Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. Olivia Schäfer aus Gotha von der katholischen Kirche.

Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Täglich hören Sie das Wort zum Tag bei MDR THÜRINGEN - Das Radio. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Freitag, 5. Juni 2020: Bonifatius

Eigentlich hieß er Winfried. Er lebte im 8. Jahrhundert und stammte aus einer angelsächsischen Adelsfamilie. Er hatte Großes vor, nämlich das, was er glaubte, auch anderen Menschen weiterzugeben. Er wollte Gottes Frohe Botschaft verkünden.

Olivia Schäfer 2 min
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Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Olivia Schäfer aus Gotha von der katholischen Kirche.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 05.06.2020 06:20Uhr 01:39 min

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Dafür bekam er vom Papst den Auftrag - und einen neuen Namen, Bonifatius. Man kann es übersetzen mit: der Gutes tut. Heute ist sein Gedenktag. Bonifatius verkündete, dass Gott alle Menschen liebt. Zuerst in Friesland, wo er jedoch erfolglos blieb, dann auch in Thüringen und in Mainfranken.

Später entstand die Notwendigkeit, die Kirche zu strukturieren, in dem er Klöster und Bistümer gründete. Mit 80 Jahren ging er noch einmal nach Friesland, um das Evangelium zu verkünden. Dort wurden er und seine Gefährten erschlagen.

"Wir dürfen das Schiff nicht verlassen, wir müssen es lenken" - dieser Satz wird ihm zugeschrieben. Ein immer noch aktueller Gedanke. Ich nehme ihn mit für all die Dinge, die ich heute anpacken und lenken muss. Für die Situationen in denen meine Standfestigkeit und mein Glaube gefragt ist. Einen guten Tag wünscht Ihnen Olivia Schäfer aus Gotha.

Donnerstag, 4. Juni 2020:

Neulich auf einer Wanderung. Ich freute mich am unterwegs sein, an der herrlichen Natur und natürlich am schönen Wetter. Da passierte es, ein Kuckuck rief. Automatisch erinnerte ich mich an eine alte Redewendung:

Wenn du im Frühjahr den Kuckuck das erste Mal hörst und Geld in der Tasche hast, wird es dir das ganze Jahr über nicht ausgehen.

Ich fühlte in meiner Jackentasche - nichts, Hosentasche - auch nichts. Heißt das nun, dass ich mit leeren Händen durch das Jahr gehen muss? Ich denke nicht. Denn erstens bin ich nicht abergläubisch und zweitens bin ich reich, wenn auch in einem anderen Sinn. Ich kann in Frieden und Sicherheit mein Leben gestalten. Ich habe ein schönes Zuhause. Es gibt Menschen, die es gut mit mir meinen. Ich kann mich freuen über ein Eis an einem Sommertag, über einen ruhigen Abend auf meinem Balkon, über eine Blumenwiese. Ja, ich bin reich und dafür bin ich sehr dankbar. Ich halte mich auch lieber an eine Redewendung aus der Bibel:

Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen, sondern sammelt euch Schätze im Himmel. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

Damit will ich schon jetzt beginnen, da kann der Kuckuck rufen, wie er will. Das meint Olivia Schäfer aus Gotha von der katholischen Kirche.

Mittwoch, 3. Juni 2020: Urlaub

Der Sommer steht vor der Tür. Und ab heute sind Reisen nach Italien wieder erlaubt. Es wird also Zeit für die Urlaubsplanung! Die schönste Zeit des Jahres sagen manche. Wird es auch in diesem Jahr so sein?

Hoffentlich!

Ich jedenfalls habe schon mit meinen Urlaubsvorbereitungen angefangen. Genauer gesagt, ich habe sie aktualisiert. Wie jedes Jahr habe ich mir einen Reiseführer gekauft. Thüringen steht auf dem Einband. Zuerst hatte ich gezögert: Sollte ich wirklich dafür Geld ausgeben? Ich bin doch hier zu Hause, kenne mich aus.

Egal, ich habe das Buch gekauft, habe schon darin geblättert und mir einige Ziele markiert. So, wie ich das auch sonst im Urlaub mache. Ich freue mich auf viele Erlebnisse und Entdeckungen. Ich bin gespannt auf Orte, die ich bisher nur vom Hörensagen kannte. Und vielleicht müssen es im Urlaub nicht immer die großen Entfernungen sein.

Die große weite Welt beginnt vor meiner Haustür. Oder wie es schon Goethe sagte

"Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah."

Einen guten Tag wünscht ihnen Olivia Schäfer aus Gotha von der katholischen Kirche.

