Namenkunde mit Prof. Udolph zu Thüringer Ortsnamen
Bildrechte: Collage: MDR/Sabine Meinert / Colourbox

Landkreis Greiz Lederhose

Erster Gedanke: Die Bewohner dürfen nur Lederhosen tragen. Wäre lustig, ist aber falsch. Es hat was mit der Form des Flurstücks zu tun.

Namenkunde mit Prof. Udolph zu Thüringer Ortsnamen
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Lederhose ist ein Ort bei Münchenbernsdorf südwestlich von Gera.

Historische Belege:

  • 1297 in Lederhose
  • 1351 de Lederhosen

Deutungen:

Heinz Rosenkranz behandelt den Namen in seinem Buch: "Ortsnamen des Bezirkes Gera", Greiz 1982, S. 43.

Vermutlich handelt es sich ursprünglich um einen Flurnamen. Das Flurstück hatte die Form einer Hose. Es gibt eine ganze Reihe von Namenparallelen, vor allem bei Flurnamen, die diese Deutung stützen:

1.) Lederhose hieß - in der amtlichen Form Lederose - bis 1945 ein Ort in Schlesien (bei Striegau), heute heißt der Ort Różana; histor. Belege aus Nazwy miejscowe Polski: Cunczledirhosin um 1300; Ledirhose 1330; Lederose 1360; Ledirhosen 1371(1372?), 1385; Lederhose, auch Lederrose (1371); Ledirhosin 1372; Lederhose 1393; Ledirhose 1395; Ledirhoze 1399; Ledirhosen 1401; Ledirhose 1403; Laderhosse 1677; Lederhose, Laderhoße 1687; Lederhose 1743; Lederhose 1785; Lederhose 1845; Lederose 1889; Lederose 1941; Różana 1947.

2.) Flurname in Ellenbach (Gem. Fürth, Odenwald): In der Letternhose (Südhessisches Flurnamenbuch, hrsg. v. H. Ramge, Darmstadt 2002, S. 634 mit der Deutung: die Namen stellen sich zu ahd. ledarhosa, mhd. lederhose ‚Hose aus Leder, Ledergamasche‘ und verweisen auf den hosen- oder strumpfförmigen Umriss eines Flurstücks.

3.) Flurname in Gundernhausen, Gem. Roßdorf (Kr. Darmstadt-Dieburg): Auf, Neben den Lederhosenpfad, 1671: In der ledder hossen (Südhessisches Flurnamenbuch, hrsg. v. H. Ramge, Darmstadt 2002, S. 634)

4.) Flurname in Dittelsheim und Heßloch (Kr. Worms), 1539: in der lederhosen, mit 1629: in der Lederhossen (H. Ramge, Die Siedlungs- und Flurnamen des Stadt- und Landkreises Worms, Giessen 1979, S. 161 mit der Deutung: "Der Name deutet auf den Grundriß der Fluren hin".

5.) Flurname in Offstein (Kr. Worms), in den Lederhosen, 1720: bey der Lederhoß (R. Ramge, ebda.).

6.) Lederhose, 1735: in der letterhoß, in Sankt Johann (S. Bingenheimer, Die Flurnamen der Gemeinden um den Wissberg in Rheinhessen, Stuttgart 1996, S. 237) mit der Bemerkung: "Möglicherweise eine Benennung nach der Flurform".

In diesem Zusammenhang ist auch auf den häufigen Flurnamen Hose(n) hinzuweisen. H. Dittmaier, Rheinische Flurnamen, Bonn 1963, S. 115 notiert als Flurname: "Hose". Kreuznach mehrfach; Goarsh.-Herold; Koch-Kond. Ahrw-OWinter: aufm Hosengraben; IV: Essen mehrfach. Histor. Belege: 1320 (?) in der Hoysen; 1476 die Hose; 1585 ahn der Hose. - Bedeutung: Strumpf - Flurstück in der Form eines Strumpfes.

Und im Mittelhessischen Flurnamenbuch heißt es zu "Hose in Flurnamen": "Einige Namen gehören mit Bestimmtheit zu ahd. hosa, mhd. hose sw. F. 'Beinbekleidung, Strumpf', vor allem die Form Hosenbein und Hosenband, aber auch wohl die Hosenwiese, vielleicht der Hosacker".

Literatur-Angaben: "Ortsnamen des Bezirkes Gera"
Heinz Rosenkranz
Greiz, 1982
Seite 43

Zuletzt aktualisiert: 16. März 2015, 11:01 Uhr