Luftbilder Mehrstedt
Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo

Bei Schlotheim im Unstrut-Hainich-Kreis Mehrstedt

Mehrstedt ist seit 1994 ein Ortsteil von Schlotheim im Unstrut-Hainich-Kreis. Ackerbau und Viehzucht prägten das Dorf über Jahrhunderte.

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Vorbemerkung: Man ist sich nicht einig, ob die folgenden, zahlreichen Quellenbelege wie Mechstede, Mestede, Megstede, Megestede wirklich auf Mehrstedt zu beziehen sind. Aber davon ist die Deutung abhängig. Im Urkundenbuch (UB) Walkenried steht: Ortslage unsicher, möglicherweise identisch mit Mehrstedt, Ortsteil von Schlotheim, Unstrut-Hainich-Kreis.

Historische Belege:

  • 1130: (aus schlechter Kopie) Muerstidi (CDS I A II Nr. 83 S. 66)
  • 1205: Mechstede (UB Walkenried I Nr. 57 S. 104)
  • 1206: Mestede (UB Walkenried I Nr. 59 S. 109)
  • 1206: Mestede (UB Walkenried I Nr. 60 S. 110)
  • 1206: Megstede (!) (Dobenecker II Nr. 1321 S. 246)
  • 1206: (Kopie) Mechstede (UB. Walkenried I Nr. 62 S. 112)
  • 1218: Megestede (UB Walkenried I Nr. 102 S. 148)
  • 1221: Megestede (Dobenecker II Nr. 1984 S. 359)
  • (1224): (Kopie) Mechistede (UB Walkenried I Nr. 134 S. 172)
  • 1229: (Kopie) Mechstede (UB Walkenried I Nr. 161 S. 192)
  • 1230: (Kopie) Mechstede (UB Walkenried I Nr.167 S. 198)
  • 1255: Mechstede (UB Walkenried I Nr. 343 S. 342)
  • 1255: Meestede (Dobenecker III Nr. 2370 S. 375)
  • 1262: Megstede (Dobenecker III Nr. 2969 S. 466)
  • 1274: Meichstede (UB Walkenried I Nr. 502 S. 447)
  • 1282: Mechstede (UB Walkenried I Nr. 558 S. 487)
  • 1282: Mechstede (UB Walkenried I Nr. 564 S. 491)
  • 1285 (Kopie): Meestede (Dobenecker IV Nr. 2411 S. 345)
  • 1286: Meestede (Dobenecker IV Nr. 2592 S. 368)

Ein schwieriger Name. Offenbar ist von einer Grundform *Megstede oder *Mechstede auszugehen. In der Position vor -st- ist dann -g- oder -ch- zunächst stimmhaft ausgesprochen worden und letztlich geschwunden, so dass die Form(en) Mestede, Meestede entstanden. Dieses nun wiederum wurde in der Mundart nicht verstanden und zu Mehr-stedt umgedeutet.

Das Grundwort sted- findet sich mit den Varianten statt und stetten sehr häufig in Ortsnamen. Zurückzuführen ist es auf althochdeutsch stat, altsächsisch (frühmittelalterliche norddeutsche Sprache) steti oder mittelniederdeutsch (hochmittelalterliche norddeutsche Sprache) stedi, stidi in der Bedeutung "Ort, Stelle, Platz".

Schwieriger ist der erste Teil zu deuten. A. Werneburg belastet nur den ersten Beleg Muerstidi und denkt an mittelhochdeutsch mure "Bruchland". H. Walther stellt ihn zu mittelhochdeutsch mæjen, mittelniederdeutsch mei(g)en "mähen" und sieht darin einen "Ort, wo man mäht".

Beide Vorschläge klingen nicht überzeugend. Vielleicht muss man einen anderen Weg gehen. Eine alte, indogermanische Wurzel war *mak-, noch gut bezeugt in slawisch mokry "feucht, nass". Aus *mak- musste durch die 1. oder germanische Lautverschiebung -h- werden, gelegentlich auch -g-. Das kann man hier nutzen und von einer Variante *Meh- oder *Meg-stede ausgehen. Der Ortsname wäre dann als "feuchter Ort", "an einer feuchten Stelle liegend" zu verstehen. Dieses ist ein Versuch, eine Hypothese, die weiterere Untersuchung bedarf.

Literatur-Angaben: "Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts"
H. Walther
Berlin 1971, S. 381

"Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens"
A. Werneburg
Nachdruck Köln-Wien 1983, S. 52