Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Pfarrer Christof Lenzen aus Gera.

Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Mittwoch, 22. Mai: Singende Straßen

In der Nähe des Fujiyama, des höchsten Berges von Japan, gibt es eine Straße, die singt. Wie das? Nun - die Japaner mit ihrem Sinn für Schönheit und einer ganz eigenen Ästhetik haben in den Asphalt Querrillen eingefräst. In Kombination mit den über sie rollenden Autoreifen ergibt sich daraus ein Ton.

Sie kennen das vielleicht von Ihren Reifen, wenn sie auf der Autobahn auf die Trennlinie zum Standstreifen kommen - das gibt dann auch ein lautes Brummen… Nur hier - am Fujiyama - sind die Rillen so gewählt und immer nur über wenige Meter identisch, dass sich beim Fahren bei vorgeschriebener Geschwindigkeit die Melodie eines japanischen Volksliedes über den Fujiyama ergibt. Sind die Rillen nah beieinander entsteht einer höherer Ton, bei weiterem Abstand ein tieferer. Was für eine herrliche und überraschende Idee. Eine Straße, die singt!

Ihr Leben hat auch eine Melodie. Mal fröhlicher und schneller, mal langsamer und vielleicht nachdenklicher, trauriger. Jede Entscheidung, die wir treffen, jeder Weg, den wir wählen, fügt dieser Melodie etwas hinzu. Und auch äußere Faktoren versuchen, Töne einzustreuen. Manchmal entstehen dann Dissonanzen. Die wir aber durch unseren Umgang mit den Umständen abmildern oder auflösen können. So entsteht eine Lebensmelodie. Hören Sie Ihre?

Singt dem Herrn, singt Gott ein neues Lied - so fordert die Bibel auf. Natürlich sind damit echte Lieder in dem Zusammenhang gemeint. Loblieder. Freudenlieder. Aber ich denke, das wichtigste Lied singen wir mit unserem Leben. Und es beginnt in dem Moment, wo wir unser Herz für Gott öffnen. Ihr Christof Lenzen aus Gera.

Dienstag, 21. Mai: Dialog

Gott, ich kann dir mal eine Frage stellen? - Sicher. Warum hast du mich heute so oft enttäuscht? - Was genau meinst du? Nun, ich bin zu spät aufgewacht! - Ja. Mein Auto ist andauernd nicht angesprungen. - Okay. Mittags machten sie mein Sandwich falsch und ich musste auf das zweite Sandwich warten – ich hasse es, zu warten. - Hmmm. Und zu allem kam noch dazu, dass, als ich nach Hause kam, um meine Füße in mein neues Fussmassagegerät zu stecken, um zu entspannen, das Gerät nicht funktionierte! Nichts ging heute! Warum hast Du das zugelassen?

Lass mich mal sehen… ich ließ dich heute morgen schlafen, weil du sonst in einer falschen Phase aufgewacht wärst. So hattest du mehr Kraft. Dann habe ich zugelassen, dass dein Wagen nicht gestartet ist, weil ein betrunkener Autofahrer unterwegs war genau auf deiner Strecke und du ihm dann nicht begegnet bist, weil du später gefahren bist. Die erste Person, die Ihr Sandwich heute gemacht hat, war krank und ich wollte nicht, dass du die Krankheit bekommst, die sie hatte.

Ich wusste, du kannst es dir gerade nicht leisten, krank zu werden und nicht zur Arbeit zu kommen.
Oh, und das Fußmassagegerät hatte einen technischen Fehler und hätte alle Sicherungen im Haus durchknallen lassen. Ich dachte, du wolltest lieber nicht Abend im Dunkeln sitzen. - Es tut mir Leid, Gott. Es muss dir nicht leid tun – lerne bitte, mir zu vertrauen… dass ich einen guten Plan habe in vielem, was du erst mal als schlecht empfindest…ich liebe es, nach meinen Kindern zu schauen!

Einen behüteten Tag wünscht Ihnen Ihr Christof Lenzen aus Gera.

