Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Thomas Härtel aus Gera.

Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Donnerstag, 21.03.2019: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Thomas Hertel 2 min
Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Als Pastor bin ich immer auf der Suche nach guten Kurzgeschichten - als Aufhänger oder Beispiel für meine Predigt. Neulich hörte ich diese: Ein Seifenfabrikant sagte zu dem Engel: "Die Nächstenliebe hat nichts erreicht. Obwohl sie schon seit bald zweitausend Jahre gepredigt wird, ist die Welt kaum besser geworden. Es gibt immer noch Böses und böse Menschen."

Der Engel wies auf ein ungewöhnlich schmutziges Kind, das am Straßenrand im Dreck spielte, und bemerkte: "Seife hat nichts erreicht. Es gibt immer noch Schmutz und schmutzige Menschen in der Welt." "Seife", erwiderte der Fabrikant, "Seife nutzt nur, wenn sie angewendet wird."
Der Engel lächelte: "Eben, die Nächstenliebe auch."

"Es gibt nichts Gutes, außer man tun es." Dieser Satz von Erich Kästner ist allseits bekannt. Er passt für mich zu dieser kurzen Geschichte vom Seifenfabrikanten und Engel. Ja, so ist es freilich auch mit der Nächstenliebe. Es wird viel über sie geredet. Und, ich gebe zu, auch viel darüber gepredigt. Das aber entschuldigt nicht das Tun. Wir müssen uns nicht gleich in die Arme fallen.

  • Aber heute auch dem die Hand zur Begrüßung zu reichen, der mir nicht so ganz sympathisch ist, ...
  • eine Gefälligkeit nicht gleich mit dem vollen Terminkalender zu entschuldigen, ...
  • einem Hilfe suchenden Blick nicht auszuweichen, ...
  • oder dem verknatzten Nachbarn ein freundliches Hallo zuzurufen, ...

...all das überfordert mich keineswegs. Und es wird die Welt, zumindest da, wo ich lebe, ein bisschen freundlicher, ehrlicher und wohlgefälliger machen. Und vielleicht sogar sauberer! - Denn die Seife nutze ich natürlich trotzdem. Einen frohen und beschwingten Tag wünscht ihnen Thomas Härtel aus Gera.

Mittwoch, 20. März: Warum schreist du so?!

Einmal fragte ein Lehrer seine Schüler: "Warum schreien die Menschen, wenn sie wütend sind?". Die Schüler überlegten: "Weil wir die Geduld verlieren; daher schreien wir" - sagte einer. "Doch warum schreist du, wenn die Person vor dir ist? Ist es nicht möglich, gemach und ruhig zu sprechen?" Keine Antwort der Schüler stellte den Lehrer so richtig zufrieden.

Schließlich erklärte er es:

"Wenn zwei Personen sich streiten und wütend sind, entfernen sich ihre Herzen sehr stark voneinander. Daher müssen sie sich anschreien, damit ihr Schrei die Entfernung überbrücken kann. Um so wütender sie sind, desto mehr müssen sie schreien, denn die Entfernung zwischen ihnen wird immer größer."

Der Lehrer setzte sich auf einen Stuhl mitten im Klassenzimmer. Und fast im Flüsterton fuhr er fort: "Und was passiert, wenn sich zwei Personen verlieben? Sie schreien einander nicht an, sondern sie sprechen leise und sanft. Wieso? - Ihre Herzen sind sehr nahe...
Dann riet er seinen Schülern:

"Wenn ihr streitet, lasst es nicht zu, dass eure Herzen sich voneinander entfernen. Sprecht keine Worte aus, die euch noch weiter auseinander treiben. Denn es wird der Tag kommen, wo die Entfernung voneinander so weit ist, dass es nie wieder den Weg zurück geben wird."

Ein nachdenkliches und aufforderndes Bild für den Anfang des Tages. Gewiss stehe ich heute irgendwie und irgendwo vor die Frage: Wie reagiere ich auf Leute, die mich verärgern, die mich zur „Weißglut“ bringen? Ich will dieses Bild von den entfernten und nahen Herzen mit in den Tag nehmen. Vielleicht verkürzt sich ja hier und da dieser Abstand.

