Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Albrecht Stammler aus Saalburg-Ebersdorf.

Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Täglich hören Sie das Wort zum Tag bei MDR THÜRINGEN - Das Radio. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Mittwoch, 26. Februar 2020: Überraschend Anderes tun

Sie war eine unglaublich witzige Frau: Adele, eine ehemalige Arbeitskollegin meiner Mutter. Als Kind habe ich einmal erlebt, wie Adele eine Geburtstagsrunde eine Viertelstunde lang nur damit unterhielt, dass sie sich eine Socke anzog. Wir haben Tränen gelacht. Jahre später war ich zu ihrem 70. Geburtstag eingeladen. Natürlich freute ich mich auf ihre lebenslustige und spaßige Art. Sie hatte ein wahrhaft opulentes Buffet organisiert. Es gab alles, was das Herz an köstlichen Leckereien nur begehren kann!

Doch dann sah ich Adele mit einem Teller in der Hand, auf dem - nur drei Salatblätter lagen. "Das muss ein Witz sein!" - war mein erster Gedanke. Geistesgegenwärtig griff sie meinen verwunderten Blick auf - und aß die drei Salatblätter zum Gaudium aller, als ob es ein Spanferkel wäre. Als ich acht Wochen später ihre Traueranzeige las, wurde mir klar: Sie hat gefastet. Und: Es war ihre Abschiedsvorstellung gewesen.

Der Apostel Paulus hat einmal an die Korinther geschrieben (1. Kor. 4,10): "Wir sind Narren um Christi willen." Das meint: Überraschend Anderes tun, um Jesu Sinn zu verdeutlichen. Die Stärke eines Narren besteht ja nicht in brachialer Gewalt, sondern darin, ernste Wahrheiten witzig herüberzubringen, so dass man darüber – und über sich selbst - befreit lachen kann.

Auch wenn heute am Aschermittwoch der Karneval vorbei ist, so möchte ich doch Adeles fröhliche Art im Alltag weitertragen. Albrecht Stammler aus Saalburg-Ebersdorf

Dienstag, 25. Februar 2020: Fastnacht Helau

Mit "Alaaf" und "Helau" ziehen heute zur Fastnacht Jecken und Narren durch die Straßen. Der ursprüngliche Sinn der Worte ist dabei fast nebensächlich: "Alaaf" - heißt wohl so etwas wie "Über alles!" "Helau" soll angeblich eine Kurzform von "Halleluja" sein, und dieses hebräische "Halleluja" wiederum heißt schlicht auf deutsch: "Lobt Gott!"

Beim Karneval geht es ums ausgelassene Feiern, um überschäumende Lebensfreude, um eine närrische Umkehrung unserer oft so kleinkarierten und grausamen Welt. Narren-Rufe sind dabei ein wichtiges Erkennungszeichen:

"Hey, ich feiere mit!" Und jeder kann mit einstimmen. - Nun gibt es genügend Menschen, die eher "Faschings-Muffel" sind. Auch für sie habe ich durchaus Verständnis. Denn allzuoft kommt nach der "Weltflucht" der "Katzenjammer".

Doch wenn ich es ehrlich bedenke, dann habe ich es eigentlich gut: Auch wenn der Karneval vorbei ist, kann ich "Halleluja!" singen und oft auch in Ruhe meine Prioritäten setzen – und sagen, was für mich "Über alles!" wichtig sein soll. In unserem Land habe ich die Freiheit dazu. Und dank Jesus Christus habe ich gute Gründe dafür: Denn vor ihm braucht keiner Masken zu tragen. Er kennt mich, tröstet mich im Leid. Und er gönnt mir, dass ich mich von Herzen freue.

Eine gute Zeit wünscht Albrecht Stammler, Pfarrer in Ebersdorf.

