Auf dem Bild sind zwei Gesichter in Großaufnahme zu sehen, die einander zugewandt sind, vor einem lilafarbenen Hintergrund. Unten im Zentrum ist die Schrift "Sehnsuchtsorte und Doppelstockbett" zu lesen. 41 min
Bildrechte: MDR / Max Schörm
41 min

In der fünften Folge des Podcasts geht's um das Thema Urlaub und Reisen vor. Und auch da gibt es große Unterschiede – und das hat nicht nur mit der fehlenden Reisefreiheit der Menschen in der DDR zu tun...

MDR SACHSEN-ANHALT Mo 26.10.2020 19:12Uhr 41:27 min

Audio herunterladen [MP3 | 37,9 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 75,6 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/mdr-sachsen-anhalt/podcast/von-drueben/von-drueben-sehnsuchtsorte-und-doppelstockbetten-102.html

Immer wieder Kärnten: ab 00:48 Minuten 

Die ersten Urlaubserinnerungen führen Köhne nach Kärnten, seit 30 Jahren fährt seine Familie immer an den selben Ort in Österreich. Das lässt Jonas doch ziemlich erstaunen. Denn nach dem Verständnis der Menschen in der DDR fuhr "der Westdeutsche" klassischerweise nach Mallorca oder mindestens so richtig in den Süden ans Meer. Ganz so falsch lag sie damit dann doch nicht – einmal Ballermann, das gehört auch zu den Urlaubserfahrungen von Köhne.  

Auslands-Urlaub im Jugendherbergsstil: ab 06:17 Minuten

In der DDR waren Reisen ins Ausland nur schwer möglich. Ohnehin ging es nur in die "sozialistischen Bruderländer", also nach Osteuropa. Und auch das war sehr teuer. Bei Familie Jonas gab es kaum den klassischen Urlaub, die Großmutter lebte mit im Haus und wurde dort gepflegt, ein großer Teil des Verdienstes ging in den Umbau des Hauses. Doch zur Jugendweihe wünschte sich Jonas einen richtigen Familienurlaub – und zwar im Ausland. Und weil die meisten Urlaubsunterkünfte in der DDR über die Betriebe oder den Gewerkschaftsbund betrieben wurden, ging das über die Baufirma ihres Vaters. Viel Auswahl gab es nicht – und so war das Ganze zwar recht aufregend (schon wegen der langen Fahrt mit dem Trabi), hatte am Ende aber doch eher Jugendherbergscharakter. Ausgelegene Doppelstockbetten – Urlaub hatten sich ihre Eltern auch anders vorgestellt.  

Zwischen Reisefreiheit und Pionierlager: ab 17:50 Minuten

Die Freiheit des Reisens, immer raus zu kommen. Die gab es in Westdeutschland immer, ganz anders als in der DDR. Ist man sich dessen eigentlich bewusst, will Jonas von ihrem Kollegen aus dem Emsland wissen? Eigentlich nicht, sagt Köhne. Sehnsuchtsorte gab es bei ihm auch, beide hatten sogar denselben – London. Nur mit dem Unterschied, dass der für Jonas bis zum Fall der Mauer schlichtweg unerreichbar war. Doch auch für sie gab es eine Flugreise schon zu DDR-Zeiten: nach Kiew. Als Auszeichnung für den sehr guten Abschluss der 10. Klasse. Ziel war das Asowsche Meer. Weil das aber gerade "umgekippt" war, hieß die Alternative: sowjetisches Pionierlager. 

Sehnsucht nach Osteuropa: ab 25:59 Minuten

Trotz inzwischen etlicher Fernreisen gehört zu Köhnes Sehnsuchtszielen Osteuropa. "Komischerweise gar nicht so sehr Ostdeutschland", sagt er. Schon in der Schule war er in Krakau im Schüleraustausch, Anfang der Nullerjahre doch sehr ungewöhnlich. Schwärmend erinnert er sich an Reisen durch die Landschaft Ostpreußens. "Da war ja vor 30 Jahren eine völlig andere Welt", erklärt er den Reiz. Jonas zog es nach dem Fall der Mauer in die andere Richtung - die erste große Rundreise durch den Westen der USA. Und dann – immer wieder Italien. 

FKK und Körpergefühl: ab 36:05 Minuten

FKK – typisch Ostdeutsch? Für Köhne war das gar nicht so. Schon beim jährlichen Österreich-Urlaub gab es am See einen Abschnitt für Nacktbader. Für ihn und seine Familie – aus dem streng konservativen Emsland - stand das ohnehin nie zur Debatte, war gesellschaftlich auch nicht akzeptiert. Jonas selbst kann sich als Kind nicht an eigene FKK-Erfahrungen erinnern. Am Weststrand auf dem Darß ist die eine Hälfte nackig, die andere nicht. Jeder so, wie er mag. Dass die Ostdeutschen per se freizügiger waren, das will Jonas nicht so stehen lassen. "Es gab ein anderes Körpergefühl", sagt sie, ein anderes Verständnis von Intimität und nennt als Beispiel die Waschsituation in ihrem Internat - mit einem Raum für alle Mädchen. Am Ende einigen sich beide darauf, dass im Westen das Körpergefühl "verhaltener" ist als das zu DDR-Zeiten.  

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio