Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Juliane Körber aus Rockhausen.

Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Täglich hören Sie das Wort zum Tag bei MDR THÜRINGEN - Das Radio. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Mittwoch, 4. August: Engelsflügel

In Erfurt auf der BUGA gibt es einen Ausstellungsraum, in dem an der Wand riesengroße Engelsflügel aus duftenden rosa Blumen installiert wurden. Tolle Idee, denke ich und bleibe fasziniert vor diesem Kunstwerk stehen.

Jliane Körber von der Katholischen Kirche 1 min
Bildrechte: MDR/Juliane Körber

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 04.08.2021 06:20Uhr 01:28 min

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Staunend beobachte ich, wie Menschen daran vorbei gehen, erst achtlos und dann doch plötzlich abrupt stehen bleiben. Sie blicken an die Wand, ich sehe viele von ihnen lächeln, kurz zögern und dann kann ich vor meinem geistigen Auge förmlich den Geistesblitz sehen, der ihnen durch den Kopf geht. Beinahe jeder Besucher stellt sich vor diese wunderschönen Engelsflügel, breitet die Arme aus und lächelt in die Kamera, die der Freund oder Ehepartner oder wer auch immer gerade hält. Die Engelsflügel haben sich zu einem Highlight entwickelt und die Fotos, das beobachte ich, werden in die Welt an Freunde und Familie weitergeschickt.

Einmal ein Engel sein! Einmal die Flügel ausbreiten und in die Welt lächeln. Einmal ein Engel sein für Freunde, für die Familie, für alle, die es  brauchen. Für wen bin ich eigentlich ein Engel, überlege ich? Für wen breite ich meine Flügel aus, lächle ihn an und sage, alles wird gut, ich bin da für dich.

Einen schönen Tag! Wünscht Ihnen Ihre Juliane Körber aus Rockhausen und katholisch.

Dienstag, 3. August: Mit dem Auto

Jliane Körber von der Katholischen Kirche 2 min
Bildrechte: MDR/Juliane Körber

In den Ferien geht es für meine Familie und mich wieder einmal nach Kroatien. Worauf ich mich besonders freue, ist die Reise dorthin. Wir fahren. Und zwar mit unserem VW-Bus. Mein Mann, meine beiden Kinder, zwei Luftmatratzen, viele Flip Flops, die drei wichtigsten Kuscheltiere meines kleinen Sohnes, meine beiden Lieblingshüte und ja - auch unsere geliebte Kaffeemühle - alles hat im Bus seinen Patz und darf mit. Das ist der eine große Vorteil, wenn wir mit dem Bus verreisen und nicht etwa mit einem Flugzeug fliegen. Aber noch eine Sache ist mir dabei wichtig und das ist die viele Zeit, die es braucht, um aus Thüringen nach Kroatien zu kommen. Wir werden stundenlang zusammen auf engstem Raum zubringen. Wir schauen Filme, essen, erzählen und hören dabei Radiosender aus fremden Ländern.

Es ist eine Reise und wir können fühlen, wie wir uns vom Alltag weg - und in den Urlaub hineinbewegen. Zeit bekommt dabei eine völlig neue Bedeutung und wir staunen jedes Mal, wie nahe das Mittelmeer doch ist und gleichzeitig wie weit weg. Wir fahren durch viele Länder: durch Deutschland und Österreich, durch Slowenien und Kroatien. Wir sehen Flüsse und Seen, grüne Hügel und die riesigen Alpen. Klar, mit dem Flugzeug ginge es schneller, so braucht die Reise zum Meer ihre Zeit, aber das darf sie auch. Denn die Reise ist mindestens genauso schön wie das Ziel.

Ihre Juliane Körber aus Rockhausen und katholisch.

Montag, 2. August: Alles hat seine Zeit

Die Tage vor meinem Sommerurlaub sind in jedem Jahr für mich die stressigsten Tage überhaupt. Da kann selbst der Advent nicht mithalten. Das liegt vor allem daran, dass ich noch alles in Ordnung bringen will, bevor ich 2 Wochen auf Urlaubsreise bin. Ich möchte, dass alles geregelt ist, wenn ich wieder nach Hause komme und nicht einem Chaos gegenüberstehen, das sofort nach einem neuen Urlaub schreit. Also putze ich und zwar alles; die Küche, die Fenster, den Keller, die Kinder. Alles wird auf Vordermann gebracht.

Jliane Körber von der Katholischen Kirche 2 min
Bildrechte: MDR/Juliane Körber

Zahnarzttermine werden noch schnell dazwischen geschoben, der alte Handyvertrag endlich gekündigt und der Korb Bügelwäsche soll auch noch fertig werden. Das alles passiert neben meiner Arbeit, bei der auch alles erledigt sein muss, bevor ich meine Abwesenheitsnotiz in die E-Mail schreiben kann. Das klingt anstrengend. Und das ist es auch! Mit den Jahren versuche ich mehr und mehr, diesen inneren Stimmen, die mich drängeln und schubsen, ein Stoppschild vor die Nase zu halten. Diese Stimmen, die fordern, alles müsse jetzt sofort geschehen, alles muss unter Kontrolle sein, als gäbe es kein Morgen. Gottes Stimme ist anders. "Alles hat seine Zeit" heißt es in der Bibel und nicht immer ist alles an der Zeit. Das umzusetzen fällt mir nicht leicht. Deshalb übe ich mich im ruhig atmen und darin, schon jetzt ein wenig das Urlaubsgefühl in mir aufzunehmen. Die Bügelwäsche, die kann warten.

Es grüßt Sie ganz herzlich, Ihre Juliane Körber aus Rockhausen und katholisch

Sonntag, 1. August: Die Würde des Menschen

Jliane Körber von der Katholischen Kirche 2 min
Bildrechte: MDR/Juliane Körber

Es ist Sonntagmorgen und ich bin beim Gottesdienst in der Kirche. Neben mir sitzt ein älterer Mann. Er wirkt schmal und klein, Bart und Haare sind längst ergraut und sein Rücken ist gekrümmt. Seine Sachen sind alt und abgetragen, teilweise löchrig, aber seine Schuhe funkeln und glänzen, als hätte er sie den ganzen Morgen lang geputzt. Ich beobachte, wie er mit stark zitternder Hand in seine zerbeulte Jackentasche greift. Behutsam und fast in Zeitlupe zieht er ein Geldstück heraus und legt es wie einen Schatz mit großer Vorsicht auf die Bank. Später wird er das Geldstück in den Klingelbeutel geben, der im Gottesdienst durch die Reihen gereicht wird.

Ich kann meinen Blick nur schwer von ihm abwenden, denn alles an diesem alten Mann berührt mich. Die Sorgfalt, Achtsamkeit und Liebe, die ich bei ihm wahrnehme. Er strahlt eine Würde aus, die mich beeindruckt. Eine Würde, die nicht davon abhängt, ob man jung oder alt ist, ob man studiert hat oder nicht, ob die Kleidung abgetragen ist oder dem neuesten modischen Trend entspricht. Es ist die Würde, die Gott jedem Menschen gegeben hat. Und es tut gut, sich daran zu erinnern.

Einen gesegneten Sonntag! Ihre Juliane Körber aus Rockhausen und katholisch.

Juliane Körber - geboren in Pritzwalk in der Prignitz (zwischen Berlin und Hamburg)
- Studium an der Medienakademie Berlin
- verheiratet mit einem Musiker, 2 Kinder (Jungs, 10 und fast 6 Jahre alt)
- lebt in Rockhausen
- 2008 ist sie den Jakobsweg gelaufen
- ehrenamtliche Hospizausbildung bei den Maltesern
- 2 Jahre lang im katholischen Krankenhaus Erfurt in der Seelsorge gearbeitet
- arbeitet jetzt in der Onlineredaktion des Bistums und ehrenamtlich als Seelsorgerin und Patientenfürsprecherin im katholischen Krankenhaus in Erfurt
- studiert Theologie im Fernkurs in Würzburg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 04. August 2021 | 06:20 Uhr