Dienstag, 2. Juni 2020: Frieden stiften

Auf meinem Küchentisch liegt ein Samentütchen: echtes Eisenkraut. Ich habe es am Sonntag im Gottesdienst bekommen. Eisenkraut, auch Verbene genannt, steht symbolisch für Frieden und Freundschaft. Schon die römischen Gesandten sollen mit einem Strauß Verbenen in der Hand zu den Feinden gegangen sein und damit den Friedensvertrag berührt haben. So steht es jedenfalls auf dem Tütchen.

Ob so ein Sträußchen tatsächlich hilft Frieden zu schaffen und zu halten? Das wäre schön. Ich würde gleich ein ganzes Beet oder besser ein ganzes Feld anbauen. Alle könnten sich bedienen und nirgends würde es mehr Unfrieden, Hass oder Streit geben. Ganz so einfach ist es wohl nicht. Deshalb steht noch ein Satz auf dem Tütchen: "Selig sind, die Frieden stiften". Es ist das Motto der Hilfsaktion Renovabis für Menschen in Osteuropa. Sie erinnert daran, dass jeder einzelne Verantwortung für den Frieden trägt. Es beginnt im Kleinen und kann ganz groß werden. Frieden stiften - das will ich versuchen. Und ich beginne damit, Samen auszusäen, in der Hoffnung, dass Eisenkraut und Frieden wachsen.

Einen friedvollen Tag wünscht Ihnen Olivia Schäfer aus Gotha von der katholischen Kirche.

Montag, 1. Juni 2020: Kindertag

Mein Neffe kommt auf mich zugestürmt. Bevor ich überhaupt Hallo sagen konnte, belehrt er mich: Du hast mir noch gar nicht zum Kindertag gratuliert. Und seine Schwester ergänzt: Heute müsst ihr Erwachsenen uns etwas schenken, ein selbstgemaltes Bild oder etwas Gebasteltes. Zuerst bin ich skeptisch. Doch dann habe ich eine Idee.

Ich male ihnen und allen Kindern ein Bild. Eine Straße ist darauf, nein, besser ein Weg, Häuser, Bäume, eine Blumenwiese. Und Menschen: große, kleine, arme, reiche, gesunde und kranke.

Ich male natürlich eine große gelbe Sonne, aber auch dunkle Wolken - wo scheint schon immer die Sonne? Und über allem einen schönen Regenbogen. Das ist mein Geschenk zum Kindertag. Es ist natürlich kein echtes Bild, sondern meine Vorstellung von einer Welt, wie ich sie Kindern wünsche. Und mein Basteln hat nichts mit Kleben und Schneiden zu tun, sondern sieht so aus: Ich will mithelfen, dass Kinder behütet und gesund aufwachsen können.

Einen schönen Tag für große und kleine Kinder wünscht Olivia Schäfer aus Gotha von der katholischen Kirche.

Sonntag, 31. Mai: Durchlüften und Pfingsten

Lüften ist im Moment eine der wichtigsten Maßnahmen. Frische Luft macht nicht nur wach und steigert die Konzentration, sie kann auch helfen gesund zu bleiben.

Das häufige Corona-Lüften erinnert mich an einen Begriff von Papst Johannes dem XXIII. aus den 1960er Jahren. "Aggiornamento". Das bedeutet sinngemäß: "Macht die Fenster auf". Ihm ging es damals nicht um Sauerstoffzufuhr, sondern um einen frischen Wind, der durch die Kirche fegen sollte.

Wenn ich die Fenster aufmache, kann Staub aufwirbeln. Im Durchzug können Türen knallen oder Dinge herunterfallen. Der Raum kühlt sich ab, es kann auch kalt werden. Und trotzdem ist es wichtig, um nicht im eigenen Mief zu ersticken. Das gilt auch im übertragenen Sinn: für meine festgefahrenen Vorstellungen, für mein vermeintliches Bescheid-wissen, für das stets wiederkehrende Das war schon immer so.

Christen feiern heute Pfingsten. Vor 2000 Jahren haben die Freunde Jesu die Fenster und Türen aufgemacht. Sie wollten allen Menschen Gottes Botschaft verkünden. Ein frischer Wind wehte durch ihre Gemeinschaft, stärkte und belebte sie. Das wünsche ich mir heute auch! Nicht nur in der Kirche. Und ich will mithelfen, mal wieder richtig durchzulüften.

Gesegnete Pfingsten! Olivia Schäfer aus Gotha von der katholischen Kirche.

Biografie Olivia Schäfer * 1976 in Mühlhausen geboren und in Bickenriede (Eichsfeld) aufgewachsen
* 1995 Abitur. Anschließende Ausbildung im Seminar für Gemeindepastoral in Magdeburg
* seit 2001 Gemeindereferentin in Arnstadt und Heiligenstadt
* seit 2012 Gemeindereferentin in der Pfarrei St. Bonifatius Gotha

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 02. Juni 2020 | 06:20 Uhr