundfunkratsmitgliedern informierte die Intendantin und der Programmdirektor Leipzig u.a. zum aktuellen Stand der geplanten Übertragung des Semperopernballs.

Bericht aus dem Verwaltungsrat

Das zentrale Thema war der Abschluss eines Vergütungstarifvertrages für feste und freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MDR mit einer Laufzeit von 33 Monaten, vom 01.04.2019 bis 31.12.2021, dem der Verwaltungsrat zugestimmt habe. Zuvor hatte sich der Verwaltungsrat auch mit der Beteiligung des MDR an der Digital-Gesellschaft zusammen mit der Tochterfirma des ZDF, ZDF Digital, befasst und dieser zugestimmt.

Berichte aus den Programmbeiräten ARTE Deutschland und ARTE G.E.I.E.

Die Vertreter des MDR-Rundfunkrates in den Programmbeiräten von ARTE Deutschland (Frank Nemetz) und ARTE G.E.I.E. (Sandro Witt) informierten über die Schwerpunkte des vergangenen Jahres.

Aus dem Programmbeirat ARTE Deutschland wurde über verschiedene Themen der Programmbeobachtung berichtet, u.a. zu Dokumentationen wie "Hinter den Kulissen des Brexit", "Propaganda - Wie man Lügen verkauft" sowie "BlackRock - Die unheimliche Macht eines Finanzkonzerns".

Die zweite Jahreshälfte stand im Zeichen des Falls des Eisernen Vorhangs mit zeitgeschichtlichen Sendungen und Berichten, wie Beiträgen zu den Montagsdemonstrationen in Leipzig und Plauen, dem schwierigen Erbe der Treuhand oder dem Bericht zu "Point Alpha" an der innerdeutschen Grenze.

Der durchschnittliche Marktanteil in Deutschland lag 2019 bei 1,1%, in Frankreich kann ein leichter Anstieg auf 2,5 Prozent verzeichnet werden. Informiert wurde auch über den geplanten ARTE-Neubau in Baden-Baden.

Der Programmbeirat ARTE G.E.I.E. befasste sich u. a. mit den Themenschwerpunkten Entdeckungsdokumentationen, Lösungsorientierter Journalismus, Europa und die Europawahl, BAUHAUS und 100 Jahre Weimarer Republik, Familienfilme, sowie Produktionen mit Bezug zu Partnerprogrammen.

Die Programmbeiräte ARTE Deutschland und ARTE G.E.I.E. beraten die Geschäftsführung und die Gesellschafterversammlung in Programmfragen.

Bericht zum Kinderhörspielpreis 2020 des MDR-Rundfunkrates

Rundfunkratsmitglied Oliver Greie, diesjähriger Vorsitzender der Jury, informierte über die Preisträgerinnen des Kinderhörspielpreises 2020 des MDR-Rundfunkrates. Mit der Auszeichnung werden Autorinnen und Autoren sowie Produzentinnen und Produzenten herausragender publizistischer und künstlerischer Hörspiele gewürdigt, die sich in besonderer Weise den Lebensumständen und Problemen von Kindern und Jugendlichen widmen und eine humanistische Einstellung fördern.

Den 1. Platz vergab die Jury an Frauke Angel für ihr Hörspiel des gleichnamigen Kinderbuches "Wir nannten ihn Tüte". Der 1. Platz ist mit 2.500 Euro dotiert.

Die Preisträger werden im Rahmen der Leipziger Buchmesse geehrt. 2020 findet die Preisverleihung zum ersten Mal auf der vom Kindermedienangebot MDR TWEENS veranstalteten "Litpop Kids" am 15. März in der Kongresshalle am Leipziger Zoo statt. Die Preisgelder von insgesamt 6.000 Euro werden von den Gremienmitgliedern des MDR gestiftet. Der Kinderhörspielpreis des MDR-Rundfunkrates wird alle zwei Jahre vergeben.

Mit dem "Kinderhörspielpreis" sollen Angebote gewürdigt werden, die auf herausragende künstlerische, aber auch unterhaltsame Weise Kindern und Jugendlichen humanistisches Gedankengut sowie das Thema Menschenwürde näher bringen. Über die Preisvergabe entscheidet eine Jury, die sich aus jeweils drei Rundfunkratsmitgliedern und Fachleuten zusammensetzt.

Beim Kinderhörspielpreis ist zudem eine Kinderjury an der Entscheidungsfindung beteiligt. In dieser Kinderjury können insgesamt neun Mädchen und Jungen aus dem MDR-Sendegebiet im Alter von 8 bis 15 Jahren mitarbeiten. Die Teilnahme wurde öffentlich ausgeschrieben.

MDR-Beteiligungen und Gremienvertretung

Der Rundfunkrat hat sich über die Gremienvertretung in Aufsichtsorganen von MDR-Beteiligungsunternehmen informieren lassen. Die stellvertretenden Vorsitzenden des Rundfunkrates Steffen Flath und Horst Saage berichteten jeweils über die von ihnen wahrgenommen Mandate im Aufsichtsrat der DREFA und der MDR Werbung. Informiert wurde unter anderem über den Stand der Zusammenführung der DREFA Media Holding GmbH und der MDR-Werbung GmbH.

KiKA: Vom TV-Sender zur crossmedialen Plattform

KiKA-Programmgeschäftsführerin Astrid Plenk berichtete im Rundfunkrat über die Entwicklungen im Kinderkanal. Der Kinderkanal von ARD und ZDF sei führend im deutschen Kindermedienmarkt und verzeichne beste Imagewerte im linearen und non-linearen Bereich.

Die bisher erfolgreich gelaunchten Produkte, die Mediathek-App "KiKA-Player" und die "KiKANiNCHEN-App", würden 2020 mit weiteren digitalen Angeboten und Anwendungen ergänzt. Es gehe darum, Bedürfnisse von Kindern in der digitalen Medienwelt zu verstehen, kindgerechte Angebote zu konzipieren und diese linear und nicht-linear für Kinder zu verankern.

Der MDR-Rundfunkrat begrüßte die KiKA-Bilanz. Der Rundfunkrat unterstütze den KiKA auf dem Weg zur crossmedialen Plattform. Im Rahmen seiner Programmbeobachtung evaluiert der Rundfunkrat die digitalen Angebote des MDR regelmäßig. Die Untersuchungsergebnisse der vergangenen zwei Jahre spiegelten eine positive Entwicklung wider, sagte MDR-Rundfunkratsvorsitzende Gabriele Schade.

Der MDR hat die Federführung für den gemeinsam von ARD und ZDF getragenen Kinderkanal.

Sportprogramm und Sportrechteerwerbsstrategie von ARD und MDR

Der Rundfunkrat ließ sich über die Sportrechtestrategien der ARD und des MDR informieren. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky und MDR-Sportchef Raiko Richter berichteten und diskutierten mit dem Rundfunkrat über die Marktsituation bei Sportrechten, die Strategien in der Sport-Berichterstattung sowie den Sportrechteerwerb. Der MDR-Rundfunkrat lässt sich auch zukünftig regelmäßig über die Sportstrategie der ARD und des MDR informieren.

gez. Prof. Dr. Gabriele Schade, Vorsitzende des MDR-Rundfunkrates