Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Stephan Rhode aus Erfurt.

Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Freitag, 20. September: Weltkindertag

Heute ist Weltkindertag. Heute oder am Wochenende wird viel für Kinder angeboten. Kleine Geschenke, Überraschungen im Kindergarten und Kinderfeste. Die Erwachsenen wollen den Kindern etwas Gutes tun. Die Kinder sollen sich freuen, Spaß haben und den Tag genießen. In diesem Jahr scheint es irgendwie anders zu laufen. Kinder und Jugendliche nehmen das Zepter in die Hand. Sie rufen zum Klimastreik auf. Lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen, rufen sie uns Erwachsenen zu.

Heute entscheidet nämlich die Bundesregierung über die nächsten Schritte in Sachen Klimapolitik, deshalb machen Kinder und Jugendliche mobil. "Wenn es uns nicht gelingt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, droht eine Klimakatastrophe, die nicht mehr aufzuhalten ist", ist auf dem Flyer zum Klimastreik zu lesen.

Ich finde diesen Streik gut. Die Kinder und Jugendlichen fordern am Weltkindertag nicht Popcorn oder Luftballons von uns Erwachsenen. Sie fordern, dass wir ihnen eine Welt hinterlassen, auf der sie und auch die nächsten Generationen leben können. Ich wünsche mir, dass heute nicht nur in St. Laurentius die Glocken läuten um die Kinder und Jugendlichen in ihrem Recht auf eine Zukunft zu unterstützen.

Ihr Stephan Rhode aus Erfurt.

Donnerstag, 19. September: Warum so kleinlich?

Wie kamen die Daten ins Netz? Diese Frage beschäftigt Millionen von Patienten und auch Datenschützer suchen eine Antwort darauf. Bis vor ein paar Tagen konnte man vom Geburtsdatum bis hin zur Aufnahme aus dem MRT auf viele Patientendaten scheinbar beliebig zugreifen. Es kommt immer wieder vor, dass Plattformen gehakt werden und sich persönliche Daten im Internet verbreiten.

Warum verbreiten sich häufig nur solche Informationen, die man eigentlich für sich haben möchte? Mir fallen viele Nachrichten und auch persönliche Botschaften ein, die sich nicht so schnell verbreiten. Ich trau dir etwas zu! - Du schaffst das! - Versuch es doch noch einmal! Irgendwie können wir auf diese Nachrichten nicht beliebig zugreifen. Ich fände es gut, wenn da mal jemand den Zugang hakt, damit sich diese Botschaften überall verbreiten.

Fürs Internet empfehlen Datenschützer den achtsamen und vor allem sparsamen Umgang mit persönlichen Daten. Lob, Dank und Ermutigung sind auch sehr persönlich, aber davon kann man fast nicht zu viel weiter geben.

Danke fürs Zuhören sagt Stephan Rhode aus Erfurt.

Mittwoch, 18. September: Verantwortung übernehmen

In unseren Straßen geht es manchmal eng zu. Letztens konnte ich beobachten, wie gar nichts mehr ging. Nachdem sich die Autos in einer engen Straße aneinander vorbei zwängen wollten, steckten sie in einer der Lücken am Straßenrand fest. Keiner konnte mehr fahren, weil jeweils das Auto auf der anderen Seite den Weg versperrte. Es dauerte nicht lange und jemand fing an zu hupen. Vorwärts ging es dadurch nicht. Auf einmal steigt ein Autofahrer aus und bittet die beiden Autofahrer die vorne stehen nur ein kleines Stück vor zufahren. Nach kurzer Zeit löst sich der Stau auf.

Für mich ist dieser Stau ein schönes Bild wie man Verantwortung übernehmen kann. Zwei völlig festgefahrene Parteien. Keiner weiß mehr vor und zurück. Der Stress wird immer größter. Genervt hupen die anderen Autofahrer. Nur einer hupt nicht mit. In dieser Situation reicht einer, der nicht in das allgemeine Gemecker über die schlimme Situation einsteigt. Ich habe einen Menschen erlebt, der eine Lösung sucht und tatsächlich die Stau-Situation auflösen kann. In politischen und gesellschaftlichen Debatten ist das leider nicht immer so leicht möglich. Aber stehen bleiben, meckern und hupen, verstärkt nur den ohnehin schon vorhandenen Stress. Da, wo die Lösungen gegen die Klimakatastrophe oder das Aussterben dörflicher Gegenden nicht so einfach ist, braucht es Menschen, die Verantwortung übernehmen, Lösungen suchen und sie tatsächlich auch ausprobieren. Denkt Ihr Stephan Rhode aus Erfurt.

Dienstag: 17. September: Hildegard von Bingen

Mit Hilfe der Natur gesund zu werden, ist zurzeit sehr modern. Ob Kräutertee, Propolis oder Quarkwickel. Viele Menschen schwören wieder auf das, was uns Mutter Natur gibt, um gesund zu werden. Untrennbar davon scheint Hildegard von Bingen zu sein. Heute ist ihr Gedenktag. Manchmal denke ich, wir haben sie zur Werbebotschafterin für heilende Kräutertees und Medizin aus der Natur gemacht. 