Montag, 20. Mai: Sorgen und Schaukelstühle

Da liege ich wach und wälze mich hin und her. Und dem körperlichen Wälzen entspricht ein Wälzen von Gedanken in meinem Kopf. Sie rollen von links nach rechts und im Kreis zurück. Wie soll ich denn das alles schaffen? Es ist so viel zu tun und so viel auf meiner Liste, was abzuhaken ist. Ich fühle mich so kraftlos. Und weil ich unzufrieden mit mir bin, achte ich nicht so richtig auf mich. Esse zu viel, schlafe zu wenig. Da! Jetzt schon wieder. Ich kann nicht schlafen wegen der Sorgen! Dadurch habe ich morgen noch weniger Kraft. Noch eine Sorge mehr.

So geht es mir manchmal. Ich wälze mich, meine Gedanken wälzen sich. Die Zeit vergeht und ich stehe am nächsten Morgen gerädert auf. Nicht gut. Sich zu sorgen ist wie in einem Schaukelstuhl sitzen. Du tust etwas, aber kommst dabei nicht vom Fleck. Das Sorgen bindet uns an Vergangenheit und Zukunft - wir können im Sorgen niemals achtsam sein, gegenwärtig sein. Das bräuchten wir aber, damit wir spüren, was wann dran ist. Wie finden wir raus aus dieser Spirale?

Ganz praktisch: Sorgen aufschreiben. Auf einen Zettel. Ja, auch mitten in der Nacht. In einem anderen Raum. Und diesen Zettel dann Gott hinlegen und kurz beten: Bitte kümmere du dich drum. Ich fühle mich hilflos gerade. Mir fehlt Weitsicht und Weisheit.  - ja, das verlangt, Bedürftigkeit einzugestehen. Aber es öffnet den Raum für Gottes Dimension, der unsere Sorgen gerne entgegen nimmt und stattdessen Weisheit und Frieden schenkt. So sagt es die Bibel. So erlebe ich das.

Wenn ich daran denke. Dass wir öfter daran denken - wünscht uns ihr Christof Lenzen aus Gera.

Sonntag, 19. Mai: Batman und Christsein

Für mich war es einer der heiligsten Momente des Tages. Das Abendgebet mit meinem Sohn Hudson. Frisch geduscht, warm, eingekuschelt in seinem Superheldenschlafanzug lag er in meinem Arm und wir redeten über den Tag und während er einschlief, betete ich leise mit ihm. "Vater, schenk Hudson gute Träume, und möge er deine Liebe spüren und als Christ aufwachsen…".

Hudson guckte mich groß an: "Nein, ich will nicht als Christ aufwachsen!". "Oh", erwiderte ich, das kommt überraschend und ich musste meine Enttäuschung doch etwas verbergen. "Würdest du mir erzählen, warum nicht?". "Wenn ich groß bin, Papa, möchte ich ein Superheld, möchte ich Batman sein!" "Oh", antwortete ich und zog ihn noch ein wenig fester an mich heran und flüsterte: "Ich denke, es ist möglich, beides zu sein!"

Diese Geschichte erzählt Pete Greig sinngemäß in seinem neuen Buch über Gebete. Pete ist Gründer der von England ausgehenden weltweiten Gebetsbewegung 24/7. Aber was mich bewegt, ist die Ehrlichkeit und Offenheit vom kleinen Hudson im Gebet. Klartext. Kann Gott vertragen und mit umgehen. Je ehrlicher wir mit Gott reden, desto mehr wird das Gebet zum echten Gespräch und kann unsere Herzen verändern. Und noch etwas. Man kann Christ und Batman sein. Sprich: Wenn mein Christsein langweilig ist, dann habe ich etwas am Christsein nicht verstanden. Ich werde nie Batman sein - aber ich bin Teil der aufregendsten Geschichte der Welt von einem Gott, der das Universum geschaffen hat und dennoch mit mir und dir liebevollen Kontakt sucht und diese Welt gestalten möchte.

Spannend! Ihr Christof Lenzen aus Gera.

Biografie Christof Lenzen Geboren 1967 in Mönchengladbachbach
Verheiratet
2 Kinder, 1 Stiefsohn
Studium der Informatik und 3 Jahre Berufspraxis
Studium der Theologie
13 Jahre Pastor der Freie evangelische Gemeinde Eschweiler
Seit 2016 Pastor der Freie evangelische Gemeinde Gera

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 21. Mai 2019 | 06:20 Uhr