Die Bibel rät mir: Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden (Röm 12, 18). Ein Versuch ist das allemal wert.

Einen entspannten Tag wünscht Ihnen Pastor Thomas Härtel aus Gera.

Dienstag, 19. März Die neue Sicht

Als Pastor bin ich immer auf der Suche nach guten Kurzgeschichten – als Aufhänger oder Beispiel für meine Predigt. Neulich las ich diese:

Eines Tages nahm ein Mann seinen Sohn mit aufs Land, um ihm zu zeigen, wie arme Leute leben. Vater und Sohn verbrachten einen Tag und eine Nacht auf der Farm einer sehr armen Familie. Als sie wieder zurückkehrten, fragte der Vater: “Wie war dieser Ausflug?” - „Sehr interessant!” antwortete der Sohn. „Und hast du gesehen, wie arm Menschen sein können?”. „Oh ja, Vater, das habe ich gesehen”. “Was hast du also gelernt?” fragte der Vater. Und der Sohn antwortete:

Ich habe gesehen, dass wir einen Hund haben und die Leute auf der Farm haben vier. Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört. Wir haben prächtige Lampen in unserem Garten und sie haben die Sterne. Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten und sie haben den ganzen Horizont.” Der Vater war sprachlos. Und der Sohn fügte noch hinzu: “Danke Vater, dass du mir gezeigt hast, wie arm wir sind.”

Ein neuer Tag. Vieles wird uns heute begegnen. Und wie in der Geschichte: Wir haben verschiedene Sichtweisen. Darum bewerten wir unterschiedlich. Ich denke, ich habe, was ich zum Leben brauche – und sogar noch viel mehr. Darum möchte ich genau hinsehen, wo ich Mangel empfinde. Ist er wirklich begründet? „Danke Vater, dass du mir gezeigt hast, wie arm ich bin.“

Fast ein bisschen ironisch. Der Satz des Sohnes macht aus dem scheinbaren Mangel Reichtum. - Und er bedankt sich für die ganz neue Sicht. So will ich in den Tag gehen: wahrnehmen, was mir gegeben ist und dankbar dafür sein.

Das wünscht auch Ihnen Thomas Härtel aus Gera.

Montag, 18. März: Heiter durch den Tag

Als Pastor bin ich immer auf der Suche nach guten Kurzgeschichten – als Aufhänger oder Beispiel für meine Predigt. Neulich hörte ich diese:

Wie immer lief der Miesepeter missgelaunt durch die Straßen. Alles ärgerte ihn – das Wetter, das Grau der Häuser, die unfreundlichen Mienen der anderen. Da kam zufällig ein Lächeln vorbeigeflattert, und da es gerade nichts Besseres zu tun hatte, hüpfte es dem Miesepeter mitten ins Gesicht und machte es sich dort gemütlich. Der hatte das aber in seiner ganzen Muffigkeit gar nicht gemerkt und ging mit schlechter Laune weiter. Als ihm nun andere Leute entgegenkamen, wurde er herzlich gegrüßt und alle schienen sich zu freuen, ihn zu sehen. Das verwunderte den Miesepeter sehr und gegen seinen Willen fühlte er sich schon etwas besser. Immer mehr Leute winkten ihm lächelnd zu. An einem Blumenstand reichte man ihm gar eine Sonnenblume und wünschte ihm einen guten Tag. Irgendwie wirkten nun die Häuser auch viel weniger grau. Und der Himmel schien auch schon viel blauer zu sein. Und da: war das nicht sogar die Sonne? Als der Miesepeter nach Hause kam und seine Jacke auszog, sah er sich selbst im Spiegel lächeln. Und das fühlte sich gut an, richtig gut.