Stephan Rhode aus Erfurt von der katholischen Kirche 2 min
Bildrechte: Stephan Rhode

Eigentlich ist sie eine Werbebotschafterin Gottes. Sie nennt ihn Schöpfer und spricht ihn mit "du" an. Hildegard wurde Ende des 11. Jahrhunderts in Bermersheim, in der Nähe von Mainz, geboren. Sie wuchs in klösterlicher Umgebung auf. Dadurch erhielt sie Schulbildung und bildete im Laufe der Zeit ein enormes Wissen in Naturwissenschaft, Sprache und Kunst aus. Sie wird seit jeher als Ausnahme-Theologin und Universalgelehrte beschrieben.

Hildegard vertraut in allem auf Gott. Er ist für sie der Anfang von allem. Deshalb steht für Hildegard auch alles in Verbindung: Körper, Geist, Seele und die Welt. Sie weist auf den Zusammenhang zwischen mir, der Natur und meinen Mitmenschen hin. Konkret heißt das: Wenn es mir gut gehen soll, dann muss es auch der Natur und meinen Mitmenschen gut gehen. Wer Hildegard von Bingen nur als werbekräftige Kräutertante wahrnimmt, übersieht etwas Entscheidendes: Ihren klugen Blick auf eine Welt, in der alles voneinander abhängt. Ihr Stephan Rhode aus Erfurt.

Montag, 16. September 2019: Keine Leute

Drei Zwerge klingeln an einer Tür. Wer seid ihr denn, werden sie gefragt? Wir sind die sieben Zwerge, antwortet einer der drei. Aber ihr seid doch nur drei. Keine Leute, keine Leute, ist die Antwort des Zwerges.

Was sich in diesem kleinen Witz scherzhaft andeutet, ist vielerorts Realität. Im Kindergarten werden Gruppen zusammengelegt. Auf Handwerker muss man ewig warten. Und warum? Keine Leute, keine Leute.

In den letzten Jahren haben wir uns daran gewöhnt, dass alles ganz schnell geht und jeder schnell zu erreichen ist. Forscher sagen, dass ist die Realität, die jeder irgendwie zu gestalten hat. Ich nehme aber viel häufiger die negativen Folgen davon war: Zuallererst mein häufiges Gefühl meinem Leben hinter her zu rennen.

Der Personalmangel erzwingt da schon fast eine Vollbremsung, der gewohnten Abläufe. Lieferketten verlängern sich, fast rund um die Uhr einkaufen kann ich bald nicht mehr.

Aber ist es wirklich so nötig bis 20 Uhr oder länger geöffnete Geschäfte zu haben? Muss ich wirklich so viel online bestellen und schon am übernächsten Tag geliefert bekommen?

Wie viel von dem, was unter hohem zeitlichen Druck erzwungen wird, ist denn tatsächlich nötig?

Ich habe darüber nachgedacht, wo denn die anderen vier Zwerge waren? Vielleicht war einer krank und einer ist in Rente gegangen. Aber der 6. Zwerg, der der den Supermarkt bis 22 Uhr aufhält und der, der meine zurückgeschickte Warensendung bearbeitet die beiden könnten doch beim nächsten Mal wieder mit dabei sein. Oder?

Ihr Stephan Rhode aus Erfurt.

Sonntag, 15. September 2019: Freiheit

Haben Sie heute schon was vor? Kommen Sie doch zur Geburtstagsfeier auf den Erfurter Domplatz. Die katholischen Bistümer in Magdeburg, Görlitz und Erfurt wurden vor 25 Jahren gegründet. In Erfurt wird heute gefeiert.

Viele, die heutzutage unzufrieden mit Kirche sind, die vielleicht sogar enttäuscht oder verletzt wurden, fragen sich, was da eigentlich gefeiert wird. 25 Jahre Bistum Erfurt natürlich auch Magdeburg und Görlitz sind letztlich ein Geschenk der Wende. Es ist die Freiheit, für die viele Menschen mutig gekämpft haben. Und diese Freiheit feiern wir.

Wenn ich mir Wahlergebnisse anschaue oder manches Geschwätz in der Straßenbahn mitbekomme, frage ich mich, ob uns die Freiheit zu selbstverständlich geworden ist? Wer nur meckert, verändert nichts. Wer immer nur die Schuld der anderen sieht, bekommt nicht mit, was er selbst anders machen könnte. Unter dem Motto "miteinander frei" wird heute in Erfurt daran erinnert, dass Freiheit ein Geschenk mit Verpflichtungen ist. Und diese Freiheit muss eben auch gestaltet werden und zwar von uns allen.
Vielleicht kann es manchen Frust in neue Motivation wandeln, wenn man sich daran erinnert, wie viele Menschen friedlich - mit Kerzen in der Hand - gebetet haben und viel in dieses Geschenk der Freiheit investiert haben. Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen Stephan Rhode aus Erfurt.

Biografie Stephan Rhode - Stephan Rhode
- geboren 1980 in Leinefelde
- verheiratet
- 1 Sohn

- Berufsausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel
- Ausbildung zum Religionspädagogen in Freiburg/ Breisgau
- seit 2012 Gemeindereferent in St. Lorenz in Erfurt und Jugendseelsorger für das Dekanat Erfurt
- Bischöflicher Beauftragter für Internetseelsorge im Bistum Erfurt

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 16. September 2019 | 06:20 Uhr