Montag, 24. Februar 2020: Rückpiegel-Einstellung

Mein Fahrschullehrer hatte es mir eingeschärft: Vor dem Anlassen des Motors - Rückspiegel-Einstellung prüfen! Ich gebe es zu: Heute morgen habe ich es aus Eile nicht gemacht. Ich hatte nicht zuletzt am Steuer gesessen und erst beim Ausparken gemerkt, dass alles verstellt war. Beinahe hätte ich übersehen dass da von hinten jemand plötzlich kam. Zum Glück ist vorhin nochmal alles gutgegangen.

Aber der heutige Bibelvers aus den Herrnhuter Losungen hat mich dann wieder an meinen gefährlichen "Start in den Tag" erinnert. Da heißt es im Buch der Klagelieder des Königs Salomo (3,40): "Lasst uns unsere Wege prüfen und erforschen, und lasst uns zurückkehren zum Herrn!" Meine Grundeinstellung zu diesem Tag sollte stimmen - so, wie die Einstellung des Rückspiegels im Auto zu mir passen muss.

Heute will ich mich darauf besinnen: Es ist Gottes Zuwendung, seine Liebe, die mein Leben reich macht. Andere Menschen, die ebenfalls heute unterwegs sind, sollen doch nicht durch mich gefährdet werden! Und wo ich mich in trostlosen und unfairen Gedanken verfahren habe, da möchte ich – mit Gottes Hilfe – umkehren.

Einen guten Start in die neue Arbeitswoche wünscht Albrecht Stammler von der Herrnhuter Brüdergemeine Ebersdorf.

Sonntag, 23. Februar: Estomihi: "Sei mir ein starker Fels!"

Neulich im Kindergottesdienst: Wir erzählen Jesu Gleichnis von einem Menschen, der sein Haus auf Fels baute - und dem, der es in den Sand setzte. Das Haus auf dem Felsen trotzte allen Stürmen. Bei dem auf Sand gebauten Haus unterspülte der Regen die Mauern, und der Sturm warf es um.

Porträt des Pfarrers Albrecht Stammler 2 min
Bildrechte: Albrecht Stammler

Jesus will damit sagen: Felsenfest dürfen wir auf Gottes Liebe vertrauen! "Sei mir ein starker Fels!" - so heißt der Name des heutigen Sonntages, nach Psalm 31 (V.3) - lateinisch "Estomihi". Und das machten wir im Kindergottesdienst anschaulich: In eine große Schale hatten wir Sand aus dem Sandkasten geschüttet. Darauf bauten wir mit Holzklötzchen ein schönes Haus. Und dann kam das Gewitter: Mit der Gießkanne wurde gezielt der Sand unter einem Klötzchen weggespült. Alles krachte zusammen. Großes Aufjauchzen bei den Kindern! Nur nicht bei dem kleinen Elias. Der hatte Tränen in den Augen. Denn: "Habt ihr es nicht gesehen? Das schöne Haus ist eingestürzt!" Schluchzend wirft er sich mir an den Hals. Die Stimmung kippt. Ein ernsthaftes Gespräch beginnt.

Will das Gott wirklich? Wo ist er, in den Stürmen des Lebens? Jesus sagt: "Baue doch dein Lebens-Haus auf einen Felsen!" Und: Nicht erst, wenn etwas eingestürzt ist, dürfen wir Gott umarmen. "Gott, sei mir ein starker Fels!" Auf seine Liebe dürfen wir bauen, bei ihm Trost und Hilfe finden - wie der kleine Elias bei mir.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Albrecht Stammler aus Saalburg-Ebersdorf.

Biografie Albrecht Stammler - geboren 1967 in Halle/Saale
- 1972-1983 POS in Halle-Neustadt
- anschließend Lehre als Elektromaschinenbauer und Facharbeiterzeit
- 1987-1989 Grundwehrdienst bei der NVA
- 1990-1994 Theologiestudium in Berlin, Praktikum und Vikariat in Niesky und Neudietendorf
- 1997-2008 Prediger der Brüdergemeine in Gnadau, danach in Ebersdorf/Thüringen
- verheiratet, 2 Söhne

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Sonntagmorgen | 26. Februar 2020 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2020, 08:31 Uhr