" Miesepeter, Morgenmuffel..., mit dem „linken“ Bein aufgestanden... - ich kenne das. Und Sie gewiss auch. Aber so will ich eigentlich nicht durch den Tag und durch die neue Woche gehen. In der Bibel steht: Lass mich schon früh am Morgen erfahren, dass du es gut mit mir meinst, Gott, denn ich vertraue dir. Zeige mir, wohin ich gehen soll (Psalm 143, 8). Ups, ich glaub, jetzt hat sich auch bei mir ein Lächeln ins Gesicht gesetzt. Bei Ihnen auch? - Na, dann schau ich doch schnell mal in einen Spiegel.

Einen frohen und hoffentlich heiteren Tag wünscht Ihnen Thomas Härtel aus Gera

Sonntag, 17. März: Sonntag – ein Brückentag

Ein Vater und sein Sohn lebten viele Jahre in Eintracht beieinander und teilten, was sie hatten. Eines Tages kam es zu einem Missverständnis – eigentlich nicht der Rede wert. Doch fortan mieden sie jeglichen Kontakt. Keiner sprach mehr ein Wort mit dem anderen.

Es begab sich, dass ein Tagelöhner an der Tür des Sohnes klopfte. Und tatsächlich, der hatte etwas für ihn zu tun: „Dort, auf der anderen Seite des Baches, steht das Haus meines Vaters“, erklärte der Sohn. „Vor einiger Zeit hat er mich schwer beleidigt. Ich will ihm beweisen, dass ich auch ohne ihn leben kann.“ Und er wies den Tagelöhner an, mit den Steinen hinter seinem Haus eine 2 Meter hohe Mauer zu bauen, so dass ihn sein Vater nicht mehr sehen kann. „Ich habe verstanden“, gab der Tagelöhner zur Antwort. - Und getrost ging der Sohn für eine Woche auf Reisen. Als er wieder nach Hause kam, war die Arbeit getan. Aber welch eine Überraschung! Anstatt einer Mauer hatte der Tagelöhner eine Brücke über den Bach gebaut.

Da kam auch schon der Vater aus seinem Haus, lief über die Brücke und nahm seinen Sohn in die Arme. “Was du da getan hast, ist einfach wunderbar! Eine Brücke bauen lassen, obwohl ich dir nicht gut war! Ich bitte dich um Verzeihung.” Während Vater und Sohn Versöhnung feierten, schickte der Fremde sich an, weiter zu ziehen. „Nein, bleib doch hier, es gibt noch mehr zu tun!”, sagten sie ihm. Der Tagelöhner aber antwortete: „Gerne würde ich bei euch bleiben, aber ich habe noch anderswo viele Brücken zu bauen …”

Sonntag – ein Brückentag heute. Nicht ganz in der herkömmlichen Bedeutung. Aber gerade heute ist in den Gottesdiensten davon die Rede, dass Gott eine Brücke zu uns Menschen geschlagen hat. Die Bibel sagt das so: Gott hat seinen Sohn Jesus in diese Welt gesandt, damit er die Menschen versöhne, damit er Brücken baue dort, wo Menschen sich verloren haben. (Joh 3, 16) Das gilt auch mir – und Ihnen. Wenn Sie noch mehr darüber wissen wollen, besuchen Sie doch einen der zahlreichen Gottesdienste – gewiss auch in Ihrer Nähe.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pastor Thomas Härtel aus Gera.

Biografie Thomas Härtel • Thomas Härtel – geboren 1961 im Sächsischen Aue
• Schule und Lehrausbildung zum Werkzeugmacher
• Studium Maschinenbau, dann Theologie am Theologischen Seminar der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Bad Klosterlausnitz
• bisherige Dienstzuweisungen als Pastor nach Remptendorf/Lobenstein, Schneeberg, Leipzig und Gera
• nebenamtlich viele Jahre im Kinderwerk der EmK
• Leiter von Pilger- und Studienreisen nach Israel
• verheiratet, 3 erwachsene Söhne
• mag Reisen, Camping, Skifahren und Hausmusik in der Familie

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 21. März 2019 | 06:20 Uhr